Überraschung

15. Mai 2012 08:17; Akt: 15.05.2012 11:48 Print

Deutsche Wirtschaft legt stark zu

Der deutsche Wirtschaftsmotor brummt. In den ersten drei Monaten 2012 stieg das Bruttoinlandprodukt um 0,5 Prozent. Experten waren von lediglich 0,1 Prozent ausgegangen.

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Die Euro-Zone ist durch das kräftige Wachstum seiner grössten Volkswirtschaft Deutschland haarscharf an einer Rezession vorbeigeschrammt. Frankreich stagnierte dagegen und Italien ist tief in der Krise.

Das Bruttoinlandprodukt in der gesamten Währungsunion stagnierte von Januar bis März im Vergleich zum Vorquartal, teilte das Statistikamt Eurostat am Dienstag mit. Ende 2011 war es noch um 0,3 Prozent zurückgegangen. Bei zwei Minus-Quartalen in Folge wird von Rezession gesprochen. Ökonomen hatten für das Startquartal 2012 einen weiteren Rückgang um 0,2 Prozent erwartet.

Die Währungsunion bleibt wirtschaftlich aber tief gespalten: Ihre Konjunkturlokomotive Deutschland schaffte trotz der Schuldenkrise mit 0,5 Prozent ein kräftiges Wachstum. Die Nummer zwei, Frankreich, stagnierte.

Schlimmer sieht es in den Krisenländern aus: Die spanische Wirtschaft schrumpfte wie schon am Jahresende um 0,3 Prozent und steckt damit wieder in einer Rezession. Ebenso erging es Italien, wo das Bruttoinlandprodukt sogar um 0,8 Prozent einbrach. Das war der dritte Rückgang in Folge. Auch Portugal findet nicht aus der Rezession: Hier gab es ein Minus von 0,1 Prozent.

Die EU-Kommission geht davon aus, dass die Wirtschaft der Euro- Zone in diesem Jahr um 0,3 Prozent schrumpft. Für 2012 traut sie ihr wieder ein Wachstum von 1,0 Prozent zu.

«Made in Germany» erfolgreich

Ihre Erholung verdankt die deutsche Wirtschaft vor allem den gut laufenden Exporten und der Kauflaune der Konsumenten. «Nach vorläufigen Berechnungen sind die Exporte - anders als die Importe - zum Jahresbeginn gestiegen», erklärte das Statistische Bundesamt in Wiesbaden.

«Ausserdem wurde im Inland mehr konsumiert als im Vorquartal.» Das habe die sinkenden Investitionen teilweise kompensieren können. Ende 2011 war die Wirtschaft des wichtigsten Schweizer Handelspartners noch um 0,2 Prozent geschrumpft - zum ersten Mal seit fast drei Jahren.

Ökonomen hatten für Januar bis März 2012 im Schnitt nur ein Plus von 0,1 Prozent erwartet, wobei die Schätzungen von minus 0,3 bis plus 0,2 Prozent reichten.

«Starkes Comeback»

«Das ist eine sehr starkes Comeback», sagte Commerzbank- Chefökonom Jörg Krämer. «Das Minus im vierten Quartal war nicht der Beginn einer Rezession, sondern nur eine Konjunkturdelle.»

Der Deutschland-Chefökonom von UniCredit, Andreas Rees, führt das vor allem auf die starke Nachfrage nach deutschen Produkten ausserhalb der Euro-Zone zurück: «Besonders die US-Geschäfte sind gut gelaufen».

Verglichen mit dem ersten Quartal 2011 zog das Bruttoinlandprodukt um 1,7 Prozent an und damit mehr als doppelt so kräftig wie erwartet. Experten gehen deshalb davon aus, dass die Prognosen für 2012 nun angehoben werden. Die Bundesregierung rechnet für dieses Jahr bislang mit einem Wachstum von 0,7 Prozent, das sich 2013 auf 1,6 Prozent erhöhen soll.

(sda)