Verschlüsselte Kapseln

08. Februar 2011 13:58; Akt: 08.02.2011 13:58 Print

Der nächste Schritt im Kapselkrieg

Nespresso präsentiert am Donnerstag eine neue Kaffeemaschine. Diese soll laut Gerüchten ein Elektronik-Chip enthalten, der fremde Kapseln aussperrt.

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Schützt Nespresso sein System bald mit einem Elektronik-Chip? (Bild: Keystone)

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Im Kampf um Kaffeekapseln gelingt Nespresso womöglich bald ein grosser Coup. Am Donnerstag präsentiert die Nestlé B”rsenkurs-Tochter in Zürich eine Maschine, die als «Weltneuheit» angepriesen wird. Beim Kaffeekapsel-Giganten spricht man von der bislang «raffiniertesten» Nespresso-Maschine.

«Raffiniert» lässt sich verschiedenartig deuten. Die Zeitung «Blick» schreibt von Gerüchten aus dem Nespresso-Umfeld, dass die neue Maschine ein Chip-System enthalte, das die Kaffeekapseln der Konkurrenz aussperrt. Technisch hat Nestlé längst bewiesen, dass sich Kapseln mit einem solchen System ausrüsten lassen. So wird in die Dosen für die im Mai 2010 lancierte Tee-Maschine «Special.T» ein winziger Chip eingebaut. Damit erkennt die Maschine selbständig, wie lange und bei welcher Temperatur sie die verschiedenen Teesorten brühen muss. Nestlé spricht in diesem Fall von einer «intelligenten» Maschine.

Mit Änderungen die Konkurrenz ärgern

Ob die als «raffiniert» bezeichnete neue Nespressomaschine bald die Konkurrenzkapseln aussperrt, ist unklar. Die Firma Nespresso und auch das Mutterhaus Nestlé wollten auf Anfrage von 20 Minuten Online zu den Gerüchten um ein integriertes Chip-System keine Stellung beziehen und verwiesen auf die Präsentation vom Donnerstagabend. Nespresso hat immer wieder mit Änderungen im Innenleben der Kaffeemaschinen aufgewartet und diese mit Qualitätsverbesserungen begründet. Die Konkurrenz sieht in diesem Vorgehen aber vor allem Störmanöver, die andere Marktteilnehmer am Bau von Nespresso-kompatiblen Kapseln hindern soll.

Hintergrund einer möglichen «Fremdkapselbarriere» ist denn auch Nespressos Angst vor einem schwindenden Geschäft. «Es ist sehr wohl möglich, dass Nestlé die Kapseln bald mit einem Chip-System ausrüstet», sagt ein Branchenanalyst zu 20 Minuten Online. Dies würde Nestlés Stellung massiv stärken. Fakt ist: Mit einem Chip-System, das fremde Kapseln aussperrt, hätte Nespresso wieder einen grösseren Vorsprung auf die Konkurrenz. Dieser ist wichtig, denn schon bald droht Nespresso eine ganze Welle an Nachahmerprodukten, da im Jahr 2012 das Kernpatent auf den Originalkapseln ausläuft.

Rechtsstreit mit Denner

Gleich mehrere Hersteller graben dem Kaffekapsel-Giganten aber bereits heute den Markt ab und produzieren ins Nespesso-System passende Kapseln, darunter Denner sowie der US-Herstellers Sara Lee. Seine Produkte sind in der Schweiz aber nicht erhältlich, werden aber beispielsweise von der französische Supermarktkette Casino vertrieben. Nespresso liegt mit beiden Firmen im Streit. Im Fall Denner hat Nespresso Mitte Januar per superprovisorischer Verfügung durchgesetzt, dass der Detailhändler seine Kaffekapsel vorläufig aus den Regalen nehmen muss. Wie dieser Rechtstreit allerdings ausgeht, ist ungewiss. Beide Parteien geben sich siegessicher.

Denner-Kunden reagieren verärgert auf den Gerichtsentscheid

(sas)