Berufswahl

16. Februar 2019 19:56; Akt: 16.02.2019 19:56 Print

Die Hälfte der Lehrstellen ist noch offen

von Dorothea Vollenweider - Von über 42'000 online ausgeschriebenen Lehrstellen ist knapp die Hälfte immer noch nicht besetzt. Alle Branchen sind betroffen.

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Im Oktober 2018 wurden insgesamt 42'309 Lehrstellen online ausgeschrieben. Davon ist laut der Lehrstellenbörse Yousty.ch knapp die Hälfte noch unbesetzt, obwohl die Rekrutierung der Lehrbetriebe auf Hochtouren läuft. Am meisten offene Lehrstellen gibt es derzeit im Detailhandel: Gesucht werden noch 1185 Detailhandelsfachmänner und -frauen Beratung, 422 Detailhandelsassistenten und 354 Detailhandelsfachmänner und -frauen Bewirtschaftung. Die freien Lehrstellen ziehen sich aber durch alle Branchen. So sind beispielsweise im Lehrberuf Kaufmann/-frau mit erweiterter Grundbildung (Profil E) (beliebtester Lehrberuf 2017) von den anfangs 5228 ausgeschriebenen Lehrstellen noch immer 1376 offen. Dabei war es 2017 noch der beliebteste Lehrberuf. Zwar ist es noch etwas früh für eine Analyse, aber die klassischen KV-Berufe wurden laut Corinna Cordes, Digital Marketing Manager bei Yousty, bereits rekrutiert. «Das Image der früher so beliebten KV-Lehre geriet in den letzten Jahren ins Wanken», sagt sie. Bei der Berufslehre zum Elektroinstallateur sind derzeit laut Yousty noch 679 Lehrstellen offen. Dazu kommen 282 offene Lehrstellen als Montage-Elektriker. Für den Lehrberuf Koch werden derzeit 563 Lehrlinge gesucht. Coiffeusen können noch zwischen 488 Lehrstellen wählen. Bei den Sanitärinstallateuren gibt es noch 362 offene Lehrstellen. Wer sich für eine Lehre als Restaurantfachfrau interessiert, findet derzeit noch 351 offene Stellen. Bei den Maurern gibt es noch 332 offene Lehrstellen. Gärtnerbetriebe suchen derzeit noch 310 Lehrlinge. Schreinerlehrlinge werden derzeit 292 gesucht. Bei den Polymechanikern sind noch 284 Lehrstellen offen. Bei den Logistikern gibt es noch 268 offene Lehrstellen. Spenglerbetriebe haben noch 248 offene Lehrstellen ausgeschrieben. Zudem werden derzeit noch 246 Automobilfachmänner gesucht. Es werden zudem noch 228 Fachmänner und -frauen Betriebsunterhalt gesucht. Malerlehrstellen gibt es derzeit laut Yousty noch 227. Zudem sind noch 220 Lehrstellen als Landwirt offen.

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Im Oktober 2018 wurden insgesamt 42’309 Lehrstellen online ausgeschrieben. Davon ist knapp die Hälfte noch unbesetzt, obwohl die Rekrutierung der Lehrbetriebe auf Hochtouren läuft. Die freien Lehrstellen ziehen sich durch alle Branchen (siehe Bildstrecke), wie die Lehrstellenbörse Yousty in einer Mitteilung schreibt.

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«Grund dafür ist sicherlich der demografische Wandel», sagt Urs Casty, Inhaber und Geschäftsführer von Yousty. Dies werde sich in den nächsten Jahren schleichend ändern. Es liege aber auch daran, dass viele Schüler zu sehr auf dem Wunschberuf beharren würden und keinen Plan B hätten. «Dazu kommt ein Trend zur Akademisierung», so Casty.

Die KV-Lehre verliert an Beliebtheit

Bei den KV-Lehrstellen mit einem eidgenössischen Fähigkeitszeugnis (EFZ) und erweiterter Grundbildung (Profil E) sind von den anfangs 5228 ausgeschriebenen Lehrstellen beispielsweise noch immer 1376 offen, obwohl es 2017 noch der beliebteste Lehrberuf war. Zwar sei es noch etwas früh für eine Analyse, aber die klassischen KV-Berufe wurden laut Casty bereits rekrutiert. Das KV büsse unter anderem wegen seiner hohen Anforderungen an Bewerbungen ein.

«Das Image der früher so beliebten KV-Lehre geriet in den letzten Jahren zudem ins Wanken», sagt Casty. Die zunehmende Automatisierung verunsichere die Eltern und die Jugendlichen. Eine Studie der Universität Oxford besagt, dass KV-Jobs mit einer Wahrscheinlichkeit von 96 Prozent in den nächsten 20 Jahren automatisiert werden. Kommt dazu, dass sich Jugendliche zunehmend statt fürs KV für Berufe wie Mediamatiker (siehe Box) oder Informatiker entscheiden.

KV-Verband widerspricht

Katrin Frei vom Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) will die aktuellen Zahlen derzeit nicht deuten: «Die Lehrstellensuche ist noch im Gang», sagt sie. Es sei noch zu früh, um einen Trend festzustellen.

Laut dem Kaufmännischen Verband Schweiz decken sich die Aussagen von Yousty nicht mit den eigenen Ergebnissen. «Für uns haben die Zahlen, die im August vom SBFI publiziert werden, die grössere Relevanz», sagt Sprecherin Emily Unser. Gemäss diesen liegt die Besetzungsrate der Lehrstellen im kaufmännischen Bereich seit mehreren Jahren immer bei 98 bis 99 Prozent.

Trends der Lehrstellensuchenden

Ein neues Tool von Yousty.ch soll Jugendliche bei der Berufswahl unterstützen. Der sogenannte Berufs-Finder wurde seit seiner Lancierung im Oktober 2018 über 26’000-mal durchgeführt. Eine Analyse dieser Antworten hat ergeben, dass der Lehrberuf Hotelfachfrau am häufigsten als passendster Beruf angezeigt wurde. Auf Platz zwei und drei folgen Fachfrau Betreuung und Tierpflegerin. Die KV-Lehre, ewiger Spitzenreiter der beliebtesten Lehrberufe, erscheint erst auf der 26. Position.

Überangebot besteht seit 2011

War der Mangel an Lehrstellen 2010 noch ein grosses Thema, so übertrifft das Angebot seit 2011 die Nachfrage. Eine Trendwende ist laut Yousty erst ab dem Jahr 2022 zu erwarten, da dann die Wirkungen des demografischen Wandels einsetzen und wieder mehr junge Menschen auf der Suche nach einer Lehre sein werden.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Marvin Lanz am 16.02.2019 20:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zu viele Akademiker

    Tja wenn slle nur noch Studieren wollen.... Bald gibt es nur noch Akademiker und keinen mehr der Arbeitet. Man sollte halt die Berufe fur die es eine Lehre benötigt attraktiver machen, mehr lohn nach der Lehre. Es ist schon bedenklich, dass jemand der nie gearbeitet hat, bis mitte Ende 20 nur in der Schule war dann in die Arbeitswelt geschmissen wird und keine Ahnung hat. Dennoch aber einiges mehr an gehalt erhält wie jemand der seit dem 16. lebensjahr arbeitet.

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  • Max Doe am 16.02.2019 20:10 Report Diesen Beitrag melden

    Millennials

    tbh, Millennials haben doch anderes im Sinn. "Influencer, YouTuber, Streamer, Model oder sonst ein Superstar" werden. Handwerk hat Goldenen Boden, dies mag so sein aber sich die Finger schmutzig zu machen, nee das ist nicht mehr gefragt. Bitter aber wahr. Sei es drum.

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  • XC 90 am 16.02.2019 20:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ironie

    Leider muss man bei all diesen Berufen arbeiten und zum Teil gibt's schmutzige Hände. Ein Studium kann ja von Mami und Papi finanziert werden. (Ironie off)

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Die neusten Leser-Kommentare

  • M.G. am 21.02.2019 19:07 Report Diesen Beitrag melden

    Hitec-Industrie für den Export

    Politik gezielt die Ansiedlung von Firmen die schnell sehr viele Steuern generieren. Das sind vor allem Finanzdienstleister und Hitec-Firmen. So bieten diese Unternehmen die attraktivsten weil best bezahlten Arbeisplätze. Diese Arbeiten setzten aber einen akademischen Abschluss voraus. Es ist wie in der Wirtschaft selber, der Planungshorizont geht maximal bis zum Ende der aktuellen Legislaturperiode, langfristige Planungen sind nicht mehr gefragt. So sorgt sich kaum jemand für Handwerk und KMUs. Das führt zu einseitigen Abhängigkeiten, Monostrukturen und sozialen Spannungen.

  • Ihre Dudeigkeit am 20.02.2019 09:41 Report Diesen Beitrag melden

    handwerk hat goldenen Boden

    Handwerk hat goldenen Boden und wenn ihr weiter macht, solltet ihr das via Berufsmatura und FH, oder HF und dann FH gehen. Ein weiterer Vorteil dieses Weges: ihr habt die praktischen Grundkenntnisse und baut auf diesem das theoretische auf... wenn ihr so zu Eurem Bachelor / Master kommt seid ihr geeigneter als die klassischen Uniabgänger.

  • Bunny am 20.02.2019 06:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Leistung

    Wer will schon etwas leisten? Lieber liegt man anderen auf der Tasche und macht sich ein schönes Leben. Die Anforderungen sind nicht gestiegen, aber die Fähigkeiten der Schulabgänger gewaltig gesunken. Und der Trend in unserer Bildung geht weiter nach unten. Es ist manchmal erschreckend wie wenig die Jugendlichen wissen. Aber natürlich ist unsere Gesellschaft Schuld daran, dass ein Lehrabgänger zu wenig verdient. Verglichen wird immer mit irgendeinem Popsternchen, dass Millionen scheffelt. Noch können die Jungen von der Leistung ihrer Eltern und Grosseltern profitieren.

    • Robin am 24.02.2019 06:20 Report Diesen Beitrag melden

      Dir Jugend von heute

      Das jugendliche Menschen heute weniger wissen, halte ich für nicht richtig. Sie wissen einfach andere Dinge, weil die Welt in der sie leben eine andere geworden ist. Viele der Kommentare hier klingen irgendwie sehr frustriert, frei nach dem Motto, die Jugend von heute..... überlegt mal selber was die Generation von euren Eltern über euch dachte, bevor ihr so hart mit den Jungen ins Gericht geht.

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  • Royda am 19.02.2019 12:08 Report Diesen Beitrag melden

    Social-Media ist ''schuld''

    Im Internet wimmelt es ja nur noch von selbsternannten Influencer, Soundcloud-Rappers, Instagram-Models, Youtuber, Bachelor bzw. DSDS-KandidatInnen usw. Fast jeder will nur noch berühmt werden, und den ''amerikanischen'' Lifestyle nachahmen. Ich finde es etwas schade. Klar, kann man sich mithilfe von Social-Media eine Karriere aufbauen, aber nichts ist garantiert. Habt ihr diesen Social-Media Wandel auch beobachtet? Wer möchte mit mir darüber diskutieren, ich habe Zeit. Wie der Name ''Influencer'' schon sagt, beinflussen sie einen Teil der Jugend, positiv und negativ.

  • ex dontx am 19.02.2019 07:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    no system

    Jeder geht studieren, wer will schon Lehre machen wo man zu wenig Geld bekommt zum überleben.