Schädling auf Plantagen

16. August 2019 08:20; Akt: 16.08.2019 09:52 Print

Jetzt droht der Schweiz ein Bananen-Notstand

von Dorothea Vollenweider - Ein gefährlicher Pilz bedroht Plantagen in Kolumbien. Experten rechnen mit weitreichenden Folgen – auch für die Schweiz.

Der gefährliche Pilz wurde neu auch auf Bananenplantagen in Kolumbien nachgewiesen. (Video: DV, Bilder: Keystone / Getty Images)
Zum Thema
Fehler gesehen?

Rund elf Kilo Bananen konsumiert ein Schweizer pro Jahr – das entspricht in etwa 66 Bananen. Der hochaggressive Pilz Tropical Race 4 (TR4) könnte das bald ändern: Der Schädling befällt Bananenplantagen und sorgt dafür, dass die wichtigste Bananensorte des europäischen Handels bald Geschichte sein könnte: die Sorte Cavendish.

Umfrage
Würde Sie das Aussterben von Bananen stören?
84 %
11 %
5 %
Insgesamt 897 Teilnehmer

Bisher betraf das Problem nur Bananenplantagen in Südostasien, Ostafrika und Australien. Doch nun wurde der Pilz auch in Kolumbien nachgewiesen – einem der wichtigsten Importländer von Bananen des Schweizer Handels. Schweizer Bananen stammen aktuell zu rund 40 bis 45 Prozent aus Kolumbien. Die Zahl schwankt laut der Max-Havelaar-Stiftung Schweiz im Jahresverlauf. Insgesamt importiert die Schweiz jährlich rund 90'000 Tonnen Bananen.

Eine Ausbreitung hätte Folgen für die Schweiz

Noch geben sich die Schweizer Detailhändler gelassen. «Derzeit drohen weder Sortimentsknappheit noch steigende Preise», sagt Migros-Sprecher Patrick Stöpper. Migros verkauft jährlich rund 30'000 Tonnen Bananen. «Natürlich hätte eine Ausbreitung von TR4 in ganz Kolumbien Auswirkungen auf die Beschaffung», so Stöpper. Vor allem für die Migros-Bananen aus dem Projekt in Zusammenarbeit mit dem WWF.

Auch Aldi Suisse, Lidl Schweiz und Coop melden bisher keine Einschränkung der Verfügbarkeit. Doch Lidl Schweiz erklärt, man beobachte die Lage sehr aufmerksam. «Unsere Rainforest-Alliance-zertifizierten Bananen beziehen wir hauptsächlich aus Kolumbien», sagt Lidl-Sprecherin Corina Milz. Man habe aber Ausweichmöglichkeiten auf andere Länder.

Kolumbien ergreift Massnahmen

Die Generaldirektorin des Kolumbianischen Landwirtschaftsinstituts (ICA), Deyanira Barrero León verkündete am 8. August 2019, dass der gefährliche Pilz Bananen-Plantagen in Kolumbien befallen habe. «Wir erklären den nationalen Notstand, obwohl der Pilz bisher nur in La Guajira bestätigt wurde, um die Krankheit schneller unter Kontrolle zu bringen», sagt Deyanira Barrero León laut dem Fresh Fruit Portal.


Betroffen sei eine Fläche von 175 Hektaren in Guajira, schreibt das Branchenportal Lebensmittelzeitung. Gemäss dem Landwirtschaftsinstitut ICA wurden bereits Massnahmen getroffen, um eine weitere Ausbreitung zu verhindern. Die kolumbianische Regierung hat 18 Millionen Dollar freigegeben, um die Ausbreitung der Seuche zu verhindern.

Eine Frage der Zeit

Ob der Schädling damit ausgebremst werden kann, bleibt fraglich. «Es ist nur eine Frage der Zeit, bis der Pilz die gesamte Bananenindustrie in Lateinamerika betrifft, welche für rund 90 Prozent der europäischen Importe verantwortlich ist», sagt Martin Blaser, Bananenexperte bei Fairtrade Max Havelaar Schweiz. Das dürfte massive Auswirkungen auf die aktuellen Produktionsmengen haben, so Blaser. «Somit wird es auch der Konsument zu spüren bekommen – in Form von höheren Preisen.»

Aktuell gibt es keine chemischen Möglichkeiten, TR4 zu bekämpfen. «Die befallenen Bananenfelder sind für mindestens 30 Jahre verloren», erklärt Blaser. Das grosse Problem seien die industriellen Monokulturen, wo der Pilz gnadenlos zuschlagen könne. Es gibt deshalb laut Blaser nur eine Lösung: «Was die Aggressivität und das Zerstörungspotenzial von TR4 reduziert, sind Mischkulturen.»

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Jörg am 16.08.2019 08:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Notstand für Kolumbien

    Für die Schweiz ist das kein Notstand, aber sehr wohl für Kolumbien.

    einklappen einklappen
  • Lilo Meier am 16.08.2019 08:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Egoismus

    wir denken wieder mal nur an uns. Für die Konsumenten sind die Bananen nicht lebenswichtig! Aber was ist mit den Bauern?

    einklappen einklappen
  • Uge am 16.08.2019 08:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Resultat

    Das ist das Resultat von Monokulturen. Rache von Geiz ist Geil.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • globi am 18.08.2019 00:04 Report Diesen Beitrag melden

    Keine Krise

    Kein Notstand: die CH ist schon eine Bananen-Republik

  • Maja am 17.08.2019 22:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Und die Bauern?

    MIR kann das ja egal sein, auch wenn ich ziemlich viele Bananen esse, weiche ich halt auf andere Früchte aus. Aber was ist mit den betroffenen Bananenbauern, wovon leben sie, wenn dieser Pilz ihre Felder vernichtet...? Die haben wohl ein echtes Problem, nicht wir.

  • Der Besorgte am 17.08.2019 22:41 Report Diesen Beitrag melden

    Bananennotstand?

    Ah ja, habe ja ganz vergessen, dass Bananen überlebenswichtig sind. Werden wir jetzt alle sterben ?

  • ganz klar am 17.08.2019 21:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Plauderis

    jetzt melden sich sicher wieder all jene, die eh das ganze Jahr alles lokal regional kaufen.

  • Fakten am 17.08.2019 21:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    schönrederei

    wir sollen ja eh nur lokal regional einkaufen. Und das behaupten jeweils auch viele, obwohl das totale Schönrederei und auch unmöglich ist. Wir können etwa 6 Monate keine Früchte ernten. Aber klar, haufenweise geheizte Treibhäuser und ökologisch unsinnige Kühlhäuser z.B. aktuell 1 Jahr gelagerte CH Äpfel. Sicher werden noch während der neuen Ernte ab September noch letztjährige Äpfel verkauft. Ökobilanzen gelten nur wenn sie uns passen. Was nicht sein darf, kann auch nicht sein.