Einkaufstourismus

01. Oktober 2015 10:01; Akt: 01.10.2015 12:55 Print

Detailhändler verlieren dieses Jahr 11 Milliarden

Die Zahl der Schweizer, die ennet der Grenze einkaufen, ist seit Januar gestiegen. Die Folgen für die Detailhändler hierzulande sind enorm.

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Immer mehr Schweizer shoppen im Ausland: Ein Grenzwächter kontrolliert die Waren in einem Kofferraum. (Archivbild) (Bild: Keystone)

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Die tiefen Preise im Ausland sind verlockend. Seit die Schweizerische Nationalbank im Januar den Euro-Mindestkurs aufgehoben hat, strömen noch mehr Schweizer über die Grenze, um günstig einzukaufen. Bereits 2014 sei die Zahl der Einkaufstouristen sehr hoch gewesen. Zwischen Januar und Juli dieses Jahres stiegen die Auslandseinkäufe gegenüber der Vorjahresperiode nochmals um sieben Prozent, wie die «Aargauer Zeitung» mit Verweis auf Zahlen der Credit Suisse schreibt.

«Der Wert der Auslandseinkäufe lag im Jahr 2013 bei rund zehn Milliarden Franken», sagt Patricia Feubli von der CS zu der Zeitung. «Sehr grob geschätzt, dürfte der Wert 2015 Richtung elf Milliarden gehen.» Das sind rund zehn Prozent des gesamten Umsatzes des Schweizer Detailhandels.

Minus 6000 Stellen

Coop habe bisher Preisabschläge von 190 Millionen Franken hinnehmen müssen. «Die tieferen Preise wirken sich auf den Umsatz aus und in den grenznahen Regionen spüren wir die Folgen der Auslandeinkäufe», zitiert die «Aargauer Zeitung» den Detailhändler.

Die Folgen für die Detailhändler in der Schweiz sind enorm: 6000 Stellen seien in den letzten vier Jahre wegen des Einkaufstourismus gestrichen worden, sagte Bundesrat Johann Schneider-Ammann kürzlich im Ständerat. Und gemäss dem Wirtschaftsminister ist der Zenit noch nicht erreicht: «Das Potenzial des Einkaufstourismus beläuft sich bis auf 30 Milliarden Franken.»

Rasche Besserung ist auch laut Feubli nicht in Sicht. Sie geht davon aus, dass das Niveau bis Ende Jahr bestehen bleibt.

(woz)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Petra am 01.10.2015 10:11 Report Diesen Beitrag melden

    Schizophren?

    Wenn die Wirtschaft Arbeitsplätze ins Ausland verlagert, sind das notwendige Schritte. Wenn die Wirtschaft hunderttausende Arbeitskräfte in die Schweiz holt, obwohl es genügend Arbeitslose und Ausgesteuerte, etc. gib, dann ist das ebenfalls notwendig. Leider steigen dadurch gleichzeitig Steuern, Land- und Immobilien-Preise stetig, dann sollen wir das schlucken. Aber wenn die gebeutelten Arbeitnehmer ebenfalls anfangen dort zu einzukaufen wo es am günstigsten ist, dann schreit die Wirtschaft.

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  • Fabian Meier am 01.10.2015 10:11 Report Diesen Beitrag melden

    Realität

    Komisch. Bei Elektronik kaufen zB viele Deutsche lieber in der Schweiz ein, einfach weil hier der Markt spielt. Aber wer meint, 4 Franken für einen kleinen Salat verlangen zu können, den es bei Aldi Süd für 79 Cent gibt, der ist selber schuld. Öffnet den Schweizer Markt endlich.

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  • Nörgler am 01.10.2015 09:47 Report Diesen Beitrag melden

    Ein paar Ideen gefällig?

    Schaut, dass unsere Wirtschaft Konkurrenzfähig wird - auch ohne Subventionen und Direktzahlungen. Darunter werden zuerst einige leiden, danach viele profitieren. Deckt die Kartelle auf. Hebt die Schutzzölle auf. Senkt massiv die Staatsquote. Vereinheitlicht die MWST. Vereinheitlicht die Steuererklärungen (nicht die Sätze). Beschäftigungsvorrang für Schweizer. Weniger Geld für "Soziales" vor allem für die Mitarbeitenden dort, dafür mehr für die Betroffenen und Pensionäre. Weniger Subventionen allgemein. Wenn all das umgesetzt werden würde, dann würden die Preise/Steuern purzeln.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • sili am 02.10.2015 07:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    arbeitslose

    je mwhr leute bewusst im Ausland einkaufen, desto mehr Kündigungen in der schweiz. Da ich gerne weiterhin hier arbeiten möchte, kaufe ich auch NUR in der schweiz ein. ICH alleine bewirke aber leider nicht allzuviel.

    • Visionär am 02.10.2015 09:20 Report Diesen Beitrag melden

      Klar gesehen

      Die meisten derzeitigen Kündigungen haben mit den ca. 330000 Grenzgängern und der Zuwanderung (PFZ) zu tun.....

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  • Mark am 02.10.2015 01:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Je nach Lohn

    mit 3000 fr. im momat einkommen und in der schweiz alles einkaufen wäre schwierig für mich.

  • Eva am 02.10.2015 01:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lustig

    Viele hier jammern man sollte das geld in der schweiz ausgeben. Wetten, das genau diese leute am wochenende über der grenze anzutreffen sind...?

  • Frau am 02.10.2015 00:29 Report Diesen Beitrag melden

    Beispiel gefällig?

    Also heute war ich ja echt stinksauer, habe was in einem Onlineshop bestellt, wollte es an meine Schweizeradresse schicken, wohin denn sonst. Ein paar Schuhe und ein Armband, zusammen 250 Schweizerfranken...hätte ich ja schon fast bezahlt, da die Sachen mir wirklich gefallen...dann kam mir in den Sinn dass es den genuagleichen Onlineshop auch für Deutschland gibt mit ganz genau den gleichen Artikeln...tatatata...Die Schuhe wären 90 Franken gewesen und das Armband 30..also zahlt man da nur 120 Euro...was soll das bitte schön? Habe das Zeug zurückgeschickt.

  • Ar Mer am 01.10.2015 23:59 Report Diesen Beitrag melden

    Da habe ich Pech

    Bin auch 50+ und finde seit Jahren kein Job mehr. Würde auch gerne im Ausland einkaufen, jedoch ist es finanziell und organisatorisch nicht möglich. Muss jetzt halt bei Aldi und Lidl CH einkaufen um mit den 500 Fränkli/ Mt. die Familie durchzubringen.