«Big Data»

29. März 2016 08:04; Akt: 29.03.2016 08:04 Print

Deshalb sind Firmen scharf auf unsere Daten

von K. Wolfensberger - Ob beim Online-Shopping oder der Nutzung von Apps: Überall geben Konsumenten ihre Daten preis. Für Firmen ist das ein gewaltiges Geschäft.

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Kontaktlos bezahlen mit einer Bezahl-App à la Twint ist bequem. Im Internet einkaufen und sich Schuhe direkt nach Hause bestellen ist angenehmer, als dafür ins Geschäft zu gehen. Mit der Kundenkarte Punkte sammeln ist praktisch, schliesslich gibt es dafür Prämien. Doch in allen drei Fällen hat der Komfort eine Kehrseite: Die Kunden geben Informationen über sich preis und liefern den Firmen detaillierte Daten.

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Laut Experten sind diese Daten die wertvollste Handelsware überhaupt. Sie seien das Erdöl des 21. Jahrhunderts, die Währung der Zukunft. Grund: Wer Daten und somit Informationen sammelt, der sammelt Macht. Doch richtig nützlich sind die Daten erst, wenn sie ausgewertet werden. Zum Beispiel zu Marketing- und Werbezwecken. Dank den Auswertungen können Firmen Nutzern genau auf sie zugeschnittene Werbung zeigen. Die Wahrscheinlichkeit, ein Produkt zu verkaufen, steigt massiv.

Daten zweckentfremdet

Oft fällt in diesem Zusammenhang das Stichwort «Big Data». Es beschreibt die statistische Auswertung sehr grosser Datensätze. Das Problem: «Daten werden für andere Zwecke ausgewertet, als für die sie ursprünglich erhoben wurden», so Hannes Lubich, Informatik-Professor an der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW). Das führe zu Konflikten mit dem Datenschutz, wobei Nutzer oft nicht einmal wüssten, welche Daten über sie gesammelt wurden.

Ein Beispiel ist Google. Der Suchmaschinen-Betreiber verfügt über eine Vielzahl von Daten. Er weiss, was sich Gmail-Nutzer per E-Mail schreiben und – dank Google-Kalender – was sie vorhaben. Google weiss auch, wer welche Videos auf Youtube wie häufig ansieht, nach welchen Begriffen Menschen im Netz suchen oder welche Werbung sie anklicken.

Dabei sammeln private Firmen teilweise im Auftrag des Staates Daten, wie der Nationalrat Balthasar Glättli (Grüne) in einem Test zeigte. Er liess aus seinen Handydaten sein Leben ein halbes Jahr lang nachzeichnen und publizierte das Ergebnis. Telekomfirmen müssen heute sechs Monate lang speichern, wo ein Kunde mit seinem Handy war, mit wem er telefoniert oder E-Mail und SMS ausgetauscht hat.

Das Ende des Solidaritätsprinzips

Dagegen wehrt sich Glättli. Er fordert: «Wer seine Daten zur Verfügung stellt, soll im Voraus wissen, was mit ihnen gemacht wird.» Und der Nationalrat warnt, dass eine falsche Verwendung von Daten das Ende des Solidaritätsprinzips in der Gesellschaft bedeuten könnte.

Als Beispiel hierfür nennt Glättli Gesundheitsdaten: «Wenn Informationen zu unserer Gesundheit von Krankenkassen oder anderen Versicherungen genutzt werden könnten, dann wären sie in der Lage, die Prämien an jeden einzelnen Versicherten anzupassen.» Der Grundsatz, dass die Gesellschaft gemeinsam Gesundheitsrisiken trägt, wäre dahin. Eine Diskriminierung chronisch kranker Menschen wäre programmiert, so Glättli.

Deshalb solle man sich vor Datensammlern schützen, sagt der Politiker zu 20 Minuten. Man solle der Weitergabe von Daten in AGBs wenn möglich nicht zustimmen. Doch auch die Politik sei in der Pflicht. Sie müsse dafür sorgen, dass Konsumenten den Umgang mit ihren Daten nachverfolgen können und dass AGBs für Laien klar verständlich formuliert sind.

«Es könnte zu spät sein»

Laut FHNW-Professor Lubich käme eine solche Massnahme in vielen Fällen zu spät: «Viele Nutzer haben die Kontrolle über bereits publizierte Daten schon verloren, oft sogar ohne ihr Wissen.» Das heisse aber nicht, dass man in Zukunft mit der Bekanntgabe von Daten an Dritte nicht trotzdem sparsam
umgehen sollte.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Guguus am 29.03.2016 08:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nun!

    Der Kluge merkt: Viel nach Sport, Training und Ernährung googlen, dann noch eine Prise Wanderwege und Bike-Marken... und schon hat man bald eine Vergünstigung bei der Krankenkasse :-))

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  • martin winter am 29.03.2016 08:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Du gibst Daten weiter ohne es zu wissen

    der Kampf um die Kontrolle War verloren bevor sie überhaupt angefangen hat. schon lange bevor es smartphones gab. wer keine Daten weitergeben will. solche ALLES elektronischen Geräte meiden, das ist in heutiger Sicht nicht möglich.

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  • Max am 29.03.2016 08:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Der Bug mit der Umfrage

    Schöne Umfrage, wann hat die wieder offen? :D

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Sartre am 30.03.2016 09:50 Report Diesen Beitrag melden

    Wewrbung, Mündigkeit, Wahnsinn

    Ich verstehe einfach nicht, wie spezifische Werbung durch Datenauwertung irgend jemandem Geld einbringen kann. Werbung hat bei mir keinerlei Effekt. Rennen denn da so viele Leute herum, die tatsächlich losrennen und irgendwelche Produkte kaufen, nur weil sie irgendwo ein buntes Bildchen mit einem frischen Werbeslogan drauf gesehen haben? Und wenn ja, was heisst das für die Mündigkeit einer Gesellschaft, die doch die Grundlage der Demokratie sei?

  • §§§ am 30.03.2016 07:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Warum schützen?

    Steht doch alles schon im Telefonbuch.

  • Rentner am 30.03.2016 05:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ein kleiner Traum

    nur keine Panik freue mich jetzt schon darauf wenn die ganzen Daten weltweit durch einen Virus infiziert und auf ewig gelöscht werden! Alle surf Daten dürften max nur 1 Jahr gespeichert werden und sollten fortlaufend auf den Servern weltweit gelöscht werden!

  • TommyM am 30.03.2016 02:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Währung

    Es ist nur eine andere Währung...

  • TommyM am 30.03.2016 02:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mir gefällts (noch)

    Einkaufen etc hat auch etwas mit vertrauen zu tun. Ich fühle mich geehrt, dass die Migros versucht ihr Sortiment mir anzupassen. Ich habe auch lieber Werbung zu was mich interessiert als für Socken oder Schminke... Solange wir in einem politisch stabilen System leben sehe ich keine Probleme. Falls sich das mal ändern sollte wirds ohnehin ungemütlich...