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14. September 2015 17:52; Akt: 15.09.2015 09:47 Print

Deutscher Zoll verweigert Ausfuhrstempel

von S. Spaeth - Schnäppchenjägern aus der Schweiz werden keine Dokumente mehr abgestempelt, wenn diese ihre Waren im Internet bestellt haben. Damit ist Schluss mit dem Spar-Kniff.

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Von diesem Trick haben in den Grenzregionen Tausende profitiert: Weil viele Firmen über ihre günstigen deutschen Online-Shops keine Schweizer Kunden beliefern, legt man sich als Schweizer eine deutsche Lieferadresse zu. Auf Paketlieferungen spezialisierte Firmen nehmen dabei gegen Entgelt die Post entgegen und benachrichtigen den in der Schweiz lebenden Besteller. Dieser profitiert gleich doppelt. Erstens vom günstigen deutschen Preis, zweitens von der Möglichkeit der Mehrwertsteuer-Rückerstattung. Letzteres funktioniert über auf Steuer-Handling spezialisierte Firmen oder nach einer Vereinbarung mit dem Verkäufer. Dabei geht der Schweizer Käufer mit der Originalrechnung zum deutschen Zoll, lässt sie abstempeln und sendet die Rechnung zurück an den Absender, worauf dieser den Mehrwertsteuerbetrag in die Schweiz überweist.

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Diesem Vorgehen hat der deutsche Zoll nun aber den Riegel geschoben. «Die Beamten in Lörrach haben sich geweigert, meine Rechnungen abzustempeln», sagt Leser Christian B.* zu 20 Minuten. Die Zöllner hätten ihm gesagt, dass sie keine Papiere für im Internet bestellte Ware mehr stempeln würden. B. hatte bei einem Händler in Dresden Waren bestellt und sie sich an einen Lieferadressen-Service in Weil am Rhein senden lassen. Der Grund: Die hohen Post-Tarife für die Lieferung in die Schweiz, die Verzollungsgebühren der Post sowie die wegfallende Schweizer Mehrwertsteuer von 8 Prozent bei Sendungen bis 300 Franken.

Steuerbefreiung gilt für Händler

Auf Nachfrage von 20 Minuten räumt das Hauptzollamt Lörrach eine seit letztem Freitag gültige Praxisänderung im Bereich der «Inanspruchnahme einer Mehrwertsteuerbefreiung durch Internethändler in der EU» ein. Die für diesen Bereich zuständige Bundesfinanzdirektion Hamburg habe eine Regelung getroffen, nach deren Weisung alle Zollstellen zu verfahren hätten, so Mediensprecherin Antje Bendel.

Eine steuerfreie Ausfuhrlieferung gilt laut dem Hauptzollamt Lörrach nur für Lieferungen, die der Abnehmer im persönlichen Reiseverkehr ausführt. Eine sogenannte «Ausfuhr im persönlichen Reiseverkehr» setzt laut den Bestimmungen aber voraus, dass es sich um Geschäfte über den Ladentisch handelt und allein der Abnehmer die Beförderung des Liefergegenstands übernimmt. «Für Fälle des Internet-Versandhandels kommt keine Steuerbefreiung für den Händler in Betracht», so Bendel.

Wichtig ist der Sprecherin zu betonen, dass Steuerbefreiung immer nur der Händler in Anspruch nehmen kann. Dieser kann den Betrag als Rabatt an seine Kunden weitergeben, ist aber nicht verpflichtet.

Leiden die Zöllner unter Stempel-Stress?

Für 20-Minuten-Leser B., der seit Jahren über eine deutsche Lieferadresse Waren bestellte und von der Steuerbefreiung profitiert hatte, ist die Praxisänderung unverständlich. «Diese Mehrwertsteuer steht Deutschland nicht zu. Die Ware wurde aus dem Land ausgeführt», so die Überzeugung von B.

Und was ist der Grund für die Massnahme des deutschen Zolls? Kamen die Beamten nicht mehr nach mit Stempeln? Zuletzt waren die Schlangen vor den Schaltern zum Abstempeln der Ausfuhrbescheinigungen wegen der Tausenden Schweizer Einkaufstouristen stark angewachsen. Das Hauptzollamt Lörrach verneint, dass die Massnahme mit dem momentanen Arbeitsanfall zu tun hat. «Hintergrund ist die Rechtsunsicherheit, die bestand. Auf eine Regelung haben die Hauptzollämter schon vor mindestens zwei Jahren gedrängt», so Bendel. In den gesetzlichen Bestimmungen seien solche Besonderheiten nicht ausführlich geregelt gewesen.


*Name der Redaktion bekannt.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • AA am 14.09.2015 17:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ade freies Land

    Und ich dachte wir leben in einem freien Land wo man sich 'normale' Dinge bestellen kann wo man will?

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  • Rudi Rüssel am 14.09.2015 18:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Meine Damen und Herren so geht's nicht...

    Ich bin Gebürtiger Deutscher, bin inzwischen seit 8 Jahren Schweizer und lebe in der Innerschweiz. Ich kaufe meine Autos in der Schweiz und die täglichen Einkäufe werden ebenfalls in Migros/Coop etc. getätigt. Wer in der Schweiz das Privileg besitzt in diesem tollen Land leben zu dürfen, der hat auch die HEIMISCHE Wirtschaft zu unterstützen. Das sind echte Schweizer nicht jene, die nach D fahren und wegen der nicht ausbezahlten 19% MwSt jammern, Ihr solltet Euch schämen!

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  • Valo am 14.09.2015 19:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Immer diese lustigen Kommentare

    Ich bin Schweizer wohne in TG und kaufe vieles in Deutschland ein. Wenn z.b. Ein Haargel in der Schweiz 11.50 kostet und 2.99 in Konstanz dann bin ich auch ohne Mwst schon glücklich. Das betrifft auch 80% aller anderen Artikeln.. Zudem jeder hier mozt aber trotzdem geht jeder ins Ausland einkaufen.. Schönen Abend

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Bebbisagg am 18.09.2015 19:04 Report Diesen Beitrag melden

    Unlogisch, aber okay.

    Fast jeder Laden hat nebenher einen Onlineshop. Wenn ich also in Köln Veloteile nach Weil a.R. bestelle und sie dann ausführe, so ist das doch kein Unterschied, wie wenn ich selbst in Köln einkaufe und dann in Weil a.R. über die Grenze gehe? Ausgeführt ist ausgeführt, finde ich. Aber ok, ich kaufe in D (bzw. EU) ein, weil's günstiger oder hier schlicht nicht zu haben ist. Warum der Preis von Importware hier so viel höher ist, das ist die interessante Frage!

  • Saraniloh am 17.09.2015 13:53 Report Diesen Beitrag melden

    Mwst erstattung ist weiterhin möglich

    ich nutze Global Red für Online-Käufe und bin total zufrieden, kann ich nur empfehlen! Sie sagen, dass sich für sie jetzt nichts geändert hat, man kann weiterhin Pakete gratis abholen und die mwst zurück bekommen.

  • Urs Aus Uri am 15.09.2015 13:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ist logisch

    Dass der dt. Zoll den Stempel verweigert, finde ich konsequent. Ist bei uns nicht anders! Wenn ich mir ein Buch aus Zürich nach Uri schicken lasse, ist das ein inländischer Umsatz, an meine Adresse. Egal ob ich Schweizer oder Deutscher bin. Wenn ich mir ein Buch aus Berlin an meine Konstanzer Postadresse schicken lasse, ist das ein in Deutschland inländischer Umsatz an meine deutsche Adresse. Also gibts keine MwSt-Erstattung, als wie wenn ichs in die Schweiz schicken lasse. Wo ist hier der Aufreger? Kein Staat verschenkt Steuern. D nicht und CH auch nicht.

    • Marcel am 17.09.2015 17:00 Report Diesen Beitrag melden

      Doch nicht ganz logisch

      Wenn Du Dein Buch in Zürich bestellt hast, um es Deinem Freund in Spanien zu senden, dann ist es halt doch ein Export. Nicht von Zürich nach Uri, sondern erst jetzt von Uri nach Spanien.

    • Andreas Bandomir am 25.09.2015 22:15 Report Diesen Beitrag melden

      Lieber Urs.

      Die Tatsache: Ware wurde in DE gekauft und eingeführt in die Schweiz. DE MWS muss erstattet werden. Punkt. Die Sache wird mit einer Sammelklage von Deutschen Online Shops und Entschuldigung der DE ZOLL enden. 100% mfg Andreas aus der Schweiz

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  • Pietro am 15.09.2015 12:44 Report Diesen Beitrag melden

    Lösung

    Die Preise in der Schweiz müssen nur auf das gerechtfertigte Niveau runter. Bei einer Preisdifferenz von 10 bis 20 % würde ich auf einen Einkauf verzichten. Doch die ungerechtfertigten Preisen in der Schweiz treibt den Konsumenten ins Ausland!

  • GreenSkyline am 15.09.2015 12:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Viel bestellt

    Ich habe schon einiges auf eine Deutschelieferadresse senden lassen, mir ist es nie in den Sinn gekommen die Mwst zurückzufordern. Es ist ja sowieso günstiger!