Frischbrot-Offensive

04. Dezember 2014 05:50; Akt: 04.12.2014 08:03 Print

Detailhändler kämpfen ums günstigste Weggli

von S. Spaeth - Der Mehlpreis steigt, die Weggli bleiben günstig. Das billigste Produkt im Schweizer Handel kostet weniger als 50 Rappen. Die Bäckereien sind mehr als doppelt so teuer.

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Der Fünfer und das Weggli: Was als Metapher für «zweierlei Dinge haben wollen» steht, hat im Schweizer Detailhandel eine neue Bedeutung: Seit vielen Jahren hat es nämlich erstmals ein Detailhändler geschafft, ein Weggli für unter 50 Rappen anzubieten. Das sei Rekord, schreibt die Lebensmittelfachzeitschrift «Alimenta».

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Der Bäcker mit den Dumping-Preisen ist Aldi. Der aus Deutschland eingewanderte Harddiscounter hat im November eine Frischbrot-Offensive angekündigt. Bis Ende 2015 will Aldi alle seine rund 170 Filialen mit eigenen Backöfen zum Fertigbacken von Gipfeli, Brötchen und Brot ausrüsten. Im Rahmen dieser Strategie ist der Weggli-Preis unter die 50-Rappen-Marke gefallen. Denn bis anhin verkaufte Aldi schwerere Brötchen im Doppelpack zum Preis von 1.39 Franken.

50 Rappen: für Bäckereien unmöglich

Der Vergleich von 20 Minuten zeigt: Mit dem Aldi-Angebot mithalten kann einzig Lidl. Er bietet Weggli zwar nur in einer Zweierpackung an, rechnet man aber mit dem Preis pro 100 Gramm, bewegen sich beide Harddiscounter zwischen 85 und 86 Rappen. Grösser ist die Differenz zu Migros und Coop, wo die Weggli pro 100 Gramm mit 92 bzw. 107 Rappen zu Buche schlagen (siehe Tabelle).

«In einer gewerblichen Bäckerei ist ein Wegglipreis von rund 50 Rappen ein Ding der Unmöglichkeit», sagt Urs Wellauer, Vizedirektor des Verbandes der Schweizer Bäcker-Confiseure (SBC) zu 20 Minuten. Dem SBC gehören 1700 Mitglieder mit insgesamt rund 3000 Bäckereien an. Laut Wellauer ist es gut möglich, dass Aldi bei einem so tiefen Preis gar nichts mehr verdient. Man halte die Margen tief und gebe alle Preisvorteile an die Kunden weiter, sagt Aldi zum Verdacht, es handle sich um ein Lockvogelangebot. Zudem betont ein Sprecher, die Rohstoffe seien in der Schweiz produziert und verarbeitet worden.

Frisches Brot bringt Zusatzumsatz

Das Weggli kostet in den meisten Schweizer Bäckereien zwischen 1.20 und 1.40 Franken. Doch beim Preiskampf wollen die Bäcker nicht mitmachen: «Es ist ein Duell zwischen den Grossverteilern und Discountern. Wir wollen die anderen Kanäle beim Produkt schlagen», sagt hingegen Wellauer. Denn bei höherer Produktequalität nehme der Kunde auch den Mehrpreis in Kauf.

Warum backen immer mehr Detailhändler das Brot in den Filialen zu Ende? «Die Konsumenten erwarten, dass sie bis zum Ladenschluss frisches Brot erhalten», sagt Detailhandels-Experte Thomas Hochreutener im Gespräch mit 20 Minuten. Auf diesen Umstand zuerst reagiert hätten die Grossverteiler, danach die Discounter und Harddiscounter. Hinter der Frischbrotstrategie der Detailhändler steckt Kalkül: «Wer frisches Brot kauft, kauft meistens auch noch andere Dinge», sagt Hochreutener.

Keine Ahnung vom Brotpreis

Der Branchenverband geht davon aus, dass das Weggli in der Bäckerei im kommenden Jahr teurer wird. Grund dafür ist der Gesamtarbeitsvertrag, der ab 2015 einen Mindestlohn von 4000 Franken vorsieht. Zudem sind die Mehlpreise gestiegen. Wegen den vielen Niederschlägen im Frühjahr war die Weizenernte von schlechter Qualität, weshalb Weizen der höchsten Qualitätsklassen importiert werden musste. Das führte laut dem Verband der Schweizer Bäcker-Confiseure zu 5 bis 10 Prozent höheren Rohstoffkosten.

Ob Bäckerei oder Grossverteiler: Grundsätzlich schätzten die Konsumenten den Preis von Brot höher ein, als er tatsächlich ist. Das zeigt eine Analyse der Marktforscher von AC Nielsen. Demnach lagen die Konsumenten beim Brot um 60 Prozent daneben.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • vreni am 04.12.2014 06:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    frischbrot

    Es muss schmecken und das ist beim Becker immer noch am besten.

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  • Hans am 04.12.2014 06:08 Report Diesen Beitrag melden

    Weniger ist besser

    Bei den Grossen erhält man mehr für den Gleichen Preis und das sieht man den Kunden auch an und ob wirklich das gleich Drin ist kann ich nicht sagen. Beispiel Patisserie, billig und grusig beim grossen, klein aber fein beim Bäcker.

  • Erika am 04.12.2014 06:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Weggli

    Esst mal ein weggli vom Aldi und eines vom migros Nur die zwei im Vergleich ein Mega Unterschied Aldi hart und ungeniessbar Da Zahl ich lieber etwas mehr

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Gez. am 05.12.2014 17:40 Report Diesen Beitrag melden

    wie weit kommt es bei uns?

    Man sieht ja in Deutschland wie viele Bäckereien schliessen mussten , weil die Backstationsläden ihre trockenen Brötchen für 10 Cent verkaufen.

  • Esst Gutes am 04.12.2014 14:39 Report Diesen Beitrag melden

    Wo führt das noch hin

    Fresst doch Sägmähl, das gibts beim Schreiner kostenlos. Sinnloses reinfuttern von Dreck, ohne zu überlegen, was überhaupt noch im Brötchen drinnen ist. Das gleiche bei Fleisch. Alle die nach DE rennen, und sich Hackfleisch im Angebot für 3.99 Euro das Kilo holen. Schon mal überlegt, woher der Mist kommt? Unter welchen Bedingungen das produziert wird? Da ess ich lieber noch ne Dose Whiskas, da hab ich bessere Qualität.

    • mike am 04.12.2014 15:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      genau

      Alles aus Deutschland ist schlecht und die Welt ist eine Scheibe und Wilhelm Tell hat wirklich gelebt - meine Güte!

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  • Leserin am 04.12.2014 14:05 Report Diesen Beitrag melden

    Geiz ist nicht geil!

    Mich interessiert eher den "Preis" den wir schlussendlich für das billigste Produkt bezahlen. Der gesunde Menschenverstand sagt mir irgendwann geht es nicht mehr auf. Ob in niedrigeren Löhnen, der Qualität der Produkte, immer mehr chemische Hilfsstoffe bei der Steigerung der Produktion der Ernte und im Produkt selber...etc. Die Herstellungskosten und Löhne vom Boden bis in die Backwarenabteilung bleibt!

  • Moni am 04.12.2014 13:53 Report Diesen Beitrag melden

    Essen ist zu billig!

    Wenn man bedenkt, dass vor nicht mal so langer Zeit fast die Hälfte des Haushaltsbudgets für das Essen draufging ist es mir egal, ob ich jetzt 70 Rp. (!) mehr für ein Weggli bezahlen muss. Das macht den Braten auch nicht feiss! Beim Essen will man immer sparen; aber sonst für jeden Gugus oder zur Unterstützung der Familien im Heimatland hat man immer Geld...!

    • Karim am 05.12.2014 16:47 Report Diesen Beitrag melden

      versteh ich nicht

      Ich verstehe die Daumen nach unten nicht. Moni hat recht. Euer Auto bekommt das beste Oel, das Beste Benzin. Aber Euch stopft ihr mit dem ganzen Ramsch voll. Müsste das Auto eine Krankenkasse haben.... .

    • Arme Wurst am 05.12.2014 22:31 Report Diesen Beitrag melden

      @Karim

      Kann mir kein Auto leisten! Und wenn's nur das wäre.

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  • Walter am 04.12.2014 13:39 Report Diesen Beitrag melden

    Löhne und nicht Mehl verteuern die Sache

    Das Kind muss entlich beim richtigen Namen genennt werden, und nicht das Volk verdummen.

    • rolf am 04.12.2014 15:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      knochenjob

      Aber die Löhne sind mehr als gerechtfertigt.

    • Studiosus am 04.12.2014 16:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Bäcker haben das Jammern von den Bauern gelernt

      Bei den Bäckereien dürften die Miete und die Energiekosten die Hauptkostenfaktoren sein. Die Solarfuzzies und die Agrarmafia sind wohl am meisten Schuld, wenn das Brot teuer ist. Bei uns fährt der eine Bäcker jedes Jahr einen neuen Mustang und der andere einen Jeep V8. Da kann das Brot ruhig billiger werden!

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