Tony Hayward

07. Februar 2011 12:46; Akt: 07.02.2011 13:12 Print

Der verhasste Manager kommt zurück

Gegen den Ex-BP-Boss richtete sich der Zorn der Welt. Er gilt als Schuldiger für die Ölpest im Golf von Mexiko. Nun soll Tony Hayward einev neuen Ölmulti gründen.

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John Wright, Chef von Boots und Coots, der Firma, die die Entlastungsbohrung am Ort des Untergangs der «»Deepwater Horizon durchführt (Juni 2010). Behandlung einer Meeresschildkröte, die durch Kontakt mit Ölrückständen krank wurde. Audubon Nature Institute in New Orleans, 17. August 2010. Dieser Vogel kämpft im Golf von Mexiko gegen den Tod. Es ist ein Kampf, den er nicht gewinnen kann. Das Öl aus dem defekten BP-Bohrloch begräbt die Vögel buchstäblich bei lebendigem Leibe. Dieser Pelikan wird nie mehr fliegen. So sehr er sich auch bemüht, sein Tod ist nur noch eine Frage von Stunden. Die täglich 1,9 bis 3,8 Millionen Liter Öl, die aus der defekten Quelle ins Meer gelangen, haben deutliche Spuren in der Tierwelt hinterlassen. Bis Anfang Juli sollen seit dem Untergang der Bohrinsel «Deepwater Horizon» am 20. April insgesamt schon 80 Millionen bis 174 Millionen Liter Öl ausgelaufen sein. Lange Zeit war das Ausmass der Katastrophe unterschätzt worden, weil der Ölkonzern BP eine viel geringere Menge angegeben hatte. Die Tiere im Golf von Mexiko zahlen den Preis für die Informationspolitik des Erdölmultis. Die US-Umweltbehörde NOAA teilte am 29. Mai mit, dass inzwischen für etwa ein Viertel des Golfs von Mexiko ein Fischereiverbot besteht. Die Behörde gab die Fläche mit 60'683 Quadratmeilen an, was in etwa 157'000 Quadratkilometern entspricht und damit einer Fläche, die fast viermal so gross ist wie die Schweiz. Für die Fischerei in den drei Bundesstaaten Louisiana, Mississippi und Alabama war vier Tage zuvor der Notstand ausgerufen worden. Die US-Naturschutzbehörde «Fish and Wildlife Service» teilte mit, seit Beginn der Ölkatastrophe am 20. April 2010 ... ... seien mehr als 300 Seevögel, ... fast 200 Meeresschildkröten und 19 Delfine ... ... tot an die Küste gespült worden. Braunpelikane und zahlreiche andere Vögel nisten in den bereits ökologisch fragilen Küstengebieten von Louisiana. Retter bemühen sich verzweifelt darum, ölverschmierte Vögel einzufangen und zu reinigen. Doch für die meisten kommt jede Hilfe zu spät. BP setzt weiterhin eine umstrittene Chemikalie ein, die das Öl unter Wasser binden soll. Die US-Umweltbehörde hatte gefordert, das Mittel Corexit 9500 durch etwas anderes zu ersetzen - der Stoff sei zu giftig, die Folgen für die Umwelt seien nicht abschätzbar. BP bleibt dennoch vorerst bei der Chemiekeule. «Wir sterben einen langsamen Tod, jedes Mal, wenn das Öl sich einen Teil des Marschlandes nimmt, dann ist ein Teil Louisianas für immer verloren», klagen die Fischer. Auch der Tourismus leidet bereits unter der Ölpest.

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In der Weltöffentlichkeit ist Tony Hayward nicht gerade beliebt. Mit taktlosen Aussagen wie «die Menge an Öl, die ausläuft ist winzig im Vergleich zur gesamten Wassermenge» oder «ich will meine Leben zurück», manövrierte sich der Brite massiv ins Abseits. Haywards Gesicht verkam in der Öffentlichkeit wegen der unzähligen im Öl verendenden Vögel und Schildkröten zur verachteten Fratze der schwarzen Pest. Ganz anders steht der bei BP per Oktober 2010 geschasste Brite in der Business-Welt da. Dort traut man den gescheiterten Hayward erneut höchste Führungsaufgaben zu.

Britische Medien berichten von einem lukrativen Angebot für Hayward vom Staatsfonds aus Abu Dhabi. Angeblich will der Fonds mehrere Milliarden Dollar bereitstellen, um einen weltweit agierenden Ölkonzern aus der Taufe zu heben und braucht dazu einen Boss. Die Verhandlungen sind laut Insidern aber erst in einem frühen Stadium.

Hayward bat Abu Dhabi um Hilfe

Eine Verpflichtung Haywards im Emirat gilt als realistische Option, denn dem Ex-BP-Mann werden gute Kontakte zu Abu Dhabis Kronprinz Mohammed Bin Sajid nachgesagt. Sogar während der Ölpest sei Hayward in den Wüstenstaat am Roten Meer geflogen und habe die Vertreter des Staatsfonds dazu bringen wollen, einen Teil der Aktien des angeschlagenen Konzerns zu übernehmen. BP streitet diese Suche nach Hilfe aber ab. Es habe sich um einen privaten Besuch gehandelt.

Für den Staatsfonds aus Abu Dhabi dürften Haywards Gehaltsvorstellungen ein Klacks bedeuten, obwohl der Ex-BP-Manager in den vergangenen Jahren ein Salär von knapp 10 Millionen Euro bezog. Der Staatsfonds Abu Dhabis ist einer der grössten Kapitalgeber der Welt. Er soll über Gelder von bis zu 800 Milliarden Dollar verfügen, die zur Hautpsache aus Ölexporten stammen.

Jobangebot aus der Schweiz

Tony Hayward hat seinem ehemaligen Arbeitgeber BP wegen der Ölpest im Jahr 2010 einen Schaden von 4,9 Milliarden Dollar verursacht. Die Kosten für die gesamte Katastrophe veranschlagt der Energieriese mittlerweile auf 41 Milliarden Dollar. Doch selbst dieser gigantische Schaden vermag die zukünftigen Arbeitgeber Haywards nicht abzuschrecken. Laut «Spiegel Online» hat Hayward sogar etliche neue Jobangebote.

Eines davon kommt angeblich aus der Schweiz. Der Zuger Rohstoffkonzern Glencore, der in diesem Frühjahr in London und Hongkong an die Börse gehen will, soll Hayward für ein Verwaltungsratsmandat angefragt haben. Der Manager selbst sowie die Unternehmen hüllen sich über konkrete Pläne in Schweigen.

(sas)