Milliardenschäden

13. März 2011 19:25; Akt: 13.03.2011 19:52 Print

Der Super-GAU für Japans Wirtschaft

Die Erdbeben- und Tsunamikatastrophe trifft Japan im dümmsten Moment. Die Schäden durch Produktionsausfälle und an der Infrastruktur sind enorm.

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Die Universität Sheffield hat eine interessante Grafik veröffentlicht, in welcher die Welt nach dem Erdbebenrisiko gewichtet zeigt (). Die Situation in den 2400 Evakuierungszentren wird prekär: Wasser, Heizöl und Essen müssen rationiert werden. In vielen Dörfern, in denen keine Evakuierungszentren eingerichtet werden können, ziehen die Nachbarn zusammen. Damit sparen sie Energie beim Kochen und je mehr Menschen sich in den Wohnräumen aufhalten, umso höher ist die Raumtemperatur. Viele Japaner besorgen Esswaren auf provisorischen Märkten. «Ich nehme das, was es gibt», sagt eine ältere Frau, «und bin für alles dankbar.» In einigen vom Tsunami betroffenen Städten wurden die Strassen frei geräumt - nun kann effizienter evakuiert werden. Im Katastrophegebiet erschweren derzeit Schneeschauer die Rettungsarbeiten. Rettungskräfte kämpfen sich mühsam durch die überflutete Einöde. Sie suchen weiter nach Überlebenden, obwohl die Chancen mit jeder Minute sinken. «Der starke Verwesungsgeruch und das dreckige Meerwasser machen die Suche extrem schwierig», sagt Helfer Yin Guanghui. Als sei die Lage nicht schon schlimm genug, liegen die Temperaturen unter dem Gefrierpunkt. An vielen Tankstellen bilden sich lange Schlangen. Die Menschen decken sich dort mit Heizöl ein. Die Zerstörung der Stadt Itsuchi in der Präfektur Iwate. Die Stadt existiert nicht mehr. Minamisanriku in der Präfektur Miyagi - dem Erdboden gleich. Minamisanriku in der Präfektur Miyagi - nichts bleibt übrig nach dem Tsunami. Sendai wurde vom Tsunami am härtesten getroffen. Eine Frau aus Miyako hat ihre Mutter und ihren dreijährigen Sohn verloren. Die toten Körper wurden im Haus gefunden. Eine Frau und ihre Tante in tiefer Trauer, als sie sich nach dem Erdbeben und Tsunami wieder treffen. Ein Schulzimmer in Otsuchi. Angestellte einer Firma geschockt, als sie ihren Arbeitsplatz wiedersehen in Minamisanriku, Miyagi. Überlebende vor den Toten in Rikuzentakata. Eine Harley Davidson sitzt auf Trümmern in Soma in der Präfektur Fukushima. Eine alte Frau kehrt zurück nach Hause - oder was davon übrig geblieben ist - in Otsuchi. Die Stadt Otsuchi - nichts bleibt übrig. Das Wasser ist hochgradig verschmutzt in Fudai. Schiffe in Kesennuma sind dort, wo sie nicht sein sollten. Der Tsunami beförderte Boote weit ins Landesinnere. Auch grosse Schiffe wurden von der Flutwelle wie Spielzeuge mitgerissen. Überlebende des Erdbebens versuchen, sich über die Dächer der eingestürzten Häuser in Sicherheit zu bringen. Nach wie vor wird fieberhaft nach Überlebenden des Tsunami gesucht. Die Flutwelle brachte meterhoch Schlamm in die Küstengebiete, was die Arbeit der Helfer erschwert. Trauer und Verzweiflung in Japan: Vielfach können Menschen nur noch tot geborgen werden. Die Versorgung mit Lebensmitteln ist schwierig. Wo es noch Waren gibt, bilden sich endlose Menschenschlangen. In Japan bilden sich derweil Schlangen vor den Supermärkten. Die Regale sind aber praktisch leer. Hunderttausende wurden aus den gefährdeten Gebieten evakuiert. Sie müssen in temporär eingerichteten Warteräumen übernachten. Einen Tag nach dem schweren Beben bietet die Stadt Sendai ein Bild der Verwüstung. Überall sind die Spuren der Verwüstung zu sehen. Die Strassen sind kaputt oder voller Schlamm. Die Welle drang bis zu zehn Kilometer ins Landesinnere ein. Kaputte Autos liegen herum, ... ... sogar Kleinflugzeuge. Angesichts Tausender Vermisster hat die japanische Regierung am 12. März 2011 ein grosses Militäraufgebot für Rettungsaktionen abgestellt. Hierzu sind 50 000 Soldaten für die Rettung von Überlebenden mobilisiert worden. Zahlreiche Städte und Dörfer entlang eines 2100 Kilometer langen Küstenabschnitts im Nordosten Japans sind betroffen. Mit der Flutwelle sind ganze Zugkompositionen weggeschwemmt worden. Die zuständige Eisenbahngesellschaft erklärte, sie wisse nicht, wie viele Menschen sich in den Zügen befunden hätten. In vielen Strassen an der Ostküste steht noch das Wasser. Rettungskräfte sind mit Booten unterwegs. Hunderte Menschen warten geduldig vor den wenigen Supermärkten, die wieder geöffnet haben, um sich mit dem Nötigsten zu versorgen. Auf Luftaufnahmen war zu sehen, wie Helikopter der Armee mit Leinen verzweifelte Menschen von Dächern ... ... und aus Hausruinen bargen. Dafür waren 190 Militärflugzeuge und Helikopter ... ... sowie 25 Schiffe in die von dem Erdbeben betroffenen Gebiete unterwegs. Wegen zerstörten Zufahrtsstrassen haben Rettungskräfte bislang nicht zum Küstenstreifen vordringen können. In weiten Teilen Nordjapans hat das Erdbeben schwere Schäden angerichtet. Die Flutwelle erreichte eine Höhe von zehn Metern. Eine unbekannte Zahl von Opfern ist vermutlich von herabfallendem Mauerwerk verschüttet worden. Der Tsunami riss Schiffe, ... ... Autos, ... ... Container am Hafen, ... ... ganze Gebäude ... ... und tonnenweise Schutt und Geröll mit sich. Eine Retterin in Kesennuma.

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Die Erdbeben- und Tsunamikatastrophe in Japan hat nicht nur grosses menschliches Leid verursacht, es hat auch schwere Auswirkungen auf die ohnehin geschwächte Wirtschaft des 127-Millionen-Einwohner-Landes.

Der Schaden durch das schwerste Erdbeben in der Geschichte Japans wird Versicherer nach Einschätzung von Experten bis zu 34,6 Milliarden Dollar kosten, so der aktuelle Stand. Die versicherten Schäden an Privatgebäuden lägen bei mindestens 14,5 Milliarden Dollar, teilte die US-Risikoanalysegesellschaft AIR Worldwide am Sonntag mit.

Allerdings sei die Lage vor Ort noch schwer einzuschätzen, weil die Rettungs- und Bergungsaktionen im Erdbebengebiet im Nordosten Japans noch in vollem Gange seien, erklärte die Gesellschaft. Es gebe deshalb noch «eine grosse Unsicherheit» bezüglich der für die Schätzung herangezogenen Parameter.

Rezession droht

Da die Katastrophe zu Produktionsausfällen bei den Autoherstellern Toyota und Nissan und anderen Unternehmen führte, droht eine Rezession. Ausserdem wird der ohnehin enorme Schuldenberg des ostasiatischen Landes wegen der notwendigen Investitionen in den Wiederaufbau weiter wachsen.

Auch der durch das Beben ausgelöste Atomunfall und die Abschaltung von zahlreichen Atomkraftwerken schadet der japanischen Wirtschaft.

China hat Japan überrundet

Japans wirtschaftliche Entwicklung gab schon vor der Katastrophe keinen Anlass zum Jubeln. Vor einem Monat räumte Tokio offiziell ein, dass Japan nach mehr als 40 Jahren seinen Rang als zweitgrösste Wirtschaftsmacht der Welt an China abtreten musste.

Nun hat das Land auch noch mit Produktionsausfällen zu kämpfen. Wegen der Verwüstungen durch das Beben und die Flutwellen mussten die Autokonzerne Toyota, Nissan und Honda ihre gesamte Produktion aussetzen.

Auch in einigen Werken des Technologieriesen Sony sowie in anderen Fabriken gibt es Produktionsstopps. In mehreren Fabriken ereigneten sich in Folge des Bebens Explosionen, in einer Erdölraffinerie des Konzerns Cosmo Oil brannte es.

Unglücklicher Zeitpunkt

Ein grosses Problem für die Unternehmen ist auch die Zerstörung von Infrastruktur. Das Beben und der darauf folgende Tsunami verwüstete insbesondere die Küstengebiete der nordöstlichen Region Tohoku, die für acht Prozent des japanischen Bruttoinlandproduktes (BIP) verantwortlich ist.

Schäden gibt es aber auch in der südlicheren Region Kanto, zu der die Metropole Tokio gehört und die 40 Prozent des japanischen BIP erzeugt. «Das Erdbeben wird beträchtliche Folgen für die wirtschaftliche Aktivität einer grossen Zahl von Branchen haben», sagte ein Regierungssprecher am Sonntag.

Durch die Produktionsausfälle droht Japan eine Rezession, also das Schrumpfen der Wirtschaft in mindestens zwei Quartalen in Folge. Nach drei Quartalen des Wachstums war die Wirtschaft schon im letzten Quartal 2010 leicht geschrumpft. «Das Timing der Katastrophe hätte nicht schlimmer sein können», erklärte die Beratungsfirma Capital Economics.

Zu wenig Strom

Von Belang ist auch die Krise der Atomwirtschaft, die das Beben und der Tsunami auslösten. Die mehr als 50 japanischen Atomkraftreaktoren decken den Strombedarf des Landes zu rund 30 Prozent. Mehrere Kraftwerke liegen seit dem Beben still.

Durch die Schäden der Naturkatastrophe und die abgeschalteten Atomkraftwerke werde die Wirtschaft im ersten Quartal 2011 «spürbar geschwächt», sagt Commerzbank-Ökonom Wolfgang Leim. Hoffnung macht den Ökonomen jedoch, dass der Wiederaufbau der Katastrophengebiete umfangreiche Investitionen nötig macht.

Dies erlaube es, «die Wirtschaftsmaschine schnell wieder anzuwerfen», sagt Leim. Das Baugewerbe, die Stahlproduktion und die Telekommunikationsbranche würden von den notwendigen Reparaturarbeiten profitieren.

Schuldenberg

Die konservative Opposition, die bislang alle Ausgaben der Mitte-links-Regierung so gut es ging blockierte, hat schon signalisiert, dass sie Staatshilfen für das Katastrophengebiet mittragen werde. Die Regierung von Ministerpräsident Naoto Kan muss dann aber damit fertig werden, dass der Schuldenberg weiter wächst. Schon jetzt liegt die Gesamtverschuldung schätzungsweise bei 200 Prozent des Bruttoinlandproduktes.

(sda)