Luftfahrt

11. November 2010 21:58; Akt: 11.11.2010 21:58 Print

Die A380-Panne kostet einen Haufen Geld

von Harald Schultz , AP - Die Folgekosten des A380-Triebwerksschaden gehen ins Geld: Hotels, Verpflegung, Ersatzflugzeuge, Austauschmotoren und Mechanikerstunden summieren sich.

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Die Probleme des Airbus A380 und des Boeing «Dreamliner» werden die beteiligten Firmen schmerzen. Das ist sicher. Wie viel die Panne kostet ist jedoch bislang völlig unklar, wie ein süddeutscher Luftfahrtanalyst der Nachrichtenagentur dapd sagte. Die Fluggesellschaft Qantas legte jedenfalls ihre sechs A380 still und musste Ersatzflugzeuge organisieren.

Hunderte Fluggäste sassen zum Beispiel allein in Los Angeles tagelang fest, bevor sie dann mit anderen Maschinen nach Australien gebracht werden konnten. Das kostete Geld für Hotels und Verpflegung. Den Imageschaden kann niemand beziffern. Am Donnerstag hiess es in Sydney, es sei derzeit unklar, wann die A380 von Qantas wieder flögen. Stattdessen werden Boeing 747, 767 und Airbus A330 verwendet.

Ähnliches gilt für die Vorzeige-Gesellschaft Singapore Airlines, die ebenfalls drei Maschinen aus dem Verkehr zog. Sie wurden ohne Passagiere aus London und Australien nach Singapur geflogen, um einige Triebwerke zu tauschen. Auch hier musste der Flugplan umgebaut werden. Lufthansa legte ebenfalls einen A380 kurzzeitig still, um zusätzliche Tests durchzuführen. Stattdessen flog ein Airbus A340 nach Johannesburg. Ausserdem tauschte Lufthansa in Frankfurt ein Rolls-Royce-A380-Triebwerk aus.

Teure Untersuchung

Auch die Ursachenforschung kostet die australische Flugsicherheitsbehörde ATSB viel Geld. Da wird die zerborstene Turbinen-Scheibe unter Aufsicht von Indonesien nach England geflogen, die Flugrekorder und die Cockpit-Crew wiederum nach Sydney, zu denen sich dann noch ein A380-Testpilot gesellt.

Der grösste Brocken der Kosten dürfte dem Analysten zufolge aber beim Triebwerkshersteller Rolls-Royce liegen, der mit der gleichnamigen Autofirma seit längerem nichts mehr zu tun hat. Die Fluggesellschaften werden vermutlich Rolls-Royce für ihre Kosten in Regress nehmen, so der Analyst. Darüber hinaus muss Rolls-Royce alle A380-Triebwerke überprüfen und im Zweifel auch Austauschmotoren zur Verfügung stellen.

Imageproblem für Airbus

In Abhängigkeit von der Unfallursache könnten die Kosten weiter steigen: Möglicherweise muss Rolls-Royce noch mehr Teile oder ganze Motoren austauschen oder gar die Produktion der Triebwerke und ihre Konzeption ändern. Sollten die Fluggesellschaften dann in Zukunft lieber den Motor der Engine Alliance von General Electric und Pratt & Whitney kaufen, kämen Umsatzausfälle hinzu. Freitag will Rolls-Royce zu den Problemen Stellung nehmen.

Airbus steht vor einem Image-Problem. Airbus-Chef Tom Enders sprach Rolls-Royce zwar sein Vertrauen aus. Stornierungen des A380 habe es nicht gegeben, sagte er in Berlin. Aber niemand kann derzeit beurteilen, ob Fluggesellschaften später vielleicht lieber die Boeing 747 bestellen.

Auch Boeing hat Probleme

Doch auch bei Boeing sieht die Lage nicht gut aus. Alle «Dreamliner»-Testflüge mit sechs Maschinen wurden wegen eines Brandes in der Elektronik im Heck eines der Flugzeuge gestoppt. Mit Ingenieuren an Bord musste die 787 eine Notlandung in Laredo/Texas hinlegen. Wie viel Geld Boeing dabei verliert, ist auch noch nicht klar. Aber der Dreamliner ist jetzt schon fast drei Jahre hinter seinem Zeitplan. Drei Jahre, in denen Aufwendungen für Tests und Entwicklungen weiterlaufen, aber keine Einnahmen aus dem Verkauf der 787 hereinkommen. Airbus zum Beispiel hatte seine zwei Jahre Verzögerungen beim A380 schon auf fünf Milliarden Euro Kosten veranschlagt. Noch immer ist die Produktion nicht vollständig hochgefahren.