Gutscheine und GA

07. August 2019 07:53; Akt: 07.08.2019 07:53 Print

Detailhändler buhlen um die Gunst der Lehrlinge

von Raphael Knecht - Händler locken Lehrlinge mit Gratis-GA, Laptops und Feriengutscheinen. Im Detailhandel ist es besonders schwierig, Nachwuchs zu finden.

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Wer bei Lidl die Lehre macht, bekommt vom Betrieb ein General-Abo (GA) geschenkt. Der Detailhändler erhofft sich damit, als attraktiver Ausbildungsbetrieb wahrgenommen werden – der Discounter hat für 2020 knapp 50 Lehrstellen zu besetzen.

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Lidl ist nicht der einzige Händler, der solche Anreize bietet: Bei Coop gibts unter anderem einen Laptop-Gutschein im Wert von 500 Franken. Die Migros wirbt um Lernende mit zusätzlichen Ferien und finanziellen Vorteilen bei der eigenen Bank. Media-Markt gibt Lehrlingen einen Laptop, den sie nach dem Abschluss behalten dürfen.

1100 Franken für den Sechser

Manche Firmen locken sogar mit Geldprämien. Der Kleiderhändler Chicorée zahlt für besonders gute Noten Semesterprämien von bis zu 1100 Franken – und 600 Franken beim Lehrabschluss als Detailhandelsfachfrau. Auch bei Ikea Schweiz gibts bei guten schulischen Leistungen ein Geschenk – und Aldi Suisse stellt ausser Erfolgsprämien auch Reisegutscheine in Aussicht.

Hast du von deinem Lehrbetrieb auch Goodies erhalten? Ein GA? Oder mehr Ferien? Erzähle uns von deinen Erfahrungen!

Obwohl die Ausbildung im Handel zu den beliebtesten gehört, müssen Schweizer Detailhändler um die Gunst der Lernenden buhlen: «Die Branche hat es besonders schwer, genügend Nachwuchs zu finden», sagt Handelsexpertin Marta Kwiatkowski vom Gottlieb-Duttweiler-Institut (GDI). Grund dafür sei einerseits, dass der Anteil an Studierenden steige – auf diesem Bildungsweg verspreche man sich im Jobmarkt künftig bessere Chancen als bei der Lehre.

Hinzu kommt laut Kwiatkowski, dass man täglich mit Nachrichten darüber konfrontiert ist, wie schwer der Handel vom Strukturwandel betroffen ist: «Das macht dem Nachwuchs wenig Hoffnung, in eine nachhaltige Branche einzutreten.»

Kleine Anreize machen den Unterschied

Verstärkt werde die Entwicklung dadurch, dass in den vergangenen Jahren neue Händler in den Markt getreten seien. Da kommt es auch auf die kleinen Anreize an: «Vorteile wie ein kostenloses GA oder zusätzliche Ferien können im ersten Moment den kleinen Unterschied machen.»

Die Goodies können effektiv Lernende anlocken – ob sie das grundsätzliche Problem, dass die Lehrstellen schwierig zu besetzen sind, lösen können, ist jedoch unklar, wie George Sheldon von der Forschungsstelle für Arbeitsmarkt- und Industrieökonomik an der Universität Basel sagt. Im April sei nur rund die Hälfte der ausgeschriebenen Lehrstellen besetzt gewesen. Es müsse sich noch zeigen, ob sich auch Menschen anlocken lassen, die sich eigentlich für andere Lehrarten interessieren.

Nachteil für kleine Händler

Für kleinere Einzelhändler ist die Buhlerei ein Problem: Sie können sich solche Zusatzleistungen oft gar nicht leisten, so Kwiatkowski vom GDI. Kleine Betriebe hätten zum Beispiel gar nicht genug Personal, um eine zusätzliche Ferienwoche anbieten zu können.

Marcel Stoffel, Leiter des Swiss Council of Shopping Centers, hält die Entwicklung hingegen für positiv für die Branche – denn es sei ein Wettbewerb um die besten Lehrlinge. Oft würden sich Investitionen ins Personal am Verkaufspunkt für die Händler besser rechnen als beispielsweise Experimente mit den Verkaufskanälen.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Patrick S. am 07.08.2019 08:06 Report Diesen Beitrag melden

    Zukunft

    Kein Wunder will die Jugend nicht mehr in Detailhandel, mit diesen Zukunftsaussichten und Löhnen.

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  • Long John Silva am 07.08.2019 08:06 Report Diesen Beitrag melden

    Billige Arbeitskraft

    Warum auch nicht. Wie bekommt man sonst einen Kassierer für 1000.- Fr im Monat. Schon die Tatsache dass der Lohnunterschied Gelernt/Ungelernt nur 100.- Fr beträgt, sagt eigentlich viel aus. Diese Lehre sollte man in Supermärkten verbieten. Dort verkauft man nichts - man kassiert nur. Lernen tut man nur bei den Kleinen Betrieben wo man Kunden auch berät.

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  • Vächoifer am 07.08.2019 08:12 Report Diesen Beitrag melden

    Brotloser Job

    Ich habe ursprünglich eine Lehre im Detailhandel gemacht. Derweil habe ich die Matura nachgeholt und studiert. Ich bin heilfroh, den engen Fesseln des Detailhandels entkommen zu sein.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Sebastian am 08.08.2019 17:11 Report Diesen Beitrag melden

    Detailhandel ist Ausnützerei

    Wen wunderts? Habe selbst im Detailhandel gearbeitet. Der Lohn ist schlecht, die Arbeit anstrengend und statt ein Dankeschön wird beim nächsten Personalgespräch noch mehr Einsatz gefordert. Zum Glück hatte ich noch einen KV Abschluss und war auf diese Stelle nicht auf Dauer angewiesen. Solche Stellen sind nur für Teilzeitangestellte interessant, welche neben dem Haushalt und Kinder noch etwas arbeiten wollen. Aber 100% Detailhandel? Nie wieder.

  • peter enis am 08.08.2019 13:25 Report Diesen Beitrag melden

    abraten

    hab selbst detailhandel gelernt, würd niemandem raten in dieser beruf einzusteigen, allein schon wegen lohn und kaum aufstiegmöglichkeit, wenn doch dann nur paar hundert franken

  • Amani.92 am 08.08.2019 11:46 Report Diesen Beitrag melden

    Amani92

    War einmal bei einem Grossen Deteilhändler zur Schnupperlehre. Ich musste um 07.00 bis 19.00 schnuppern, dazwischen hatte ich 3 h Mittag. Da der weg bis nsch Hause ca 1h ging mit dem ÖV, musste ich also da irgendwo rumgammeln. Sri wer möchte schon so arbeiten? Man ist ab 06.00 aus dem Haus und kommt irgendwann um 20.00 wieder nach Hause? Das ist kein Leben vorallem für diesen Hungerlohn. Habe dann etwas gefunde mit normalen Burozeiten, sodass ich such nich leben und lernen konnten..

  • arwed am 08.08.2019 09:37 Report Diesen Beitrag melden

    Win win situation

    Man könnte den Arbeitsbeginn der Handwerker auf 8 Uhr verschieben und für Verkäufer und Handwerker eine 40h Woche einführen wie das bei den Krawattenleuten üblich ist. Das wäre ein grosser Fortschritt und auch für mich wenn der Baulärm erst um 8 beginnt und der Sanitär nicht schon nachts um 7 Uhr an der Wohnungstüre läutet ;)

    • Xeno72 am 08.08.2019 11:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      isch verbi@arwed

      Dann kannst Du den Laden a6ch schliessen. Sonst macht es das Konkursamt.

    • saddas am 08.08.2019 12:57 Report Diesen Beitrag melden

      40h woche? schön wärs

      Das ist ein Witz oder? Ich habe noch nie weniger als 42h Wochen im Vertrag gehabt und kenne keinen der weniger als 42h hat. Dazu kommen noch überzeit, pikett etc. Am Rest deiner Aussage sieht man ebenfalls wieviel du von Wirtschaft verstehst.

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  • Die Pessi^mistin am 07.08.2019 22:53 Report Diesen Beitrag melden

    Import wichtiger als eigene Leute

    Macht auf keinen Fall eine Lehre, habe selbst 2017 gut abgeschlossen und werde demnächst ein Sozialhilfeempfänger, da importierte Fachkräfte einen höheren Stellenwert haben als Schweizer.

    • Remo am 08.08.2019 09:01 Report Diesen Beitrag melden

      weiter zur Schule

      kommt halt auf die Lehre an und wie man damit weiter macht. Man kann sich nach der Lehre auch weiterbilden und auf seinem Fachgebiet ein Studium machen. Danach ist man eine gesuchte Arbeitskraft...

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