Zwei Milliarden verloren

16. September 2011 08:02; Akt: 17.09.2011 17:22 Print

Der nette Zocker von nebenan hat UBS gewarnt

Der Vorzeige-Banker K.A. aus London soll der UBS einen Milliardenverlust eingebrockt haben. Der UBS-Händler galt als höflich und eloquent. Wer ist der Oberzocker, der sich angeblich selber verraten hat?

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Die UBS-Hiobsbotschaft macht weltweit Schlagzeilen.

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Ein Schock ging durch die Finanzwelt gestern Donnerstag. Ein einziger UBS-Händler in London soll zwei Milliarden Dollar verzockt haben. Ein Einzeltäter? Wie BBC am Freitagmorgen meldet, haben nicht die internen Kontrollen in der UBS Alarm geschlagen, sondern der Händler K.A. habe selber gemeldet, dass er in illegale Deals verwickelt sei. Die UBS hat laut BBC die Hinweise von A. überprüft und erst danach die Polizei und die Bankenaufsicht avisiert.

Doch wer ist dieser Zocker? K.A. war einer von 6000 UBS-Angestellten in London. Er ist der Sohn eines UNO-Beamten und wuchs in Israel, Syrien und dem Irak auf. In England studierte er an der Universität von Nottingham. Dort hat A. 2003 einen Bachelor in E-Commerce und Digitalwirtschaft erworben. Von 1992 bis 1998 besuchte er ein teures Internat in West Yorkshire.

2006 begann seine Karriere im UBS-Hochhaus in der Londoner City. Zuerst als Trainee, dann als Trader, später als Direktor. Zuletzt soll er der Investment-Banking-Einheit «Equities» angehört haben. Der britischen Finanzaufsicht FSA (Financial Services Authority) zufolge arbeitet A. bei der UBS und ist sowohl beim Konzern in der Schweiz als auch bei der britischen Tochter UBS Limited in London registriert. Pikant: Laut «Financial Times» hat er im Back Office der Handelsabteilung gearbeitet, wie Jérôme Kerviel, der vor drei Jahren die Société Générale um Milliarden von Euro gebracht hat.

Bis diesen Sommer wohnte A. in einem 4000 Pfund teuren Apartment im trendigen Londoner Viertel Shoreditch. Später zog er um Richtung Osten. Sein früherer Nachbar sagte der New York Times, er sei stets gut gekleidet, höflich und eloquent gewesen. «Er war sehr nett.»

«Brauche ein Wunder»

Er war bekannt dafür, dass er wilde Partys schmiss. Einmal gabs eine laute Feier in seiner Wohnung. Als Nachbarn reklamierten, gab er eine Flasche Champagner aus. Er selber beschrieb sich einmal als total materialistisch und von Frauen besessen. Seine Langzeit-Freundin war angeblich eine Krankenschwester, weiss The Sun.

Wann A.'s Geldgeschäfte anfingen aus dem Ruder zu laufen, ist noch nicht bekannt. Laut The Sun postete A. auf seiner Facebook-Seite kurz bevor er verhaftet wurde, dass er in Schwierigkeiten sei und jetzt «ein Wunder brauche». Als es Anfang August an den globalen Finanzmärkten turbulent zu und her ging und diese abzustürzen drohten, schrieb er: «Kann man die Märkte nicht für eine Woche schliessen, damit sich alle mal erholen können?» Das konnte er offensichtlich nicht mehr. Die Polizei verhaftete ihn in der Nacht auf Donnerstag, nachdem er die UBS selber gewarnt hatte. Die Transaktionen seien laut UBS «nicht autorisiert» gewesen.

Falls er für schuldig befunden wird, muss er wohl für mehrere Jahre hinter Gitter. So wie der andere Oberzocker aus Frankreich, Jérôme Kerviel. Am Freitagmorgen gab die Londoner Polizei bekannt, dass die 24-stündige Frist, innerhalb der ein Verdächtiger ohne Erstattung einer Anzeige festgehalten werden könne, um zwölf Stunden verlängert worden sei.

Finma in Kontakt mit UBS

Seine Familie ist bitter enttäuscht. Sein Vater in Ghana meinte gegenüber The Sun, Betrug sei nicht der Lebensstil der Familie. Er müsse aber zuerst mit seinem Sohn sprechen, bevor er ihn verurteile.

Die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht Finma will sich zum jetzigen Zeitpunkt nicht äussern. Man stehe aber «in engem Kontakt» mit der Grossbank. «Die UBS hat uns umgehend informiert», sagte Finma-Sprecher Tobias Lux. Der Zeitpunkt, zu dem die UBS die Machenschaften ihres Mitarbeiters entdeckt hat, wird im Moment aber weder von der Finma noch von der UBS bekannt gegeben.

Ob die Banken - und die Aufsichtsbehörden - aus dem Fall A. endlich etwas lernen?


Bei Klick auf die Grafik erhalten Sie den interaktiven UBS-Kurs und können sich den Verlauf in verschiedenen Zeitabschnitten anzeigen lassen.

(kub)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Dani am 16.09.2011 01:39 Report Diesen Beitrag melden

    Ein neues "Opfer"

    Niemals haben die nichts mitbekommen, bei den Summen mussten die Chef's das einfach wissen. Nun isses in die Hose gegangen und er wird fallen gelassen.

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  • Die Ahnungslose am 16.09.2011 08:41 Report Diesen Beitrag melden

    Wie?

    Jetzt mal ohne Ironie, wie geht denn sowas? Ich habe nie in einer Bank gearbeitet und frage mich, wie genau so was von statten geht, kann mir das mal einer erklären bitte? Zockt man da mit Investorengelder? Hö?

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  • Marc am 16.09.2011 09:43 Report Diesen Beitrag melden

    So kanns gehen

    Das ganze geschieht über Optionen, Kauf eines Calls und Verkauf eines Puts ergibt das gleiche wie wenn man eine Aktie kauft, oder das ganze umgekehrt: Kauf Put und Verkauf Call ergibt einen Verkauf der Aktie, mit dem grossen Vorteil, dass nicht das Kapital wie für den Kauf der Aktie in die Hand genommen werden muss. Was wiederum eine riesige Hebelwirkung hat. Und der Ausdruck Director bei UBS ist einfach ein Vizedirektor, will nicht viel heissen, das ist man im IB Bereich noch schnell

Die neusten Leser-Kommentare

  • kritiker am 21.09.2011 11:32 Report Diesen Beitrag melden

    UBS ist nicht die einzige...

    Wahrscheinlich hat nicht nur die UBS solche Sachen gemacht, sondern auch andere Gross und Privatbanken, die UBS hats einfach als erstes erwischt.

  • Stephan am 17.09.2011 08:58 Report Diesen Beitrag melden

    Ethik gibts nicht mehr....

    Ist ja schon interessant; zuerst 60 millarden Steuergeld einstreichen um nicht unterzugehen, und später gegen die eigene Währung wetten...unter jeder Sau diese Einstellung

  • Röschu am 16.09.2011 15:24 Report Diesen Beitrag melden

    Ich werde keine Steuern mehr zahlen wenn

    Wenn hier jetzt wieder der Steuerzahler dafür gerade stehen muss, dann werde ich mich weigern, in Zukunft diese zu begleichen. Das hat nichts mehr mit Investmentbanking sondern eher mit organisierter globaler Kriminalität zu tun. Die UBS hatte ja schon zwei Tage nach der ersten Finanzhilfe durch die Steuerzahler vergessen, woher dieses Geld kam.

    • manuel am 16.09.2011 22:12 Report Diesen Beitrag melden

      ich werfe keine steuern mehr bez.

      genau so.hoffentlich wird der grossteil der schweizer mitziehen und keine steuern mehr bezahlen

    • manuel am 16.09.2011 22:19 Report Diesen Beitrag melden

      keine steuern mehr zahlen

      genau so sehe ich das mit steuern zahlen in zukunft auch.hoffentlich werden viele,viele mitziehen

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  • Michael Zug am 16.09.2011 14:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    No Go !

    ..... Und wieder einmal die "gerettete" UBS, welche wohl nie etwas aus Ihren Fehlern lernen will. Wer badet wohl dieses Mal den immensen Schaden aus? Wohl kaum ein Banker der UBS! Ich kann nur hoffen, dass nun auch der Letzte Bürger der CH gemerkt hat, dass er sein Erspartes besser zu einer anderen Bank bringt.

    • Osker Kellenberger am 16.09.2011 21:54 Report Diesen Beitrag melden

      Ersprnisse anlegen

      Kann ich ja nicht! Meine Pensionskasse bestimmt ja, wo der grösste Teil meiner Ersparnisse angelegt wird!

    • De Ueli am 17.09.2011 17:07 Report Diesen Beitrag melden

      Jaja, immer schreien...

      Und wie genau belastet euch das geldtechnisch? Habt ihr was von eurem Geld verloren oder wieso schreit ihr so laut?

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  • Lenox Lux am 16.09.2011 13:18 Report Diesen Beitrag melden

    Tralalalaaa

    Fertig genörgelt!! Arbeitet weiter... denn das waren Steuergelder, die da wieder verbrennt wurden... also weiter schaufeln!! sonst könnt ihr das UBS-Game auf der nächsten Steuerrechnung nicht finanzieren... ;)