Los Angeles

23. November 2010 10:35; Akt: 23.11.2010 10:47 Print

Die Hauptstadt der Obdachlosen

Die Wirtschaftskrise hat in Los Angeles das chronische Problem der Obdachlosigkeit zusätzlich verschärft. Jetzt soll das Übel mit einem neuen Ansatz endgültig beseitigt werden.

In Los Angeles verbringen Zehntausende die Nächte im Freien. Quelle: al Jazeera
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48 000 Menschen im Grossraum Los Angeles gelten als obdachlos – mehr als in jeder anderen Stadt der USA. Der Missstand ist überall augenfällig, in Downtown ebenso wie in eleganten Küstenquartieren. Es ist ein verarmtes, ungesundes und oft brutales Leben. Ein Obdachloser, der nicht namentlich genannt werden wollte, sagte gegenüber «Al Jazeera»: «Niemand will auf der Strasse leben. Gebt uns ein Dach über dem Kopf und niemand wird mehr Leute sehen, die auf einer Bank übernachten und die ganze Zeit Gepäck mit sich herumtragen.»

Die Handelskammer von Los Angeles und die Wohltätigkeitsorganisation «United Way of Greater Los Angeles» haben eine Taskforce gebildet mit dem ambitionierten Ziel, die chronische Obdachlosigkeit in der Stadt in nur fünf Jahren auszumerzen. Einer ihrer Vorsitzenden, der Anwalt Jerry Neuman, erklärte in einem Gastbeitrag im «Los Angeles Business Journal», wie ihr Ansatz funktioniert.

Minderheit bindet Ressourcen

Zunächst hatte die Taskforce eine Kosten-Nutzen-Analyse durchgeführt, die Erstaunliches zu Tage förderte: Ein Viertel der Obdachlosen absorbiert drei Viertel der gesamten Hilfsgelder. Es handelt sich um Langzeitobdachlose, die auf der Notfallaufnahme hohe Gesundheitskosten verursachen, oft drogenabhängig sind und die Ressourcen verschiedener sowohl staatlicher als auch nicht-staatlicher Einrichtungen binden.

Der Plan sieht vor, dass zunächst dieser harte Kern eine Wohnung zugewiesen bekommt. Vor Ort erhalten sie zudem Unterstützung bei Alkoholsucht, Drogenabhängigkeit und psychischen Störungen. Das würde Mittel für Menschen freisetzen, die vorübergehend obdachlos geworden sind, weil sie etwa ihren Job verloren haben. «Wir müssen jenen Leute zuerst helfen, die das System am meisten kosten. So sparen wir Geld, das wir für andere Bedürftige einsetzen können», sagt Neuman gegenüber «Al Jazeera».

Die Taskforce betont, dass die Reduzierung von Obdachlosigkeit kein unrealistischer Traum ist und verweist auf ähnliche Projekte in Denver, Philadelphia und London. Die grösste Herausforderung dürfte darin bestehen, staatliche Behörden, Nonprofit- und Wohltätigkeitsorganisation ins Boot zu holen und zu koordinieren. Geld ist an sich genug da. Los Angeles gibt jedes Jahr Milliarden für Obdachlosenhilfe aus.

(kri)