Banker

11. Februar 2011 10:18; Akt: 11.02.2011 10:50 Print

Die Gier macht der Ernüchterung Platz

von Markus Kick - Wie gut müssen Banken rentieren? 25 Prozent, sagt Deutsche-Bank-Boss Ackerman. Die Schweizer Banken dagegen sind auf dem Boden der Realität angekommen.

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Kundgebung gegen die «Milliarden-Abzockerei» der Banken: 400 Demonstranten protestierten im Oktober 2008 gegen den staatlichen Rettungsanker für die UBS und die Millionen-Boni der Banker. (Bild: Keystone/Walter Bieri)

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Gar nicht so lange ists her, da waren die Banken noch so etwas wie bescheiden. Die sogenannte Eigenkapitalrendite – also der Gewinn im Verhältnis zum Eigenkapitel – war zwar schon immer das Mass aller Dinge. Doch blieb ein Funke Verstand im System. Erst 2004 begann sich der Wind zu drehen.

«Wir wollen den Wert des Unternehmens erhöhen, indem wir eine nachhaltige Eigenkapitalrendite von 15 bis 20 Prozent erzielen – und das ungeachtet der gerade herrschenden Marktverhältnisse», verkündete Peter Kurer, damals noch General Counsel im UBS B”rsenkurs-Verwaltungsgremium, im Geschäftsbericht 2004. In den Boom-Jahren danach brachen dann sämtliche Dämme der Vernunft.

Erfolgsgeblendet

Ab 2006 schraubte UBS-Chef Marcel Ospel das angestrebte Renditeziel auf «mindestens 20 Prozent» hoch. Lapidare Begründung: Die UBS habe sich weiterentwickelt und die Kundenbasis vergrössert. Zudem habe sie in früheren Jahren die Ziele vermehrt übertroffen. Später setzten sich die Banken sogar eine Eigenkapitalrendite von 25 Prozent als Ziel.

Ein fataler Irrtum, wie sich herausstellen sollte. Denn das Wachstum wurde nur mit immer grösserem Risiko erzielt. Das dicke Ende ist bekannt: Die verheerende Finanzkrise kostete viele Kopf und Kragen; die ehemals fetten Renditezahlen rasselten durch die Verluste in abgrundtiefe Täler.

Die UBS schlug mit einer Minusrendite von minus 57 Prozent, mit minus 23 Prozent auf dem Boden der Realität auf. Von den Wachstums-Euphorikern war nichts mehr zu hören.

Sicherheit kostet Rendite

Wirklich? Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann, von Kommentatoren als Vertreter der Old-School-Banker abgetan, holte 2008 nur kurz schweigend Luft. Der umtriebige Schweizer Banker kam mit der grössten deutschen Bank ohne staatliche Unterstützung schlank durch die Finanzkrise. Die Krisenlawine war noch nicht zum Stillstand gekommen, als er – wie wenn nichts gewesen wäre – bereits Anfang 2009 wieder das alte 25-Prozent-Ziel verkündete.

Warum gerade die magischen 25 Prozent? Ackermann belegte seine Wunschrendite unlängst in einem Streit mit dem deutschen Finanzminister Wolfgang Schäuble mit Studienergebnissen der Deutschen Bundesbank. Demnach habe die durchschnittliche Eigenkapitalrendite im verarbeitenden Gewerbe zwischen 1994 und 2007 rund 32 Prozent betragen, im Jahr 2007 sogar 37,2 Prozent.

Bei Politikern und Bankexperten stiessen diese Äusserungen auf Widerspruch. «Im neuen Banking 2.0 spielt die Rendite keine Rolle mehr», kommentierte «Focus Money», «im Gegenteil. Es geht darum, möglichst hohe Eigenkapitalreserven aufzubauen, um weitere Abschreibungen abzupuffern. Mehr Eigenkapital bedeutet, dass der Nenner der Kennziffer grösser wird – und die Rendite sinkt.»

Ausgebremster CS B”rsenkurs-Chef

Tatsächlich ist nach der Gier aber wieder Ernüchterung angesagt. CEO Brady Dougan hatte 2009 die Messlatte mit 18 Prozent angestrebter Eigenkapitalrendite bereits wieder hoch angesetzt. Die am Donnerstag veröffentlichten Geschäftszahlen bremsen den smarten Amerikaner nun jedoch aus. Die CS senkt die Renditeerwartungen auf «über 15 Prozent».

Dougan macht dafür die anstehenden schärferen Kapitalvorschriften verantwortlich. «Unsere Ziele basieren auf einer vorsichtigen Einschätzung der langfristigen Geschäftsentwicklung in der Branche.» Damit liegt die CS sogar hinter der UBS zurück. Diese hat ebenfalls diese Woche fast 16 Prozent Rendite ausgewiesen, jedoch kein Renditeziel bekanntgegeben.

Bescheidenere Mittelbanken

Am Boden der Realität bleiben auch die von 20 Minuten Online angefragten mittelgrossen Schweizer Banken. «Die Zürcher Kantonalbank will Eigenmittelrenditen zwischen zehn und 13 Prozent erzielen», gibt sich CEO Martin Scholl tugendhaft. «Wir verzichten bewusst auf eine höhere Rendite. Dies mit Blick auf die verschärften neuen Eigenmittelvorschriften und im Interesse einer möglichst soliden Eigenkapitalbasis.»

Auch Pierin Vincenz, Chef der Raiffeisen Bankengruppe, konzentriert sich darauf, «Eigenkapital zu generieren und damit Sicherheit für Mitglieder und Kunden zu schaffen». Gerade die Finanzkrise habe gezeigt, dass die Konzentration auf die Bewirtschaftung des Eigenkapitals unter Renditeaspekten gefährliche Auswirkungen haben kann. «Die Eigenkapitalrendite von Raiffeisen liegt stabil zwischen sieben und zehn Prozent», sagt Vincenz, «das halte ich für angemessen.»

Ebenfalls zurückhaltend gibt sich die Valiant Bank. Man könne und wolle sich nicht mit internationalen Vergleichsgrössen messen, gibt Mediensprecherin Valérie Bodenmüller zu bedenken. Die Bank sei nur national tätig und strebe eine Eigenkapitalrendite zwischen acht und zwölf Prozent an.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Karl Friedrich Lemmer am 11.02.2011 12:29 Report Diesen Beitrag melden

    Grüsse an die Bonineider

    ich glaube das die Boni hier nur immer hochgespielt werden um vom eigenen Unvermögen abzulenken. Nur die wenigsten die Demonstrieren haben mehr als eine Lehre gemacht und keiner von Ihnen will verantwortung, nur Umverteilung.

    einklappen einklappen
  • Toni am 11.02.2011 20:44 Report Diesen Beitrag melden

    Abzocker-Abstimmung vor's Volk bringen

    Bei der FDP / CVP + BDP sitzt die Angst im Nacken, sie befürchten Wahl-Verluste im Herbst 2011 - jetzt und nicht erst nach den Wahlen muss dieses Thema erneut auf den Tisch gebracht werden.

  • Sandra Gruben am 14.02.2011 11:00 Report Diesen Beitrag melden

    Kompetenzen sind anzuzweifeln

    Lustig, die Bilder der JUSO. Hier im 20min. hat es ja einen Bericht gegeben dass die Juso Luzern eine Anzeige wegen eines Verstosses des geltenden Waffengesetz erhalten hat. Da hat man gesehen, dass die Juso (SP)keine Ahnung haben was sie da tun und was aktuel schon bestehendes Recht ist. Und solche Leute wollen uns weismachen was Gesetzlich, Wirtschaftlich und Rechtens sein soll? Selber keine Ahnung haben aber gross anderen Vorschriften machen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Sandra Gruben am 14.02.2011 11:00 Report Diesen Beitrag melden

    Kompetenzen sind anzuzweifeln

    Lustig, die Bilder der JUSO. Hier im 20min. hat es ja einen Bericht gegeben dass die Juso Luzern eine Anzeige wegen eines Verstosses des geltenden Waffengesetz erhalten hat. Da hat man gesehen, dass die Juso (SP)keine Ahnung haben was sie da tun und was aktuel schon bestehendes Recht ist. Und solche Leute wollen uns weismachen was Gesetzlich, Wirtschaftlich und Rechtens sein soll? Selber keine Ahnung haben aber gross anderen Vorschriften machen

  • Vergleichendes Sparschwein am 12.02.2011 09:42 Report Diesen Beitrag melden

    Unsinnige Medienartikel

    Der Artikel "Weshalb die CS der UBS enteilt" vom 10.2. (L. Bättig) ist kontraproduktiv. Die UBS war in der grossen Krise gezwungen, Passivgelder (Kundenguthaben) besser als andere Banken zu verzinsen. Das Rad hat sich gedreht. Auf Tabellen wie "Zinsvergleich" oder Zinskonditionen von Schweizer Banken (Stand 11.2.2011) ist ersichtlich, dass die UBS es sich nun leisten kann, entgegengenommene Gelder wesentlich tiefer als die CS zu verzinsen. Das trägt zu einem Anstieg der erzielten Basispunkte auf die anvertrauten Vermögen bei.

    • Vergleichendes Sparschwein am 13.02.2011 20:31 Report Diesen Beitrag melden

      Nachtrag

      Der Artikel ist von L. Hässig (nicht Bättig)

    einklappen einklappen
  • Toni am 11.02.2011 20:44 Report Diesen Beitrag melden

    Abzocker-Abstimmung vor's Volk bringen

    Bei der FDP / CVP + BDP sitzt die Angst im Nacken, sie befürchten Wahl-Verluste im Herbst 2011 - jetzt und nicht erst nach den Wahlen muss dieses Thema erneut auf den Tisch gebracht werden.

  • Philippe Latscha am 11.02.2011 14:41 Report Diesen Beitrag melden

    Bitte um Aufklärung

    Kann mir mal einer Glaubhaft erklären, warum Bänker Anrecht auf Boni in Millionenhöhe haben? Das Kapital ist der Bank lediglich zum arbeiten überlassen worden.

  • simisimsima am 11.02.2011 13:20 Report Diesen Beitrag melden

    Gauner und Räuber

    Ganau das Geld das den Schweizern fehlt, ergattern die Bank Boliden, deklarieren es als Boni. Nur haben sie die Bonis nicht mal im Entferntesten verdient.