Nanomania

06. März 2011 09:09; Akt: 06.03.2011 09:10 Print

Die Auswüchse des Nano-Fiebers

von Felix Burch - So umstritten die Nano-Aktion der Migros auch ist - erfolgreich ist sie. Wozu die Nanomania führen kann, ist zuweilen unglaublich.

Video: Bettina Wyden
Zum Thema
Fehler gesehen?

Sie sind omnipräsent, die Spuukies, Luxious oder Pinkies. Zur Zeit ist es schwierig, an den pillenförmigen Plastikfigürchen, die es bei der Migros bei einem Einkauf ab 20 Franken gibt, vorbeizukommen. Die Nanomania-Kampagne ist ein ungeheurer Erfolg. Millionen von Nano-Kapseln sind im Umlauf, und es werden immer mehr.

Zahlen rückt die Migros zwar keine heraus; Migros-Sprecherin Monika Weibel sagt aber: «Die Aktion übertrifft all unsere Erwartungen, mit einem solchen Hype haben wir nicht gerechnet.» Es werde vermutlich die bisher erfolgreichste Mania-Kampagne.

China muss Nanos nachproduzieren

Die Spezial-Nanos, die die Migros an Joker-Tagen abgibt, sind alle restlos vergriffen. Viele Spezial-Nano-kaufwillige Eltern gingen an den Joker-Tagen leer aus und mussten ihre Kleinen enttäuschen.

Weil der Ansturm derart extrem ist, hat der orange Riese bereits reagiert und verteilt Coupons. Gegen die Vorlage solcher können die Spezial-Nanos zwischen dem 19.4 und dem 9.5. doch noch abgeholt werden. Schneller geht es nicht, weil die Joker zuerst nachproduziert werden müssen. Dies geschieht laut Weibel in China.

Vater gibt Inserat auf, um an Nano-Joker zu kommen

Vielen Kindern geht das viel zu lange. Sie wollen alle der 48 Nanos plus Jokers, und zwar sofort. Wohl deshalb hat ein Vater auf Ron Orp ein Inserat aufgegeben. «Verzweifelter Vater sucht den Nano-Joker Luxibus», schreibt er. Seit Tagen höre er nur noch Luxibus und Nano und könne keinen solchen mehr bekommen. Sein Sohnemann wolle unbedingt den Luxibus, weil er «soooo schön leuchtet». Ob er mit dem Inserat Erfolg hatte, ist nicht bekannt.

Dass der Druck der Kinder auf die Eltern immens ist, zeigt das Beispiel einer Frau, die im Fernsehen über die Nanomania redete. Sie sei grundsätzlich Aldi- und Lidl-Kundin; seit ihre Kinder aber mit dem Nano-Fieber angesteckt seien, tätige sie sämtliche Einkäufe bei der Migros. Ihre Kinder müssten auf dem Pausenplatz mitreden können.

Videos, Unfälle, quengelnde Kinder, kindliche Erwachsene

Kinder, die ihre Eltern der Nanos wegen zum Migros-Einkauf drängen, sind aber längst nicht alles. Wer die Namen der 48 Plastikfigürchen - im Gegensatz zu seinen Sprösslingen - nicht auswendig kann, muss diese pauken, wie eine Mutter berichtet. Dass, wie befürchtet, Kinder Nanos auch verschlucken, tat der Nanomania auch nach einem ersten Opfer im Wallis keinen Abbruch. Dort musste ein Kind wegen einer Plastikfigur im Bauch ins Spital.

Unzählige Videos (siehe oben) beweisen, dass nicht nur Eltern und ihre Kinder, sondern auch Erwachsene ganz alleine vom Nano-Fieber angesteckt sind. Ein Ende ist nicht absehbar. Die Aktion läuft bis zum 14. März. Danach organisiert die Migros eine zweiwöchige Spezialtauschbörse und Mitte April geht es, wie bereits erwähnt, mit den zusätzlichen Joker-Wochen weiter.

Und was spielen Sie? Schicken Sie uns Ihr liebstes oder am besten gleich selbst produziertes Nano-Video an community@20minuten.ch.