Fatale Fehleinschätzung

05. Dezember 2011 20:04; Akt: 05.12.2011 20:05 Print

Der teuerste Teppich der Welt

Ein deutscher Auktionator schätzte einen iranischen Teppich auf 900 Euro. Monate später war das Stück über 7 Millionen Euro wert. Nun hat der Auktionator ein Problem.

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Dieser Teppich ist dem Auktionator zum Verhängnis geworden. (Bild: Christies)

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Für den Laien ist dieser Teppich wohl nichts Besonderes: Das gute Stück Stoff ist 3,39 mal 1,53 Meter gross, darauf zu sehen sind scheinbar schnöde Blatt- und Blumenmuster. Ein Auktionator aus Augsburg schätzte den Perserteppich denn auch auf zarte 900 Euro. Monate später blätterte ein unbekannter Liebhaber bei einer Versteigerung bei Christie's in London sage und schreibe rund 7,2 Millionen Euro dafür hin.

Der Rekorderlös für den nunmehr teuersten Teppich der Welt hat die einstige Besitzerin auf den Plan gerufen. Die Frau aus dem Raum Starnberg klagt gegen den Inhaber des Augsburger Auktionshauses, weil dieser den eigentlichen Wert nicht erkannt habe. Von Mittwoch an muss das Landgericht Augsburg klären, ob der Auktionator für seine Fehleinschätzung und wenigstens einen Teil des entgangenen Gewinns haftbar gemacht werden kann.

Böse Überraschung

Zunächst war bei der Frau aus Bayern noch die Freude gross. Denn bei der Versteigerung in Augsburg im Oktober 2009 erzielte das Erbstück über 19 000 Euro - und damit das 20-fache des taxierten Wertes.

Dann die böse Überraschung: Auf Umwegen landet der Teppich aus dem 17. Jahrhundert, gefertigt in der iranischen Provinz Kerman, bei einem Hamburger Teppichhändler. Gerüchten zufolge hatte der Mann, der im Prozess als Zeuge geladen ist, von einem Kenner einen Tipp bekommen. Von dem Teppichhändler kommt das edle Stück zum berühmten Auktionshaus Christie's, wo er auf mehrere hunderttausend Pfund geschätzt wird. Tatsächlich steigerten sich die Interessenten ins Uferlose hoch und der Perserteppich erzielte 7,2 Millionen Euro. Der Name des Ersteigerers ist nicht bekannt.

Gericht betritt juristisches Neuland

Aus Sicht der Klägerseite hätte der Augsburger Auktionator erkennen müssen, um welch wertvolles Stück es sich handelt. Schliesslich sei sogar in einem Buch dieser Teppich abgebildet, der sich einst im Besitz der Comtesse de Béhague (1870-1939) befand. Die frühere Besitzerin klagt zunächst auf rund 350 000 Euro. Dabei handelt es sich vorläufig um eine «Teilklage», die im Erfolgsfall einen weiteren Prozess nach sich ziehen könnte.

Völlig unklar ist aber, ob ein Auktionator für eine solche Fehleinschätzung überhaupt haftbar gemacht werden kann. Die 2. Zivilkammer mit dem Vorsitzenden Richter Andreas Dumberger betritt in dieser Hinsicht juristisches Neuland, ein vergleichbarer Rechtsstreit ist jedenfalls der Augsburger Justiz nicht bekannt.

Vom Verband der Deutschen Auktionatoren hat der Augsburger Kollege bereits Rückendeckung bekommen. Er habe sich nichts vorzuwerfen, sagt sein Berufsverband. Wie auch immer das Urteil ausfällt - es gilt als sicher, dass das Verfahren in die nächste Instanz gehen wird. Das wäre dann das Oberlandesgericht München.

(ap)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Reiner Drein am 05.12.2011 21:56 Report Diesen Beitrag melden

    Profi

    Schwierige Frage : Ob sie rechtlich da ne Chance hat ? unklar eher nicht. Obwohl ein gewisses Fehlverschulden des Auktionators auch gelten gemacht werden könnte -zwischen 9oo und 7,2,mil - er ist ja Profi ! Hey ?

  • John Kipkoech am 06.12.2011 10:15 Report Diesen Beitrag melden

    Sammler sind verrückt

    Der Wert von Sammlerstücken (irgendwelcher Art) ist stark von Mode, Trend, Charakter der Sammler und Zeitpunkt abhängig. Umso fanatischer, verrückter und wohlhabender ein Sammler ist, umso höher steigt der Preis - auch wenn es nur um Kaffeerahm-Deckel geht. Der gezeigte Seidenteppich hat wohl mehrere tausend Stunden Arbeit gegeben, da ist ist ein Preis von mehreren tausend Franken verständlich.

  • Erica Huber am 05.12.2011 23:13 Report Diesen Beitrag melden

    Des einen Freud, des anderen Leid

    Krass der Fall, speziell im Zeitalter von Internet. Wenn ich was zu verkaufen habe und den Handelswert nicht kenne, fang ich mal mit einer Suche auf e-bay an. Von dort gibts viele links und die gute Dame und der Auktionär hätten relativ schnell rausgefunden, dass sie ein Prunkstück haben. Pech gehabt! Statt auf dem Teppich ins Land der Träume zu fliegen, flogen beide auf die Nase.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Benjamin - Geschäftsführer Teppichporta am 22.03.2012 23:16 Report Diesen Beitrag melden

    Einzigartiger Teppich

    Der Teppich war der erste Teppich in seiner Art und hat deshalb diesen Preis gebracht. Es ist ein Museumsstück und kann mit dem bekannten Ardabil Teppich im Victoria und Albert Museum in London mithalten.

  • Dastan am 07.12.2011 12:28 Report Diesen Beitrag melden

    3,2,1 deins!

    hab auch einen Perser zu Hause. Für 1% dieser Auktion würde ich es sogar verkaufen.

  • Sammler am 07.12.2011 00:21 Report Diesen Beitrag melden

    teuerster Plastikbecher der Welt

    Bei einer Auktion kann man auch auf einen Plastikbecher Millionen bieten. Wichtig ist nur, dass derselbe Plastikbecher nirgends für einen viel kleineren Betrag gekauft werden kann.

  • T. Matte am 06.12.2011 11:58 Report Diesen Beitrag melden

    Ich würde mich auch betrogen fühlen.

    Da würde wohl jeder klagen. Ist ja auch ein erheblicher Irrtum beim Geschäftsabschluss. Ich hoffe, die Parteien machen wenigstens 50:50 - so hat jeder ein gutes Geschäft gemacht und die Gerichte werden nicht länger belästigt. 3.5 Mio tun ja keinem weh.

  • Abdullah Muhammad am 06.12.2011 11:06 Report Diesen Beitrag melden

    Fliegender Teppich

    Habt ihrs nicht bemerkt? Dabei handelt es sich um einen sog. Fliegenden-Teppig aus 1001 Nacht :) anschnallen nicht vergessen