Schweizer Schliessfächer

20. Mai 2011 11:45; Akt: 20.05.2011 13:38 Print

Die Deutschen können kommen

von Elisabeth Rizzi - Im Schnüffelstaat Deutschland droht selbst für Bankschliessfächer die totale Kontrolle. Die Schweiz ist gewappnet, um die Wertgegenstände der nördlichen Nachbarn aufzunehmen.

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In den Schliessfächern lagern nicht nur Geld, sondern auch Edelmetalle, Schmuck, Dokumente und Sicherungskopien von CDs. (Bild: Keystone)

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Arme Deutsche: Sie werden wohl bald ihr letztes Bisschen finanzielle Privatsphäre verlieren. Im Rahmen einer geplanten Neuauflage des Anti-Terror-Gesetzes überlegen sich die Behörden, eine zentrale Überwachung von Bankschliessfächern einzuführen. Will heissen: Banken sollen künftig nicht nur die Daten ihrer Schliessfach-Mieter an ein zentrales Register melden, sondern auch den Inhalt jedes Schliessfachs protokollieren.

Derartig Rigoroses ist im Schweizer Reduit des Bankgeheimnisses nicht geplant. Hier geht alles den gewohnten Lauf der Dinge. «Mehr Transparenz bezüglich Terrorprävention steht derzeit nicht zur Diskussion», sagt Thomas Sutter, Sprecher der Bankiervereinigung. Und bezüglich Inhalt von Schliessfächern mache der Verband auch künftig keine Auflagen.

Einzelne Banken haben zwar eigene Regeln aufgestellt, was in die Schliessfächer darf und was nicht (beispielsweise nichts, was verfaulen könnte). Doch grundsätzlich können die Mieter von Schweizer Bank-Safes einschliessen, was sie wollen. Und ausser ihnen weiss auch niemand, was sich darin befindet.

Steigende Nachfrage

Die Aufbewahrungsplätze in den Katakomben der Banken erfreuen sich insbesondere seit der Finanzkrise wachsender Beliebtheit. So melden die Zürcher Kantonalbank (ZKB), die Bank Vontobel und die Migros Bank steigende Nutzungszahlen. Am Hauptsitz der Migros Bank an der Zürcher Seidengasse sind heute sogar sämtliche 500 Tresorfächer belegt. Nur bei der UBS meldet man eine «über eine längere Zeitperiode eher abnehmende Nachfrage».

Auf Anfrage geben die meisten Banken zwar keine konkreten Zahlen mehr bekannt. Doch kann aus bereits publizierten Angaben geschlossen werden, dass es hierzulande Hunderttausende von Schliessfächern gibt. So weiss man, dass die UBS rund 144 000 Schliessfächer im Angebot hat, die Credit Suisse sogar 195 000. Die ZKB führt 85 000 Kundentresore, die Basler Kantonalbank (BKB) 26 000, und die Migros Bank meldet 8000. Kleine Schliessfächer werden bereits für 40 bis 100 Franken pro Jahr vermietet.

Kapazitäten reichen

Tonnenweise schwarze Banknoten werden hier nicht gebunkert; dafür Edelmetalle, Schmuck, Münzen, Sicherungs-CDs, Wertpapiere oder Dokumente. Ob die Schliessfächer eine grosse Rolle in Bezug auf Steuerhinterziehung spielen, darf bezweifelt werden: Schliesslich werfen sie keinen Zins ab. Trusts, Insurance Wrappers und andere Finanzvehikel sind bei grossen Vermögen weitaus geeigneter, um die Steuerlast zu senken.

Entsprechend rechnen die Schweizer Banken nicht mit einem Run deutscher Steuerflüchtlinge. Doch meint man sowohl bei Raiffeisen als auch bei der ZKB: «Die vorhandenen Kapazitäten reichen gut aus, um noch mehr Kunden aufnehmen zu können.» Steuersünder dürften es zwar nicht so leicht haben, sich in ein Schweizer Schliessfach zu flüchten: Wer bei der ZKB einen Tresor mieten will, muss auch andere Geschäfte mit der Bank abwickeln und wird entsprechend auf seine weisse Weste hin geprüft.

Allerdings gibt es doch einen klaren Vorteil. So haben Kunden derzeit noch weiter Zugang zu ihren Schliessfächern, auch wenn ein Amtshilfeverfahren zwischen der Schweiz und einem anderen Staat bezüglich des Mieters und dessen Schweizer Bankverbindung läuft.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • r. Furgler am 20.05.2011 16:25 Report Diesen Beitrag melden

    Schwachsinn

    Die Schweiz ist allerdings nur so lange gewappnet bis Deutschland oder die EU beschliesst, dass die Schweiz sämtliche Inhalte ihrer Staatsbürger fein säuberlich auflisten muss. Die müssen nur mit dem Finger schnippen und Steuerdaten werden ausgetauscht, da wird doch wohl keiner glauben, dass Schliessfächer sicherer wären? Und für die ganz Langsamen hier. Die Schweiz kann gegenüber keinem anderen Land dieser Welt Druck ausüben. Aber fast jedes andere Land kann gegen die Schweiz Druck ausüben. Wir haben einfach nichts, wir sind auf alle anderen angewiesen...

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  • Roli am 20.05.2011 12:17 Report Diesen Beitrag melden

    Ja bei uns wird ja gar nicht, niemals...

    geschnüffelt! Ja klar, das haben wir an der Fichen-Affäre in den achtzigern gesehen, wie "sauber" und "korrekt" die Schweizer sind. Wir sind dem Muster-Überwachungs- und -Verbots-Staat Deutschland einfach 5 Jahre hintendrein.

  • Fnord am 20.05.2011 21:05 Report Diesen Beitrag melden

    CH dafür weiter bei Telefonüberwachung..

    Jedes Land pflegt so seine Gemeinheiten gegen die Privatsphäre. Und der untertänige Bürger gewöhnt sich daran. Dafür kann man in Deutschland an jeder Ecke anonym SIM-Karten zum Telefonieren und um ins Internet zu gehen kaufen. Man muss sich mit Name und Adresse registrieren - aber das geht problemlos mit Fake-Daten. Eine ID-Kontrolle ist gesetzlich nicht vorgeschrieben und existiert bei vielen Prepaid-Anbietern schlicht nicht.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Einer von 7,8 Millionen am 23.05.2011 07:54 Report Diesen Beitrag melden

    Eine oberdoofe Überschrift

    Die Steuerämter können vielleicht Auskunft darüber geben, wieviele Tresorfächer in den CH-Steuererklärungen abgezogen werden.

  • Fnord am 20.05.2011 21:05 Report Diesen Beitrag melden

    CH dafür weiter bei Telefonüberwachung..

    Jedes Land pflegt so seine Gemeinheiten gegen die Privatsphäre. Und der untertänige Bürger gewöhnt sich daran. Dafür kann man in Deutschland an jeder Ecke anonym SIM-Karten zum Telefonieren und um ins Internet zu gehen kaufen. Man muss sich mit Name und Adresse registrieren - aber das geht problemlos mit Fake-Daten. Eine ID-Kontrolle ist gesetzlich nicht vorgeschrieben und existiert bei vielen Prepaid-Anbietern schlicht nicht.

  • Max Hauser am 20.05.2011 17:55 Report Diesen Beitrag melden

    Big Brother

    Deutschland ist längst ein Bürger-Überwachungs- und -Beschnüffelungsstaat. Nicht nur in finanzieller Hinsicht. Ist logisch bei der Nähe zu den USA.

  • Marcel am 20.05.2011 17:37 Report Diesen Beitrag melden

    Willkommen in der EU

    ist doch logisch. jemand muss die marode EU doch finanzieren und wenn nicht deutschen, wer dann ?

    • Jan D am 20.05.2011 18:13 Report Diesen Beitrag melden

      EU-Kritik auf Biegen und Brechen

      Und wie genau finanziert man sich mit der Protokollierung von Bankschliessfächern?

    • irgendwer am 21.05.2011 10:20 Report Diesen Beitrag melden

      Steuern ?

      Vielleicht weil man seine Bürger daran hindern will, trotz permanent steigender Steuern (die zu einem nicht unwesentlichen Teil an Banken, EU & Griechenland fliessen) ein Teil des eigenen Vermögens nicht zu deklarieren ?

    • Ein Anderer am 23.05.2011 17:55 Report Diesen Beitrag melden

      Steuerhinterziehung ist Diebstahl am Vol

      Das Geld gehört eigentlich dem Deutschen Volk. Das Deutsche Steuersystem hat in der Schweiz niemanden zu interessieren. Das Geld gehört nicht der Schweizer Bank sondern dem Deutschen Volk. Ist das denn sooo schwer zu verstehen... Ich möchte das Schweizer Volk erleben, wenn es umgekehrt wäre...

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  • Pius am 20.05.2011 16:36 Report Diesen Beitrag melden

    Vorbereitungen auf den Währungscrash

    Das sind nur Vorbereitungen auf den bevorstehenden Währungscrash. Enteignungen sind dann wahrscheinlich, da die vom Staat gebunkerten Goldreserven nicht mehr ausreichen. Gut wenn der Staat bereits Zugriff auf die Bankschliessfächer hat. Die Frage ist einfach, wie wird sich die Schweiz schlagen, wenn der US$ und der Euro zusammengebrochen sind? Sind private Güter dann in einem Schweizer Bankschliessfach noch sicher? Gut wer sein Gold zu Hause lagert.

    • Bumdidum am 20.05.2011 18:57 Report Diesen Beitrag melden

      Abkassieren.

      Ja, klar und dann wieder abkasieren... ist ja nicht das erste mal... Bin stolz!

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