Mobiltelefonie

03. Februar 2011 15:48; Akt: 03.02.2011 15:53 Print

Der Standard-Stecker kommt - auch ohne Gesetz

von Gérard Moinat - Fertig mit dem Kabelsalat: Innerhalb der EU müssen Handys ab sofort mit einem universellen Ladegerät ausgerüstet sein. Das wird sich auch auf die Schweiz auswirken.

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Günter Verheugen, der Vize-Präsident der Europäischen «Ladegerät»-Kommission, zeigt, mit was sich Schweizer noch länger herumschlagen müssen: Diversen Ladegeräten für Mobiltelefone. (Bild: Keystone)

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Im Februar 2009 kündigte der Industrieverband der Mobilfunkindustrie «GSM Association» an, dass bis 2012 die meisten Handys mit einem standardisierten Ladegerät, dem sogenannten Micro-USB-Stecker, ausgeliefert werden müssen.

Seit Anfang Jahr macht die EU nun ernst: Beim Kauf eines neuen Handys können Kunden in Europa ab sofort ein Gerät mit so genannter «standardisierter Steckerbuchse» zum Aufladen des Gerätes einfordern.

Diverse Hersteller produzieren EU-weit bereits mit diesem neuen Stecker. Und bis in zwei Jahren sollen fast alle Handys mit einem standardisierten Ladegerät kompatibel sein.

Schweiz: Dem Markt überlassen

Gute Neuigkeiten also für unsere europäischen Mitbürger. Schweizer Konsumenten aber haben keinerlei Recht auf den Standard-Stecker. Denn gemäss dem Bundesamt für Kommunikation gibt es hierzulande keine derartige gesetzliche Grundlage.

Entsprechend gewähren die Schweizer Telekomanbieter ihren Kunden keinen automatischen Anspruch auf ein neues, standardisiertes Ladegerät. Swisscom, Orange und Sunrise gehen lediglich davon aus, dass sich auch die neuen Ladeanschlüsse in den nächsten Jahren nach und nach in der Schweiz breit machen werden. «Die einheitlichen Ladegeräte werden sich auch in der Schweiz weiter verbreiten, da die Hersteller keine separaten Lösungen für die Schweiz entwickeln werden», schätzt etwa Swisscom-Sprecher Olaf Schulze.

Kunden, die ein Modell mit einem nicht standardisierten Anschluss kaufen möchten, würden von Orange darauf aufmerksam gemacht, dass sie nicht den neuesten Standard erwerben. «Den definitiven Entscheid überlassen wir aber den Kunden», sagt Orange-Sprecherin Marie-Claude Debons.

Ähnlich tönt es auch bei Sunrise. Wenn ein Sunrise-Kunde im Shop nach einem Gerät mit standardisiertem Steckerbuchse frage, «so haben unsere Mitarbeiter im Shop genügend Auswahl um den Kunden kompetent beraten zu können», sagt Sunrise-Sprecherin Sevgi Gezici. Und zur Not gebe es ja auch noch die universellen Micro-USB-Travel-Charger wie auch Car-Charger im Zubehörsortiment.

Apple schert aus

Viele Mobiltelefon-Hersteller vertreiben hierzulande bereits freiwillig Geräte mit dem Standard-Stecker. Gemäss Aussagen von Sunrise liefern beispielsweise Samsung, Nokia, HTC und SonyEricsson in der Schweiz bereits heute einen grossen Teil ihrer Geräte mit Micro-USB-Anschluss. Auch neue Android-Geräte, BlackBerrys und Windows-Geräte seien gemäss Swisscom bereits mit dem einheitlichen USB-Ladegerät ausgerüstet.

Die Orange-Sprecherin beziffert den Anteil von Geräten mit standardisierten Steckerbuchsen derzeit auf immerhin 90 Prozent. Es gibt aber so immer noch zahlreiche Neugeräte, welche noch nicht über einen Micro-USB-Anschluss verfügen.

Wie viele Geräte mit altem Anschluss derzeit in den Verkauf gelangen, kommunizieren die Telekomanbieter nicht. Einmal mehr aber sind iPhone-Benutzer im Sonderzug unterwegs: Auf Anfrage von 20 Minuten Online heisst es beim Smartphone-Hersteller, dass Apple auch in Zukunft an seinem «dock connector» festhalten werde. Die EU-Initiative würde eine Anpassung nicht nötig machen. Zwar macht Apple bei der Initiative mit, behalte sich aber vor, seinen Geräten lediglich einen Adapter mitzuliefern, der mit dem Universalstecker kompatibel sei.