Auto-Industrie

07. Dezember 2008 11:27; Akt: 07.12.2008 17:22 Print

Deutsche Autobauer machen zeitweise dicht

Im Kampf gegen den Absatz-Einbruch verschärfen die Autobauer ihre Produktionskürzungen und legen ihre Bänder für längere zeit still.

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Bei Daimler laufen an allen Standorten bundesweit Gespräche über Arbeitszeitkürzungen. Wie bei den Stuttgartern fallen auch bei BMW die Weihnachtsferien länger aus, zudem forderte der bayerische Hersteller einen staatlichen Rettungsschirm für Zulieferer. In den USA rücken Notkredite für die grossen Autokonzerne näher.

Wegen der Absatzkrise schickte BMW die Beschäftigten seines Münchner Stammwerks schon zu Nikolaus in die Weihnachtsferien. «Ab Montag fangen die Weihnachtsferien im Werk München an», sagte Unternehmenssprecher Marc Hassinger auf Anfrage der Nachrichtenagentur AP. Es würden Überstunden abgebaut. Mitte November war bekanntgeworden, dass BMW wegen dem Absatzeinbruch in mehreren Werken Produktionspausen einlegt.

BMW will 2008 ungeachtet der Krise etwa so viele Fahrzeuge verkaufen wie im Rekordjahr 2007. «In Deutschland liegen wir aktuell noch über dem Vorjahresabsatz. Ende des Jahres werden wir wohl annähernd auf dem Niveau von 2007 landen», sagte Philipp von Sahr, Leiter des Deutschland-Vertriebs, dem «Tagesspiegel» (Montagausgabe).

Verhandlungen an allen Daimler-Standorten

Bei Daimler finden an allen Standorten in Deutschland Gespräche mit den Betriebsräten statt, wie eine Konzernsprecherin der AP sagte. Dabei würden die Möglichkeiten durchgesprochen, die Produktionsdrosselung über Arbeitszeitkonten, Arbeitszeitverkürzung oder Kurzarbeit zu organisieren. «Es wird geprüft, was wo anwendbar ist», erklärte die Sprecherin.

Die «Frankfurter Allgemeine SonntagsZeitung» berichtete, der Konzern habe seine Pläne für Kurzarbeit auf alle Werke ausgeweitet. Daimler will 150.000 Mitarbeiter in verlängerte Weihnachtsferien schicken.

Im Lastwagen-Stammwerk von Mercedes-Benz im rheinland-pfälzischen Wörth sollen in diesem Jahr die Weihnachtsferien eine Woche länger dauern, sagte eine Konzernsprecherin der AP und bestätigte damit einen Bericht des Magazins «Euro am Sonntag». Ausserdem würden die Osterferien von einer Woche auf zwei Wochen verlängert. Bis Ende des Jahres sollten die meisten Zeitarbeiter in deutschen Lkw-Werken entlassen werden, hatte Daimler Ende November mitgeteilt.

BMW-Finanzvorstand Friedrich Eichiner forderte unterdessen einen staatlichen Rettungsschirm für angeschlagene Zulieferer. «In einer so schwierigen Krisensituation muss der Staat einspringen», sagte er dem Nachrichtenmagazin «Focus». Staatliche Hilfe könnten bald auch die Autobanken in Anspruch nehmen, sagte der Manager.

Porsche entlässt Zeitarbeiter in Entwicklung

Porsche schickt nach einem Bericht von «Auto, Motor und Sport» rund 100 von 4.000 Mitarbeitern im Entwicklungsbereich nach Hause. Ein Porsche-Sprecher bestätigte der AP, dass zum Jahresende auslaufende Verträge von Zeitarbeitern nicht verlängert würden, nannte aber keine Zahl. Der Personalabbau habe allerdings nichts mit der aktuellen Absatzkrise zu tun, sondern mit dem Abschluss der Entwicklung bei mehreren Modellen.

In den USA zeichnete sich ab, dass die drei grossen Autokonzerne mit Notkrediten in Höhe von 15 Milliarden Dollar rechnen können. Das wäre aber deutlich weniger als die 34 Milliarden Dollar, um die die Chefs von General Motors (GM), Chrysler und Ford gebeten haben. Die entsprechenden Gesetze sollen in der kommenden Woche eingebracht werden.

Der designierte US-Präsident Barack Obama rief die Automobilkonzerne erneut zu tiefgreifenden Reformen auf. Staatliche Hilfen könnten nur gewährt werden, wenn ihr Erfolg gewährleistet sei, sagte Obama in einem am Sonntag ausgestrahlten NBC-Interview.

(sda)