Nach Crash in China

07. Januar 2016 12:25; Akt: 07.01.2016 14:14 Print

Die Gründe für die grosse Nervosität an den Börsen

von F. Lindegger - Chinas Börse musste erneut den Handel wegen zu hoher Kursverluste abbrechen. Das lässt die internationalen Börsen tauchen. Die Hintergründe.

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Grüne Zahlen als schlechtes Omen: Negative Kurse werden an den chinesischen Börsen in Grün dargestellt. (Bild: Keystone/AP/Andy Wong)

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Zum zweiten Mal innerhalb einer Woche musste der Handel an den Börsen in Shanghai und Shenzhen abgebrochen werden. Am Montag, dem ersten Tag des Börsenjahres, wurde nach einigen Stunden der Handel wegen zu grosser Kursverluste ausgesetzt – am Donnerstag war bereits nach 30 Minuten Schluss mit dem Börsenhandel.

Was ist geschehen?
Gleich nach Handelsbeginn stürzte der CSI 300, der Hauptindex der Börsen in Shanghai und Shenzhen ab. Dabei griff erneut der zu diesem Jahr eingeführte «Circuit Breaker», der bei einem Kursrückgang um mehr als 5 Prozent eine 15-minütige Handelspause vorsieht. Ab einer Schwelle von 7 Prozent Verlust wird der Handel abgebrochen. Da diese Schwelle nur kurze Zeit nach der Handelspause erreicht wurde, setzten die Verantwortlichen den Handel für den Rest des Tages aus.

Warum sind die chinesischen Anleger so nervös?
Einer der Gründe für den Kurssturz dürfte die Sorge um die chinesische Wirtschaft sein. Der Yuan schwächte sich gegenüber dem Dollar abermals ab und fiel am Donnerstag auf den tiefsten Stand seit fast fünf Jahren. Eine Schwächung der Währung hilft zwar der chinesischen Exportindustrie, gleichzeitig gibt es aber auch Befürchtungen, dass dies ein Zeichen sei, dass die Verlangsamung des Wachstums in China grösser sein könnte, als von offizieller Seite bekanntgegeben wird.

Kann der chinesische Staat die Aktienmärkte nicht stützen?
Die chinesischen Behörden versuchten in den vergangenen Tagen die Märkte zu beruhigen. Die People’s Bank of China soll zu Beginn der Woche umgerechnet 15 Milliarden Franken in den Markt gepumpt haben. Zudem hätten staatliche Anlagefonds Stützkäufe getätigt und grosse staatsnahe Betriebe sollen bis Ende Jahr keine eigenen Aktien auf den Markt bringen. Nach dem Börsenabsturz am Montag kehrte denn auch zwischenzeitlich etwas Ruhe ein. Nun aber scheinen diese Massnahmen bereits nicht mehr auszureichen, um die chinesischen Anleger zu beruhigen.

Wird die Nervosität an den chinesischen Börsen anhalten?
Davon ist auszugehen. «Eigentlich ist am Montag gar nichts passiert», erklärte Raiffeisen-Chefökonom Martin Neff am Mittwoch im Rahmen einer Prognosekonferenz. Es sei nur ein nicht wirklich relevanter Einkaufsmanagerindex veröffentlicht worden, trotzdem sei dies als Zeichen einer schwächelnden Konjunktur interpretiert und habe zu einem Ausverkauf an der Börse geführt. Nun sorgte die Abwertung des Yuans scheinbar für denselben Effekt. Ein weiterer Grund dürfte zudem der «Circuit Breaker» sein, der eigentlich zum Ziel hat, zu grosse Verluste im Handel zu verhindern. Dieser Mechanismus führte in Shanghai und Shenzhen dazu, dass es nach der fünfzehnminütigen Pause zu einem Wettlauf kam, möglichst schnell Titel zu verkaufen. Die Kurse überschritten deshalb nach der Handelspause in kürzester Zeit die Hürde von sieben Prozent.

Was bedeutet das für die Schweizer Börse?
Zum Handelsstart sackte der Schweizer Leitindex SMI um gut 2 Prozent ab – wohl vor allem aufgrund der Ereignisse in China. Zwischenzeitlich verlor der SMI gar 3,3 Prozent an Wert. Zu den grossen Verlierern an der Schweizer Börse gehören die Banken-Titel. Die Aktie der UBS verlor zeitweise über 5 Prozent. Analysten erklären dies unter anderem mit der Wichtigkeit des Asiengeschäfts für die Banken. Doch nicht nur in der Schweiz sorgen die Nachrichten aus China für Verkaufsstimmung an den Börsen. Der deutsche Leitindex DAX fiel unter die wichtige Marke von 10'000 Punkten, der japanische Nikkei-Index schloss mit über 2,3 Prozent Verlust.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Rudolf Meier am 07.01.2016 13:19 Report Diesen Beitrag melden

    verlangsamtes Wachstum...

    Wenn ich sowas nur schon höre. "Wir haben nur noch 7% Wachstum und nicht mehr 15% !" oder "Unser Gewinn ist von 1.1 Mrd auf 300 Mio eingebrochen!". Die haben doch alle ein Rad ab. Es ist NOCH IMMER Wachstum und Gewinn. Aber es wird als Katastrophe dargestellt!! "ui ui ui, meine Reallohnsteigerung für's nächste Jahr beträgt nur noch 2%... ich kann mir also nicht 5% MEHR leisten sondern nur 2% MEHR... welche eine Katastrophe" ... die gehören alle in die geschlossene Anstalt!

  • Frank am 07.01.2016 12:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Das wurde vorhergesagt

    Das ist das was vorhergesagt wurde und prophezeit das der grosse Crash aus China komme würde.

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  • Goldnuget am 07.01.2016 13:05 Report Diesen Beitrag melden

    Die fallenden Rohstoffpreise

    haben diesen Bärenmarkt bereits 8 Monate im voraus angedeutet. Draghis EUro schwemme hat das ganze hinausgezögert und die Zinserhöhung der FED gab das letzte Signal, das die Party vermutlich zu Ende geht.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • bull bear am 07.01.2016 22:53 Report Diesen Beitrag melden

    Wie aus dem Lehrbuch

    7 Jahre stiegen die Aktienmärkte. 7 Jahre kündigten Leserbriefschreiber in online foren den Crash an. Jetzt sind die Aktienmärkte mitten in genau jenem Crash, der von Crashpropheten immer wieder beschworen wurde. Und was liesst man? Nichts. Aus dem Standpunkt der Contrary Opinion wurde noch nie ein Crash so präzise angekündigt, wie dieser Crash. Der Auslöser ist China. Nicht aus wirtschaftichen Gründen. Der Auslöser wird eine Frage sein: Weiss die PBOC überhaupt, was sie tut? Diese Frage richtet sich dann an die EZB, FED & SNB, die Retter aus 2008. Lautet die Antwort: Nein ---> Crash.

    • Cartman1993 am 08.01.2016 03:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @bull bear

      ja undvirgendwelche Kommentierer sind besser als grössten Ökonomen der Welt? Es ist ja nicht komplet falsch, aber dann können sie auch an Nostradamus glauben. Ich kann auch irgendetwas voraussagen. Wens eintrifft bin ich ein Genie, wenn nicht interessierts keinen

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  • smitHy am 07.01.2016 21:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    das Geld

    Was macht ihr euch auch für sorgen... Geld gibts mehr als genug... Und wenn man zuwenig hat... Macht man mehr! Solange wir Mensch dies auch anerkennen wirds so weitergehen. An der Börse wird Geld aus dem nichts erschaffen, darum gehts in dee Börse rauf und in der realwirtschaft runter

  • Paul am 07.01.2016 21:05 Report Diesen Beitrag melden

    Morgen kracht es so richtig..

    Morgen Freitag, geht die Party erst richtig los...

    • Gaudenz am 07.01.2016 21:10 Report Diesen Beitrag melden

      Short

      Mit shorten,so richtig Kasse machen, auch Morgen wieder..

    • Freier Mensch am 07.01.2016 22:55 Report Diesen Beitrag melden

      Berühmter Crashmonat

      ist Oktober und nicht Januar. Bis dann vergeht noch viel Zeit.

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  • Martin am 07.01.2016 20:25 Report Diesen Beitrag melden

    Bald...

    Bald erscheinen die Jahresberichte der SNB und der EZB. Das wird interessant! Das Jahr hat so eben erst begonnen bzw. ist noch nicht mal richtig abgeschlossen.

  • Vortex am 07.01.2016 20:08 Report Diesen Beitrag melden

    Sale

    Herrlich, heute wieder 100 Stück Inficon gekauft. 5% Dividende jedes Jahr :o)

    • Vanessa am 07.01.2016 21:08 Report Diesen Beitrag melden

      Zu früh gekauft..

      Schade, morgen wird's noch günstiger, wenn die Grossinvestoren in China die Lawine lostreten!

    • Earl am 08.01.2016 01:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Knockout long 8300 / 9400 ... Short : 17500 / 2134

      @ Vanessa / solltest dich zuerst korrekt informieren. Grossinvestoren ab 30% Aktienkapital einer Firma dürfen nur über Staatliche Verkaufsplattformen positionen davon absetzen und dies auch nur 3% des Volumens innerhalb 12 Monaten. / ... Aber alle anderen mit 5% bis 29% Aktienkapital eines Titels sind wieder Frei und zugelassen. Gesperrt bleiben rund 100 Titel aus einer Art "New-Ecconomie" Branche .... Du kannst aber 100% sicher sein, dass die Behörden sämtliche HFT-Roboter der Staatlichen Hedge-Fonds im Einsatz haben werden ;-) da wird vorerst NICHTS mehr passieren.

    • Earl am 08.01.2016 01:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Sentimel

      @ vanessa ... dies war übrigens auch der Auslöser am Montag für die börsen-Turbulenzen in China, als die Regierung angekündigt hat alle Anleger mit mehr als 5% Aktien eines Unternehmens ab Freitag an der Börse wieder zu zulassen. Die waren jetzt seit August 2015 vom Markt ausgeschlossen und die übrigen Anleger hatten nun Panik. Die Trading-stopps gibt es übrigens auch zb an der CH-Börse für einzelne Titel. Oder kompletter stopp auch an der NYSE bei minus 20% ... Ist komplett falsch von den Medien dies auf den Einkaufsmanager zurückzuführen. Dies ist nicht der Grund.

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