Dildos, Dessous und dergleichen

20. November 2008 12:07; Akt: 20.11.2008 14:44 Print

Die Erotikbranche ist heiss auf die Rezession

von Dajan Roman - Sex sells: Erotikmarkt und Magic X setzen auf Reizwäsche, Sextoys sowie Lack und Leder. Beide versprechen sich dank der Rezession mehr Umsätze, obwohl das Porno-DVD-Business praktisch tot ist.

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Die beiden grossen Schweizer Erotik-Anbieter Erotikmarkt und Magic X spüren nichts von der Finanzkrise. Und beide sehen der gemäss Prognosen tristen Konjunktur gelassen entgegen. Denn: Für die Erotikbranche ist eine Rezession eher besser als eine Phase der Hochkonjunktur.

Patrick Stöckli vom Erotikmarkt: «In einer Hochkonjunktur geben die Leute ihr Geld für teure Autos, Reisen und exquisites Essen aus und sind glücklich dabei.» In einer Rezession seien die Leute eher gefrustet und daher auch eher auf der Suche nach Abwechslung. «Und dann gönnt man sich halt vermehrt etwas Kleineres aus dem Erotikbereich», so Stöckli.

Jan Brönnimann von Magic X sieht das gleich: «Erotik ist ein 'billiges' Vergnügen, auf das im Gegensatz zu teuren Ferien nicht verzichtet wird. Es ist der kleine Luxus, den man sich trotzdem noch gönnt.» Eine Rezession begünstige aber auch die Expansion, erklärt Brönnimann. Weil die Mieten billiger würden, liessen sich bessere Standorte für die Läden finden. Der Erotikmarkt macht Nägel mit Köpfen und eröffnet nächste Woche eine neue Filiale in Volketswil.

Erotik als Lifestyle

Beide Erotikanbieter setzen schon seit längerem auf neue Zielgruppen und damit auf ein neues Sortiment. Brönnimann: «Für uns ist Erotik Lifestyle.» Das Publikum sei bedeutend jünger geworden und es seien vor allem junge Paare, die sich für Erotik interessieren. «Beim jungen Paar steht nicht der Porno im Vordergrund, sondern alles, was erotische Stimmung erzeugt», so Brönnimann. Deswegen habe sich das Sortiment in Richtung Sextoys, Massageöl, Kerzen, Badezusatz, Dessous und Reizwäsche entwickelt.

Das sieht Stöckli ähnlich: «Frauen trauen sich nun auch alleine in den Laden, man fühlt sich wie in einem grossen Unterwäschegeschäft.» Beide fahren gut mit der neuen Ausrichtung, Magic X verzeichnet in diesen Bereichen zweistellige Wachstumsraten. Sowieso: «Das Business ist viel härter geworden, man muss agieren statt reagieren», so Stöckli.

Pornos: «Sterben in Raten»

Tatsächlich haben sich beide nicht ganz freiwillig vom Porno-DVD-Bereich in Richtung Erotikwäsche und -spielzeug bewegt. Die Filmbranche hat nämlich massiv mit den Gratisangeboten im Internet zu kämpfen. Ausserdem habe sich die Branche mit einem ruinösen Preiskrieg praktisch selber zerfleischt, erklärt Brönnimann. Das Marketing sei nur noch über den Preis erfolgt. Er selber findet: «Gute Erotik ist hochwertig und darf etwas kosten.» Dem pflichtet Stöckli bei und bringt es auf den Punkt: «Das Porno-DVD-Business ist nur noch eines: Ein Sterben in Raten.»

Die gute alte Videokabine

Ein Überbleibsel aus der 'Vor-Youporn-Zeit' gibt es aber noch heute: Die Videokabine. Doch Geld lässt sich damit nicht mehr verdienen. Die einzigen Besucher seien nämlich nur noch Männer, die daheim unter Überwachung stehen und keine Pornos gucken dürfen.

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