Verzögerungen

02. August 2018 10:52; Akt: 02.08.2018 10:52 Print

Der Self-Checkout ist nicht immer der schnellste Weg

von R. Knecht - Wartezeiten, technische Probleme und zu wenig Erfahrung: Wer den Self-Checkout im Detailhandel nutzt, ist kaum schneller als an der bedienten Kasse.

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Für viele ist der Self-Checkout eine Möglichkeit, schneller aus dem Laden zu kommen. Aber so flott, wie man sich das vorstellt, geht es nicht immer. Das zeigen Stichproben von 20 Minuten bei Coop und Migros.

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Die Redaktion sandte eine Testperson in Filialen der Detailhändler. Sie kaufte jeweils vier Artikel und ein Plastiksäckli und mass, wie viel Zeit sie am Self-Checkout und ein zweites Mal an der Kasse verbrachte. Im Schnitt brauchte der Tester am Self-Checkout rund eine Minute – an der bedienten Kasse waren es 10 Sekunden weniger.

Die erfahrenen Detailhandelsangestellten scannen merklich schneller als die Testperson. Für die insgesamt fünf Artikel brauchten Kassierer im Schnitt rund 20 Sekunden, die Testperson fast doppelt so lange. Der Unterschied scheint damit zusammenzuhängen, dass die Testperson bei jedem Artikel noch kurz prüfen musste, wo der Code war. Kassierer wussten das bei vielen Artikeln instinktiv.

Lange Wartezeit

Noch mehr Zeit verlor die Testperson, wenn am Self-Checkout nicht alles rund lief: Wenn das Gerät einen Barcode nicht erkennt, kommt sowohl bei Coop als auch bei der Migros eine Meldung, man solle sich ans Personal wenden. In der Migros war die Person bereits zur Stelle. Bei Coop drückte der Tester den Hilfe-Button, musste daraufhin aber fünf Minuten warten, bis jemand kam. Eine Coop-Sprecherin versichert, dass das ein Ausnahmefall sei, da normalerweise immer mindestens ein Mitarbeiter dem Self-Checkout zugeteilt sei.

Sowohl in der Migros als auch im Coop konnte der Betreuer das Problem innert rund 30 Sekunden beheben. Im Coop erledigte er auch gleich noch die Alterskontrolle, sodass die Testperson wegen des Biers nicht noch einmal jemanden rufen musste. Andernfalls hätte die Altersprüfung im Coop etwas Zeit beanspruchen können. Allerdings wird sie oft schon per Handy von einer Kassenaufsicht durchgeführt, bevor es ans Bezahlen geht – dann merkt der Kunde davon gar nichts.

Subjektive Wahrnehmung ist ausschlaggebend

Dass der Self-Checkout für schneller gehalten wird, hat viel mit der subjektiven Wahrnehmung zu tun. Der Kunde könne selber über den Verlauf der Bezahlung bestimmen und habe darum das Gefühl, schneller zu sein, sagt Luc Zobrist, Deloitte-Ökonom, zu 20 Minuten.

Aufgrund der Testwerte ist zu vermuten, dass Kunden beim Self-Checkout theoretisch ähnlich schnell wie Kassiererinnen sein könnten, solange sie drei Kriterien erfüllen:

• Keine Hilfe nötig
Wenn man mit dem Automaten nicht zurechtkommt und deswegen Hilfe von Angestellten braucht, verlangsamt das den Prozess merklich. Immerhin ging es bei den Stichproben bei der Migros zügig, während der Tester bei Coop teils lange warten musste. Eine Altersprüfung kann ebenfalls zu Verzögerungen führen.

• Wenige Produkte
Da es bei den Stichproben einen grossen Unterschied bei der Scangeschwindigkeit gab, ist davon auszugehen, dass Kunden am ehesten mit den Kassiererinnen mithalten können, wenn sie so wenige Artikel wie möglich kaufen. Ausgehend von den Durchschnittswerten würde die Testperson am Self-Checkout bei einem einzigen Artikel nur noch rund 3 Sekunden länger brauchen.

• Vertraute Artikel
Wer immer ähnliche Produkte kauft, weiss mit der Zeit ziemlich genau, wie er sie korrekt scannen muss. Dann dürfte der Unterschied bei der Scangeschwindigkeit nahezu vernachlässigbar werden.

Flexibilität kann Zeit sparen

Bei den Stichproben wurden bestimmte Faktoren nicht berücksichtigt. So können Kunden etwa Zeit sparen, wenn sie abhängig von den Warteschlangen bei Self-Checkout und an den bedienten Kassen spontan entscheiden, welche Methode sie nutzen. Wer zudem seinem Kind den Scanner in die Hand drückt, dürfte ebenfalls einige Zeit verlieren. Wie eine Mutter im Video zu 20 Minuten sagt, entscheidet sie sich für den Self-Checkout aber gerade auch, weil die Kinder Spass daran haben:


Das sagen Passanten in Zürich zum Self-Checkout und warum sie ihn bevorzugen oder meiden. (Video: Raphael Knecht)

Wer beim Self-Checkout zur seltenen Stichprobe gerufen wird, dürfte natürlich ebenfalls länger aufgehalten werden, als wenn er bei der bedienten Kasse gewesen wäre – auch wenn er sämtliche Artikel ordnungsgemäss gescannt hat.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • The Spytex am 02.08.2018 11:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ja klar...

    und anstehen bei der kasse wurde nicht einkalkuliert?

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  • Detlef am 02.08.2018 11:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unverschämt

    Ich würde so was vielleicht noch brauchen. Doch die Grossverteiler sparen damit Personal. Ich bekomme den Einkauf aber nicht günstiger. Also kaufe ich ein wie bisher. Es wäre ja noch schöner wenn ich den Job anderer mache und immer noch den gleichen Preis bezahlen müsste.

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  • Self Scanner am 02.08.2018 11:06 Report Diesen Beitrag melden

    Unsinn

    Es kann sein das einige beim selber Scannen am Automaten nicht so schnell sind wie an der Kasse. Ich liebe auch diejenigen die mit einem vollen Einkaufswagen am Scanner stehen und alle anderen blockieren. Aber wenn ich den Hand-Scanner nehme und schon beim aus dem Regal nehmen den Artikel scannen, diesen dann in meinen Korb oder Tasche lege, bin ich defnitv schneller. Denn immerhin muss an der Kasse nicht alles wieder aus dem Wagen raus und nachträglich wieder verräumt werden, schon das spart Zeit. Aber auch beim selber Scannen behaupte ich (für mich) schneller zu sein.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Simon Boss am 06.08.2018 17:44 Report Diesen Beitrag melden

    Mein ja nur...

    Wenn ich die Wahl hab an eiene bedienten Kasse mit Schlange anstehen zu müssen oder an der leeren Selfscan Station, dann doch lieber letzteres.

  • Z.Z am 03.08.2018 20:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Discounter

    super dann gibts bald ja keine Verkeuferinen mehr im Aldi.

  • André Urech am 03.08.2018 18:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    In Ruhe einpacken

    Beim Self-Checkout kenn ich den Einkauf in Ruhe einpacken. Kein Stress das Fach für den übernächsten Kunden zu blockieren.

  • Tom am 03.08.2018 18:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Brauche das nie, denn...

    ...der Automat vernichtet Arbeitsplätze, der Automat bezahlt keine Steuern, der Automat bringt kein Stutz in die AHV....

    • Simon Boss am 06.08.2018 17:45 Report Diesen Beitrag melden

      Der Gerät

      Der Automat schwitzt auch nicht, der Automat braucht auch keine Pause... Der Automat macht der Gerät Konkurrenz.

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  • Delphine Recher am 03.08.2018 18:00 Report Diesen Beitrag melden

    Aber dabei kann man sparen

    Vielleicht nicht der schnellste, aber sparsamer sicher, weil man da gut jedes Mal zwei bis drei Artikel versehentlich nicht registrieren kann. Ich habe dadurch sicher schon viele hundert Franken nicht bezahlen müssen. Ein schlechtes Gewissen muss man nicht haben, weil das einkalkuliert und im Preis schon draufgeschlagen ist.