Exklusive Spitalräume

08. Oktober 2019 12:18; Akt: 08.10.2019 12:18 Print

Die Dachterrasse gibt es nur für Privatpatienten

von Dominic Benz - Spitäler haben vermehrt Exklusivräume nur für Privatversicherte. Die Krankenkassen wollen so die teuren Prämien rechtfertigen.

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Die Zweiklassengesellschaft unter den Versicherten wird in Spitälern immer sichtbarer. So wirbt die Urologie-Klinik Uroviva in Bülach für exklusive Räume nur für Halbprivat- und Privatversicherte. «Geniessen Sie bei schönem Wetter unserer Dachterrasse im 4. OG», heisst es etwa auf einem Infoblatt, das in der Klinik aufliegt. Für Allgemeinversicherte heisst es daher: kein Zutritt. Mittlerweile bieten viele Schweizer Spitäler exklusive Räume an. Auch die Klinik Hirslanden in Zürich hat einen separaten Aufenthaltsraum für Privatversicherte. Roger Gablinger, Urologe und Mitinhaber von Uroviva, bestätigt, dass man im Bereich Hotellerie Unterschiede mache. Privilegien wie etwa exklusive Räume würden die Krankenkassen verlangen. «Die Versicherungen wollen Verkaufsargumente für ihre Zusatzleistungen», sagt Gablinger zu 20 Minuten. Gesundheitsökonom Willy Oggier sieht in den Exklusivräumen den Versuch, dem Privatpatienten etwas Zusätzliches zu bieten, weil er auch mehr Prämie bezahlt. «Das Einfachste ist in der Regel oft, von den Spitälern mehr Hotellerie zu verlangen. Denn Versicherer können die Hotellerie leichter beurteilen als die medizinische Qualität», sagt Oggier. Der Krankenkassenverband Santésuisse betont, dass man sich sich grundsätzlich dafür einsetze, dass alle Versicherten qualitativ hochstehende medizinische Leistungen erhalten. «Werden in der Hotellerie darüber hinaus Angebote genutzt, darf das natürlich nicht zulasten von Prämiengeldern gehen», teilt ein Sprecher mit.

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Schöggeli zur Begrüssung, grosses Einzelzimmer, gratis Zeitschriften aus aller Welt – Privatpatienten geniessen bei einem Spitalaufenthalt etliche Privilegien. Entsprechend zahlen sie viel mehr Krankenkassenprämie als die Allgemeinversicherten.

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Die Zweiklassengesellschaft unter den Versicherten wird in den Spitälern immer sichtbarer. «Geniessen Sie bei schönem Wetter unsere Dachterrasse im 4. OG», heisst es etwa auf einem Infoblatt der Urologie-Klinik Uroviva in Bülach. Das Angebot gilt nur für Halbprivat- und Privatpatienten. Für Allgemeinversicherte heisst es daher: kein Zutritt.

Krankenkassen fordern Unterschiede

Neben der Dachterrasse hat Uroviva zudem eine Lounge mit Restaurantbetrieb. Auch einen Parkplatz in der Tiefgarage gibts nur für Privatpatienten. Mittlerweile bieten viele Schweizer Spitäler exklusive Räume an. Auch die Klinik Hirslanden in Zürich hat einen separaten Aufenthaltsraum für Besserversicherte.

Roger Gablinger, Urologe und Mitinhaber von Uroviva, bestätigt, dass man im Bereich Hotellerie Unterschiede mache. Privilegien wie etwa exklusive Räume würden die Krankenkassen verlangen. «Die Versicherungen wollen Verkaufsargumente für ihre Zusatzleistungen», sagt Gablinger zu 20 Minuten. Mache man als Spital daher keine solchen Unterschiede, würden die Krankenkassen allenfalls die Verträge für Zusatzversicherungen mit dem Spital auflösen.

Spitäler brauchen Privatversicherte

Für die Forderungen der Krankenkassen hat Gablinger Verständnis. Auch die Spitäler seien auf Patienten mit Zusatzversicherung angewiesen. «Ein Spital nur mit Allgemeinversicherten ist defizitär und kann langfristig nicht überleben.» Daher lege man grossen Wert auf solche Privilegien für Privatpatienten. «Wir leben diese Unterschiede und stehen dazu», so Gablinger. Er betont, dass die medizinische Betreuung bei allen Patienten aber immer die gleiche sei.

Gesundheitsökonom Willy Oggier sieht in den Exklusivräumen den Versuch, dem Privatpatienten etwas Zusätzliches zu bieten, weil er auch mehr Prämie bezahlt. «Grundsätzlich ist daran nichts auszusetzen, sofern die Medizin stimmt. Denn dafür geht man in erster Linie ins Spital», so Oggier auf Anfrage.

Ideenlose Krankenkassen

Laut des Experten sind die Krankenkassen in der Entwicklung neuer Zusatzversicherungsprodukte oft wenig innovativ. Dennoch müssten die Versicherungen den Kunden erklären können, warum die Privatversicherungen so viel kosten würden. «Das Einfachste ist in der Regel oft, von den Spitälern mehr Hotellerie zu verlangen. Denn Versicherer können die Hotellerie leichter beurteilen als die medizinische Qualität», sagt Oggier. Die Spitäler würden darauf entsprechend reagieren.

Der Krankenkassenverband Santésuisse betont, dass man sich grundsätzlich dafür einsetze, dass alle Versicherten qualitativ hochstehende medizinische Leistungen erhalten. «Werden in der Hotellerie darüber hinaus Angebote genutzt, darf das natürlich nicht zulasten von Prämiengeldern gehen», teilt ein Sprecher mit.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Karl am 08.10.2019 12:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Insel ist für alle

    Na, da bin ich ja froh, dass ich auch als Grundversicherter die schöne Dachterrasse mit Restaurant im Inselspital in Bern benutzen darf - und das ohne Aufpreis!

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  • Anubis am 08.10.2019 12:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Logisch

    Völlig klar, wenn ich für ein etwas mehr bezahle, möchte ich auch mehr dafür..

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  • Rolf am 08.10.2019 12:29 Report Diesen Beitrag melden

    hallo!!!!

    ein spital ist kein hotel!!! hier sollte die heimung im vordergrund stehen und nicht exklusivität!!!!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Patient am 09.10.2019 13:46 Report Diesen Beitrag melden

    Mir egal.

    In der Hirslanden würde ich mich nie mehr behandeln lassen. Auf die Dachterrasse kann ich deshalb gut verzichten. Ich gehe ins Spital, weil ich gesund werden will, und nicht um Ferien zu machen. Die medizinische Betreuung ist bei Ärzten, die weniger profit- und dafür mehr patientenorientiert sind, sowieso besser.

  • nicht menschlich am 09.10.2019 10:05 Report Diesen Beitrag melden

    schämt euch

    was wirklich die höhe ist, dass man keine zusatzversicherung machen kann, wenn man mal was hatte. auch wenn man wieder gesund ist. man darf nur grundversichert sein.. CEO's und VR von KK kassieren mio ab und andere müssen sich alle beugen. gerade für jemanden der solche krankheits-erfahrungen machen musste, ist eine freie arztwahl wichtig und sollte möglich sein. aber nein. die schwächsten kriegen noch eins auf die zwölf. der ch-kapitalismus ist zu einem hässlichen werkzeug gegen die gesellschaft mutiert. nirgends gibts soviele raffgierige diebe und langfinger, wie in der CH.

  • ben mader am 09.10.2019 09:09 Report Diesen Beitrag melden

    geht gar nicht

    Geht gar nicht in einem vom Steuerzahler bezahlten Spital den Zutritt zur Dachterassen für die allgemein Patzienten zu sperren. Wenn dies so gemacht wird, reduziere ich meine Steuerzahlungen, denn wir haben die gleichen rechte wie die andern!

  • Funky am 09.10.2019 06:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ist doch klar, oder.

    Bei der Behandlung darf es keine Unterschiede geben, klar ist daher das Drumherum qualitativ hochstehender. Und das funktioniert in der Schweiz ganz gut. Mein privat Versicherter Mann in Deutschland zahlt monatlich 1200 Euro. Der letzte Spitalaufenthalt: Ein altes abgewohntes Einzelzimmer ohne Infrastruktur, miserables Essen und kaum zu glauben, keine Hand- und Badetücher. Die hätte er selber mitbringen müssen. Nur dass die, welche hier immer meinen, in Deutschland sei alles besser, mal aufgeklärt werden, was dort tatsächlich läuft. Seid froh in der Schweiz zu sein, bei Krankheit oder Unfall.

    • Andre Hässig am 09.10.2019 10:28 Report Diesen Beitrag melden

      Hotelferien oder Krankenversicherung

      Sorry aber ich zahle meine Prämien um im GESUNDHEITLICHEN Sinne eine gute Behandlung zu bekommen. Nicht um die Hotellerie zu geniessen. Was soll der Schwachsinn der Versicherungen? Wenn ich besseren Hotelstandard haben möchte gehe ich in die Ferien in ein Hotel. Nein echt, also das ist wirklich ein völliger Schwachsinn hier mit den Prämien zu spielen. Lieber die Prämien runter und für alle normalen Standard im Krankenzimmer aber dafür gute ärztliche Behandlung.

    • IRma Froehlich am 09.10.2019 13:56 Report Diesen Beitrag melden

      Andre Haessig

      ...,ich zahle sehr hohe 1.Klass-Versicherung..., und ich genieße den Hotelstandard, genau darum bin ich ja auch bereit mehr zu zahlen, dass die Behandlung die selbe sein muss, ist doch wohl jedem klar, also mach keinen Aufstand, wenn DIR die Hotellerie nichts bedeutet..., wir zahlen ja dafuer..., ist genaugleich wie im Flugzeug!

    • Funky am 09.10.2019 16:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Andre Hässig

      Überlegen sie doch mal, als Allgemeinversicherter möchten sie doch eine gute und bestmögliche Behandlung im Sinne ihrer Gesundung, genauso wie sie der Privatversicherte erhält. So soll es auch sein. Dann kann es ja nur Unterbringung und Verpflegung sein, was die große Preisdifferenz der Prämien rechtfertigt. Ansonsten wäre das Angebot Privatkrankenkasse ja nur ein Witz und Geldverschwendung für den Versicherten. Man sollte sich bewusst sein, dass im Schweizer KK-System der Allgemeinversicherte indirekt von den hohen Prämien der Privatversicherten profitiert. Daher macht das Modell schon Sinn.

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  • Bob am 08.10.2019 22:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Spital oder Hotel

    War letztes Jahr 12 Tage im Spital davon 4 Tage auf Intensivstation und es war mir sowas von egal ob es noch ne Terrasse oder sonst so ein Zückerchen hatte wäre nicht in der Lage gewesen dahin zu gelangen! Weil ich war Krank als ich im Spital lag!

    • Bob Marble am 09.10.2019 19:54 Report Diesen Beitrag melden

      Spital oder Hotel

      so ist es!

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