«Bilanz»-Ranking

26. November 2015 21:50; Akt: 27.11.2015 09:20 Print

Die 300 Reichsten besitzen 595 Milliarden

von K. Wolfensberger - 595 Milliarden Franken besitzen die 300 reichsten Schweizer: ein Rekordwert. Das ist so viel, wie die 95 Prozent der Normalverdiener zusammen besitzen.

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In der Schweiz leben viele Reiche, zum Beispiel Ernesto Bertarelli und seine Frau Kirsty. Ernesto Bertarelli erbte das Biotech-Unternehmen Serono, das er 2007 an den Pharmakonzern Merck verkaufte. Das Vermögen der Bertarellis wird auf 12 bis 13 Milliarden Franken geschätzt. Der in Genf wohnhafte Brasilianer Paulo Coelho ist eines der neuen Gesichter des «Bilanz»-Rankings. Er besitzt etwa 400 bis 450 Millionen Schweizer Franken. Die Bücher des Starautors sind weltweit Bestseller. Andrea Agnelli, Präsident von Juventus Turin mit Wohnsitz im Tessin, besitzt 1 bis 1,5 Milliarden Franken. Er ist Mitglied des Vorstands von Fiat. Toto Wolff ist der Chef der Mercedes-Motorsport-Sparte. Er wohnt offiziell im Thurgau und besitzt 350 bis 400 Millionen Schweizer Franken. Der spanische Stararchitekt Santiago Calatrava ist ebenfalls neu auf der Liste. Er entwarf unter anderem die Bibliothek der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Uni Zürich. Patrizia Reggiani Martinelli, die Ex-Frau von Maurizio Gucci, küsst ihre Töchter Alessandra (l.) und Allegra (r., Gesicht versteckt). Alessandra und Allegra gehören mit einem Vermögen von 100 bis 150 Millionen ebenfalls neu zu den Reichsten der Schweiz (Archivbild). Auf dem Bild von 1998 ist zu sehen, wie Patrizia Reggiani Martinelli vor Gericht muss, weil sie ihren Ex-Mann Maurizio, den Vater der gemeinsamen Töchter, hatte ermorden lassen. Sie musste dafür 15 Jahre ins Gefängnis. Für Glamour im «Bilanz-Ranking» sorgt wie letztes Jahr schon Michelle Hunziker. Sie gehört auch zu den 300 Reichsten. Ein Teil ihres Reichtums stammt aus einer Heirat: Zusammen mit ihrem Mann, dem italienischen Modehauserben Tomaso Trussardi, ist sie Mitbesitzerin von 200 bis 250 Millionen Franken. Auch der F1-Star Sebastian Vettel ist auf der Liste mit dabei. Der im Thurgau lebende Deutsche besitzt laut «Bilanz» ein Vermögen von 100 bis 150 Millionen Franken. Musiker Dieter Meier gibt dem Ranking ebenfalls ein Promi-Flair. Sein Vermögen wird von der «Bilanz» auf 150 bis 200 Millionen Franken geschätzt. Die Spitzenreiter im Ranking: Der Clan des Ikea-Gründers Ingvar Kamprad und seine drei Söhne. Sie sind seit dreizehn Jahren ununterbrochen an der Spitze. Die Familie hat ihr Vermögen um zwei Milliarden Franken vermehrt und besitzt nun 44 bis 45 Milliarden. Ingvar Kamprad ist zwar nach Schweden zurückgekehrt, doch seine Söhne besitzen das Schweizer Bürgerrecht. So auch Peter Kamprad (rechts im Bild). Der Brasilien-Schweizer Jorge Paulo Lemann wurde reich mit Firmenbeteiligungen, unter anderem mit der Brauerei Anheuser-Busch InBev. Das Vermögen des in Rapperswil-Jona lebenden 75-Jährigen stieg um 3 Milliarden auf 28 bis 29 Milliarden Franken. Damit liegt Lemann auf Rang 2 und ist gleichzeitig der grösste Aufsteiger. Platz drei geht an die Familien Oeri und Hoffmann (im Bild Andreas Oeri mit Ehefrau Gigi). Ihr Vermögen sank um eine Milliarde Franken auf neu 25 bis 26 Milliarden Franken. An vierter Stelle der Rich-List liegt der Clan der Familie Brenninkmeijer. Sie sind im Textilhandel (C&A) und mit Immobilien reich geworden. Ihr Vermögen stieg um eine Milliarde auf 16 bis 17 Milliarden Franken. Im Bild: Albert Brenninkmeijer mit Gattin Carolina. Ernesto Bertarellis Vermögen beläuft sich nach wie vor auf 12 bis 13 Milliarden Franken. Das reicht für Rang 5. Gérard Wertheimer von Chanel wohnt in Genf. Mit seinen 11 bis 12 Milliarden Franken liegt er auf Rang 6. Auf dem 7. Rang klassiert ist der Medizinaltechnik-Unternehmer Hansjörg Wyss. Der 79-Jährige verfügt über ein Vermögen von 11 bis 12 Milliarden Franken. Das ist eine Milliarde weniger als im Vorjahr. Auch das Fürstenhaus von Liechtenstein gehört zu den Top Ten in der Reichen-Liste, obwohl ihr Wohnsitz nicht in der Schweiz liegt. Das Vermögen der Familie um Hans-Adam (l.) und seinen Sohn Alois beläuft sich auf 8 bis 9 Milliarden Franken. Der erneute Zuwachs bei den Reichsten kam trotz eher schlechter Stimmung an den Börsen zustande.

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Die Reichsten in der Schweiz sind reicher geworden und sitzen auf einem Vermögen, das so gross ist wie noch nie zuvor. Das zeigt das Ranking der 300 finanzstärksten Schweizer in der neusten Gold-Ausgabe des Wirtschaftsmagazins «Bilanz». Insgesamt beläuft sich ihr Vermögen auf 595 Milliarden Franken. Das sind 6 Milliarden mehr als 2014. Von 2013 bis 2014 hatte der Anstieg noch 25 Milliarden betragen. Im Durchschnitt besitzt jeder der 300 reichsten 1,983 Milliarden Franken.

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Insgesamt 607 Teilnehmer

Dass der Zuwachs im Verlgeich zum Vorjahr vergleichsweise bescheiden ausfällt, liegt an der schwächelnden Weltkonjunktur und den abstürzenden Rohstoffpreisen. Würde das Vermögen der 300 Reichsten auf die Bevölkerung der ganzen Schweiz verteilt, so bekäme übrigens jeder Einwohner des Landes 71'685 Franken. «Ausserdem entsprechen die 595 Milliarden dem Wert, den 95 Prozent der Normalverdiener zusammen als steuerbares Vermögen besitzen», berechnet Daniel Lampart, Chefökonom des Schweizerischen Gewerkschaftsbundes, für 20 Minuten.

Unter den Reichen selbst gibt es auch grosse Unterschiede. So besitzt die Top Ten der Rangliste zusammen 180 Milliarden Franken – 30 Prozent des Gesamtvermögens der Top 300. An der Spitze der Hitliste steht die Ikea-Familie Kamprad. Seit inzwischen vierzehn Jahren gehört ihr der erste Platz. 2015 hat sie ihr Vermögen um 2 Milliarden vermehrt und besitzt nun etwa 44 bis 45 Milliarden. Dass die Kamprads trotz des Wegzugs von Vater Ingvar nach Schweden noch im Ranking aufgeführt werden, liegt daran, dass seine drei Söhne Peter, Jonas und Mathias den Schweizer Pass besitzen.

Jorge Lemann verdrängt die Oeris

Eine Veränderung gibt es dafür auf Rang zwei. Brasilien-Schweizer Jorge Lemann verdrängt dort mit einem neuen Vermögen von 28 bis 29 Milliarden die Roche-Besitzerfamilien Hoffmann und Oeri. Deren Vermögen sank um eine Milliarde und beträgt nun etwa 25 bis 26 Milliarden.

Im Gegensatz dazu konnte Lemann sein Vermögen um etwa drei Milliarden steigern. Grund: Er dirigierte mehrere grosse Fusionen und Übernahmen. So verschweisste er gemeinsam mit seinem Freund Warren Buffet im Sommer die Kraft Foods Group mit der Firma H. J. Heinz zum fünftgrössten Nahrungsmittelkonzern der Welt. Auch die Fusion der Bierkonzerne AB InBev. und SABMiller geschah unter seiner Führung, was ihn in den Augen der «Bilanz» zum grössten Aufsteiger macht.

Der grösste Verlierer im Ranking ist Glencore-Boss Ivan Glasenberg. Innert gerade mal zwölf Monaten verlor er 3,25 Milliarden Franken. Grund ist der seit vier Jahren andauernde Kurssturz der Glencore-Aktien, im Zuge dessen sich sein Vermögen von ursprünglich 8,2 auf heute noch 2 bis 2,5 Milliarden Franken reduziert hat.

Coelho, Calatrava und Gucci

Auch zwölf neue Personen oder Familien haben es 2015 ins Ranking geschafft und weisen ein Mindestvermögen von 100 Millionen Franken auf. So viel ist nötig, um in die Rangliste aufgenommen zu werden. Darunter sind berühmte Namen wie der spanische Stararchitekt Santiago Calatrava, der brasilianische Bestsellerautor Paulo Coelho, Mercedes-Motorsport-Chef Toto Wolff oder Alessandra und Allegra Gucci, die Töchter von Maurizio Gucci, Erbe des gleichnamigen Modeimperiums.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Reetoo am 26.11.2015 22:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sad...

    Irgendwie traurig, das zu lesen...und dann gibt es noch so viele arme leute...

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  • R. Hess am 26.11.2015 22:31 Report Diesen Beitrag melden

    traurig

    paar wenige haben immer mehr und auf der andern Seite muss der Bund bei der Bildung sparen! Irgendwie ne kranke Welt!! :-(

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  • M.M am 26.11.2015 22:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ich frage mich

    Wer braucht so viel Geld? Was will ich denn mit 1 Milliarde anfangen... Statt was hilfreiches natürlich in der bank aufbewahren.

Die neusten Leser-Kommentare

  • M.G. am 27.11.2015 22:32 Report Diesen Beitrag melden

    Viele kamen aus Deutschland

    wo sich die Besitzverhältnisse bei Unternehmen, Land- und Forstwirtschaft seit Kaisers Zeiten nicht geändert haben. Während in vielen anderen westlichen Ländern Kapitalgesellschaften mit weit gestreuten Aktien der Normalfall sind ist das in Deutschland eher die Ausnahme. Das hat aber auch einen großen Vorteil, man denkt in solchen Unternehmen nicht bloß bis zur nächsten Jahresbilanz sondern hat eher einen langen Planungshorizont.

  • J. K. Greiner am 27.11.2015 22:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Neid der Besitzlosen

    So viele Milliarden für so wenige Menschen. So denkt sie Mehrzahl aller Beteiligten! Nur weiss niemand, dass genau diese Milliardäre schon Millionen spenden, von denen wir alle gar nichts mitbekommen, weil es eigentlich gar niemanden etwas angeht. Daher wäre ein bisschen mehr Achtung nicht unangebracht.

    • J.K. Gemeiner am 27.11.2015 23:46 Report Diesen Beitrag melden

      Reich = humanes Armutszeugnis

      Das Geld dass die Reichen "spenden" an Arme, holen sie bis zum 10-fachen wieder heraus. Wenn sie soviel spenden wie sie sagen, würde der Wert bestimmter Devisen und vorallem auch Rohstoffe so stark steigen, sodass der Wohlstand solcher Nationen unsrem ebenbürtig wäre.

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  • Max Power am 27.11.2015 21:59 Report Diesen Beitrag melden

    Neider

    Wenn die Leute, anstatd die Reichen zu verurteilen, weil sie reich sind, sich mehr mühre geben würden, wären sie vielleicht selbst reich, und müssten nicht mehr jammer.

    • LFT am 28.11.2015 01:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Max Power

      Ja da der Max ins Schwarze getroffen. Meint er! Versteht aber nun nichts von Wirtschaft. Der Fleiss wird ganz ganz selten zu Reichtum führen. Aber Max Spruch hilft den Reichen noch reicher zz werden. Hoffentlich veesteht er wieso sonst kann er nochmals fragen.

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  • sssdfhfgh am 27.11.2015 21:58 Report Diesen Beitrag melden

    Woher

    Und alle kommen aus dem Ausland... Kaum Schweizer dabei...

  • Hellebarde am 27.11.2015 21:33 Report Diesen Beitrag melden

    Wer kennt die unbekannten...

    ... Superarmen? Sie machen fast 80 Prozent der Schweiz aus. Mit uns wird umgegangen wie mit der tapferen fleissigen Ameise auf der Tausendernote. Verlieben vergessen verzeihen.