George Soros

29. April 2010 22:08; Akt: 07.05.2010 16:46 Print

Der Mann, der den Euro stürzen will

von Othmar Bamert - Für die Investoren-Legende George Soros steht die EU-Währungsunion kurz vor dem Auseinanderbrechen. Sorgt sich der Spekulant – oder plant er erneut einen Milliardencoup?

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Was führt der Milliardenspekulant George Soros diesmal im Schilde? (Bild: Keystone)

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Der Euro steht massiv unter Druck. Ende 2009 notierte die Einheitswährung im Vergleich zum Dollar noch auf über 1.50. Aktuell steht sie bei 1.32. Experten sagen voraus, dass der Euro sogar auf Parität absacken könnte: Das bedeutet: Ein Euro wäre dann gleich viel wert wie ein US-Dollar.

Spekulanten sahen den Schlamassel bereits früher kommen. So sagte George Soros im Februar an einer Investorenkonferenz, dass die europäische Einheitswährung auseinanderbrechen könne. Diese Aussage lässt aufhorchen. Denn George Soros ist nicht irgendein Investor, sondern ein ausgebuffter Währungs-Gambler.

Er zwang die Bank von England in die Knie

1992 wettete Soros auf den Wertzerfall des englischen Pfundes, indem er sich die Währung lieh und gegen andere europäische Währungen tauschte. Und zwar in solch grossem Stil, dass die britische Regierung – am «Black Wednesday»,16. September 1992 – das Pfund tatsächlich abwerten musste. Soros verdiente mit dem riskanten Geniestreich über eine Milliarde Dollar und ist seither auf den Finanzmärkten so geachtet wie gefürchtet. Entsprechende Beachtung finden seine Prognosen bei Währungshütern wie Politikern.

Wenn nun Soros laut den Euro-Zerfall herbeiredet, kann das Zweierlei bedeuten. Erstens, der Spekulant sorgt sich tatsächlich um die Stabilität der Euro-Zone und damit um das Wohlergehen von Millionen von Europäerinnen und Europäern. Oder zweitens: Der alte Fuchs plant einen ungleich grösseren Währungscoup als im Jahr 1992.

Für Altersmilde gibt es bei ihm durchaus Anzeichen. Soros gibt in Interviews gerne den Wohltäter und stellt seine Spekulationen häufig in einen politischen Zusammenhang. Allerdings wurde er für einen Aktiendeal in Frankreich, der ihm Ende der achtziger Jahre Millionen in die eigene Kasse spülte, später wegen Insiderhandel verurteilt.

Soros schmiedet Hedge-Fund-Bande

Wahrscheinlicher ist, dass Soros die Einheitswährung in die Knie wetten will. Dieses Szenario scheint wahrscheinlicher. Denn Ende Februar berichtete das «Wall Street Journal» von einem konspirativen Dinner im New Yorker Finanzdistrikt Manhattan. Es trafen sich die wichtigsten Hedge-Funds-Manager der Welt. Ihr Ziel: Wie lässt sich aus der Euro-Krise möglichst viel Profit ziehen. Am Treffen sollen auch Vertreter von Soros Fund Capital teilgenommen haben.

Nach Meinung von Experten würde ein solcher Monstercoup die Potenz des geschätzte 24 Milliarden Dollar schweren Fonds von George Soros bei weitem übersteigen. «Der Euro-Dollar-Futures- Markt weist ein riesiges Volumen auf», sagte ZKB-Analyst Anastassios Frangulidis. Ein einzelner Akteur – auch wenn er die Finanzpotenz von Soros besitzt – bewegt da wenig. Sogar dann, wenn verschiedene Hedge-Funds zusammenspannen, um den Euro auszuhebeln. Im laufenden Jahr stieg die Anzahl Transaktionen, mit denen die Händler auf einen Kurszerfall des Euro wetten, auf den höchsten Stand seit der Geburt der Einheitswährung. Verglichen mit den heute gehandelten Euro-Mengen war der Pfund-Coup, den Soros vor 18 Jahren startete, «Peanuts».

PR wirkt mehr als Milliarden

Was mehr wirkt, ist negative Publicity: «Wenn sich die Marktmeinung gegen eine Währung dreht, kann man sich kaum dagegen wehren», sagt der ZKB-Analyst. Und so kommt Soros’ Aussage möglicherweise einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung gleich. Mit vielen Verlierern, aber einigen Gewinnern: Darunter George Soros.

Der Währungs-Zampano verunglimpft auch die Wirkung der Rettungspakete von EU und Währungsfonds. Denn: Griechenland befinde sich in einer «Todesspirale». Die Kreditkosten für das Paket sind gemäss Soros zu teuer. Falls der Markt in Erwartung einer Zahlungsfähigkeit sehr hohe Zinsen verlange, führe genau dieser Umstand in die Insolvenz, so Soros. Griechenland könne nur über weiche Kreditbedingungen zur Erfüllung seiner Zahlungsverpflichtungen geholfen werden. Falls dies nicht geschieht, ist laut Anleger-Legende mit weiteren Verschärfungen zu rechnen, da in diesem Fall die Steuereinnahmen sinken und die Wirtschaft weiter nach unten gleitet.

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