Fusion

10. Februar 2011 08:39; Akt: 10.02.2011 12:46 Print

Die Mega-Börse wird Realität

Die Deutsche Börse und die New Yorker Börse NYSE planen den Zusammenschluss. Sie könnten damit eine Kettenreaktion auslösen.

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2008 und 2009 waren die Fusionspläne gescheitert. Jetzt machen die Deutsche und die New Yorker Börse NYSE (New York Stock Exchange Euronext) aber offenbar tatsächlich Ernst: Sie wollen sich zur weltweit grössten Börse zusammenschliessen. Der Aktienhandel soll vorwiegend in New York stattfinden, in Frankfurt würde das Derivategeschäft, der Handel mit Finanzprodukten wie etwa Optionen, abgewickelt. Rechtlicher Sitz des neuen Börsen-Giganten soll Amsterdam werden.

Dass das Geheimnis bereits jetzt gelüftet wurde, ist nicht ganz freiwillig passiert. Die Fusionsverhandlungen wurden unter strengsten Geheimhaltungsmassnahmen von der Öffentlichkeit ferngehalten. Als dann aber in den Bürohallen von Manhattan und Frankfurt doch die Gerüchteküche zu brodeln begann, gingen die Verantwortlichen in die Offensive. Man wolle fusionieren, hiess es in gleichlautenden Mitteilungen aus Deutschland und den USA, aber noch seien man erst am verhandeln.

Fall für die Wettbewerbskommission

Falls die Übereinkunft zu Stande kommt, müssen erst noch die Wettbewerbskommissionen den Fall beurteilen. Sicher ist aber bereits jetzt, dass der globale Trend zum Zusammenschluss auch die Börsenwelt erreicht hat. Erst gestern kommunizierten Toronto und London ihren Willen zum Zusammenschluss und bestätigten damit die Visionäre, die nur grossen Börsen auf dem immer härter umkämpften globalen Markt eine Überlebenschance einräumen. Kostendruck und Profitmargen sind enorm. Die Deutsche Börse versucht deshalb seit Jahren, sich einen grossen Partner zu angeln. 2000 scheiterte die Übernahme der Londoner Börse, vier Jahre später ein zweiter Versuch.

Analysten rechnen jetzt mit einer Kettenreaktion. «Der nächste logische Schritt wäre eine Fusion der US-Technologiebörse Nasdaq, der Terminbörse CME beziehungsweise der Intercontinental Exchange (ICE) mit der Optionsbörse CBOE», zitiert die Financial Times Deutschland einen Analysten.

Aktien beflügelt

Anleger haben am Donnerstag positiv auf die Fusionspläne reagiert. Die Papiere des Frankfurter Börsenbetreibers schossen bis zu 8,8 Prozent in die Höhe. In Paris stiegen die Titel von Nyse Euronext in der Spitze um 9,4 Prozent.

In beiden Fällen lagen die Aktienumsätze der ersten Handelsstunden ein Vielfaches über dem Durchschnitt. Am Mittwoch hatten die US-Papiere der Nyse bereits 14 Prozent zugelegt.

(aeg)