Rohstoffhändler Glencore

27. Januar 2011 07:22; Akt: 27.01.2011 10:43 Print

Der geheime Konzern wird transparent

von Sandro Spaeth - Die von Öltycoon Marc Rich gegründete Zuger Rohstoffhandelsfirma Glencore soll im April an die Börse gehen. Beim Deal geht es um Milliarden.

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Glencore ist so verschwiegen wie kaum ein anderer Konzern. Vom grössten Rohstoffhändler der Welt sind weder Gewinne noch Besitzverhältnisse bekannt. Die Zuger Firma handelt mit Öl, Kupfer und Aluminium, ist aber auch im Handel mit nachwachsenden Rohstoffen wie Weizen aktiv. Diskretion und Verschwiegenheit sind im Rohstoffhandel oberstes Gebot.

Ab April dürfte endlich Licht ins Dunkel von Glencore kommen. Die Firma wolle zwischen April und Juni in London und Hongkong an die Börse gehen, berichten «Wall Street Journal» und Bloomberg übereinstimmend. Sie beziehen sich auf mit den Plänen vertrauten Personen. Begleitet wird der Börsengang angeblich von der Credit Suisse, der Citigroup und Morgen Stanley.

Konzernwert: 60 Milliarden

Nach einem Börsengang würde bei Glencore vieles öffentlich, denn ein kotiertes Unternehmen muss alle kursrelevanten Daten offenlegen und jedes Quartal einen Abschluss veröffentlichen. Über den Zuger Rohstoffhändler weiss man bisher wenig. Der Konzern beschäftigt weltweit 2000 Mitarbeiter und ist in Privatbesitz des Managements, das äusserst verschwiegen agiert. 2009 erwirtschaftete die Handelsfirma mit Sitz in Baar (ZG) einen Umsatz von 106,4 Milliarden Dollar, was Ende 2009 der gleichen Summe in Franken entsprach. Zum Vergleich: Nestlé erwirtschaftete im selben Zeitraum 107,9 Milliarden Franken. Glencore ist somit eines der umsatzstärksten Unternehmen der Schweiz. Den Konzernwert schätzen Experten auf rund 50 bis 60 Milliarden Dollar.

Gerüchte über einen Börsengang von Glencore gab es schon öfters. «Die Anzeichen verdichten sich, dass er diesmal Tatsache wird», so ein Händler zu 20 Minuten Online. Der Zeitpunkt für einen Börsengang sei wegen des guten Umfelds für Rohstoffe günstig. Die Profiteure sind die aktuellen Manager, in deren Hände sich der Konzern befindet: «Bei einem erfolgreichen Börsengang werden sie den grossen Reibach machen», so ein Kenner des Rohstoffhandels zu 20 Minuten Online. Laut Berichten will das Unternehmen Aktien im Volumen von 10 Milliarden Dollar platzieren.

Ex-BP-Chef bald bei Glencore?

Die Aktien sollen vor allem an institutionelle Anleger wie Fonds oder Versicherungen ausgegeben werden. Einige wichtige Aktionäre stehen aber bereits fest, darunter der Staatsfonds von Singapur (GIC) – der bedeutende UBS-Anteil hält – sowie der Vermögensverwalter Blackrock. Beide zeichneten im Dezember 2009 eine Glencore-Anleihe mit dem Recht, diese in Aktien umzuwandeln.

Für den Börsengang sprechen auch Gerüchte, wonach Glencore Änderungen im Verwaltungsrat vornehmen will. Einsitz im fünfköpfigen Gremium haben derzeit mit dem Unternehmen gut vertrauten Personen, darunter der Verwaltungsratspräsident und Ex-Konzernchef Willy Strothotte sowie CEO Ivan Glasenberg. Im Regelwerk für in London kotierte Unternehmen wird aber verlangt, dass mindestens zwei Verwaltungsräte keine persönlichen und finanziellen Beziehungen zur aktuellen Geschäftleitung haben. Deshalb gilt es laut der «Finanz und Wirtschaft» als beinahe sicher, dass Strothotte vor dem Börsengang demissioniert. Als Nachfolger handeln britische Medien den von BP im Zuge der Ölpest gefeuerten Manager Tony Hayward.