Ralph Hamers

20. Februar 2020 12:46; Akt: 20.02.2020 17:32 Print

Neuer UBS-CEO will Bank, die wie Facebook ist

von B. Scherer - Ralph Hamers wird der neue CEO der UBS. Der Niederländer gilt als radikaler Digitalisierer: Die Bank der Zukunft soll eine digitale Plattform sein.

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In der Nacht auf Donnerstag gab Sergio Ermotti (59) seinen Rücktritt bekannt. Per Ende Oktober 2020 tritt der Tessiner als CEO der UBS zurück. Sein Nachfolger: der Holländer Ralph Hamers (54). Er leitet seit sieben Jahren die niederländische Bank ING.

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Die Bank der Zukunft ...

In der Branche ist der Niederländer als radikaler Digitalisierer bekannt. Laut Hamers wird die Bank der Zukunft eine digitale Plattform sein, wie er vor zwei Jahren zu «Finews.ch» sagte.

Das heisst, die Banken werden wie Facebook funktionieren. Genauso wie die Social-Media-Plattform ein Medienunternehmen ohne eigene Inhalte ist, soll eine Bank in Zukunft keine Bankbilanz besitzen. Zudem würden Kunden sowohl Anbieter als auch Nutzer von Dienstleistungen sein.

Er soll die Bank durch Veränderungen leiten

Diese radikalen und fortschrittlichen Ansichten verleiteten wohl auch UBS-Verwaltungsratspräsident Axel Weber zur Aussage: «Die Industrie durchläuft fundamentale Veränderungen, und Hamers ist die Person, die die UBS durch diese Transformation leiten kann.»

Es scheint, dass die UBS grosse Hoffnungen auf den neuen Chef setzt. Und das, obwohl Hamers als Retail-Banker gilt und laut dem Finanzblog «Inside Paradeplatz» keine grosse Ahnung von Private Banking, dem Kerngeschäft der UBS, hat.

Bonus sorgte für Skandal in Holland

Trotzdem gilt Hamers als Schwergewicht in der Welt der Banker: Schliesslich ist er seit über 28 Jahren für ING tätig. Er hat das Institut durch die Restrukturierung nach der Finanzkrise geführt. Dabei zahlte es auch alles Geld zurück, das die Bank vom holländischen Staat erhalten hatte.

Jedoch hat der Topmanager nicht nur für gute Schlagzeilen gesorgt. 2018 löste sein Jahresgehalt in Holland einen Aufschrei aus: Damals wollte der ING-Vorstand sein Jahresgehalt von 1,6 Millionen auf 3 Millionen Euro erhöhen. Schliesslich musste der Vorstand seinen Vorschlag aber zurückziehen, denn in Holland darf der Bonus eines Bankers maximal ein Fünftel des Fixgehalts ausmachen.

Über das Privatleben von Hamers ist nur wenig bekannt: Der Niederländer ist seit 1997 mit Patricia van Nimwegen verheiratet und hat zwei Kinder. Die Schweiz kennt der Holländer vor allem durch seine Besuche am WEF in Davos (siehe Video).

Hamers am WEF 2020. (Video: Facebook)


Was passiert jetzt mit Ermotti?

Sergio Ermotti tritt nach neun Jahren als CEO der UBS Ende Oktober zurück. Wie es mit ihm weitergeht, ist unklar. Weder die Grossbank noch Ermotti selbst geben darüber Auskunft.

In der Pressekonferenz am Donnerstag sagt Ermotti, dass er sich vorerst auf die nächsten acht Monate bei der UBS fokussieren werde. Dabei wolle er sich darauf konzentrieren, die Übergabe an seinen Nachfolger Ralph Hamers möglichst einfach und reibungslos zu gestalten. Was danach passiert, werde er zu gegebener Zeit kommunizieren.

Laut dem Finanzblog «Inside Paradeplatz» wird Ermotti nicht in den Verwaltungsrat aufsteigen. Bereits wurde nämlich darüber spekuliert, ob der Tessiner nach der Übergangsphase den bisherigen Verwaltungsratspräsidenten Axel A. Weber ersetzen wird. Gemäss internen Richtlinien der UBS darf Weber nur noch bis 2022 Präsident bleiben. Wer Webers Nachfolger wird, bleibt somit unklar.

Allerdings lobte Axel Weber Ermotti für dessen ausserordentlichen Einsatz: Ermotti habe die UBS nach der globalen Finanzkrise transformiert. So führte er die Bank vom risikoreichen Investment Banking weg. Stattdessen setzte er auf die Vermögensverwaltung mit Fokus auf reiche Klienten, wie die «Financial Times» schreibt.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Ale P. am 20.02.2020 13:02 Report Diesen Beitrag melden

    Ohje

    Also auf Deutsch gesagt, eine Bank die auf Datenschutz scheisst.

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  • Minnie Mouse am 20.02.2020 13:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ein Armutszeugnis

    Ich halte gar nichts von dem Gefasel von wegen Schweizern den Vorzug zu geben, aber in diesem Fall stimme ich zu! Warum zieht man an den Haaren einen geldgierigen Niederländer her, es gäbe doch genügend interne Kandidaten - auch Schweizer! Da wäre mir ja sogar der Khan noch lieber!

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  • Moni Fischli am 20.02.2020 12:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Keine Rettung durch Steuergelder.

    Ich hoffe nur das sie nicht wieder mit Steuergelder gerettet werden muss oder wird.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Walter Hechtler am 21.02.2020 19:28 Report Diesen Beitrag melden

    Und jetzt aber...

    Skillset mismatch...Viel Glueck meine UBS Freunde. Sahnt nochmals ab mit Aktien Hausse und dann ab in den Ruhestand.

  • Liebe Politiker am 21.02.2020 19:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Vorschlag PK

    Sobald die Banken und Versicherungen alles Geld abgezogen haben und wir keine Rente mehr erhalten, könnten uns der Staat als Entschädigung eines der vielen leerstehenden Häuser schenken, die mit unserem Geld gekauft wurden, aber reihenweise leerstehen. Könnte das bitte jemand unserem Bundesrat vorschlagen? Jetzt wird über die Rentenreform gesprochen.

  • Ace Vegas am 21.02.2020 16:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    CEO Einstein

    Auf so einen Einstein hat die Schweiz grad noch gewartet. Bleib in NL, die UBS ist eine andere Welt.

  • Peter Feld am 21.02.2020 16:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wie Netflix

    Zum Glück gibt es bereits eine Versicherung wie Netflix (smile-direct.ch)

  • Mike am 21.02.2020 15:27 Report Diesen Beitrag melden

    Arbeit wird vom Kunden ausgeführt

    Dann möchte ich jedoch von der Bank für alle ausgeübten Tätigkeiten wie Rechnung erfassen, mein Geld als Kredite vergeben, etc. entschädigt werden. Keine Zinsen zahlen, keine Dienstleistungen mehr anbieten, hohe Kontenführungsgebühren verlangen (für was?) und einen grossen Salär beziehen!