Im Vergleich zum Lohn

18. Juli 2014 08:26; Akt: 18.07.2014 09:01 Print

Die Mieten sind gar nicht so hoch, wie alle meinen

von Yves Hollenstein - Obwohl die Mieten in den letzten Jahren stetig stiegen, zahlen wir nicht mehr fürs Wohnen als früher. Angepasst an die Löhne sanken die Mieten sogar, rechnet Avenir Suisse vor.

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In den letzten 25 Jahren kannten die Mietpreise in der Schweiz nur eine Richtung – diejenige nach oben. Der Mietpreisindex des Bundesamts für Statistik kletterte von 59,1 Punkten im Jahr 1989 auf aktuell 102,8 Punkte. Das ist ein Plus von rund 60 Prozent.

Die Schweizer haben also allen Grund zu jammern, wenn sie Ende Monat jeweils den Mietzins zu entrichten haben. Dass dies jedoch nur die halbe Wahrheit ist, zeigen Berechnungen der Denkfabrik Avenir Suisse. «Natürlich sind die Mietpreise in den letzten Jahren massiv gestiegen», sagt Avenir-Suisse-Ökonom Marco Salvi zu 20 Minuten. Doch heute sind auch die Löhne höher.

In relativen Zahlen haben wir also etwa gleich viel Geld zum Wohnen zur Verfügung wie früher. Ganz anders als in Grossbritannien oder Frankreich, wo die Mietpreise im Vergleich zu den Löhnen in den letzten Jahren massiv anzogen. Langfristig gesehen wohnen von den Nachbarländern nur die Deutschen günstiger als die Schweizer.

Höhere Ausgaben fürs Wohnen

Gemäss den Berechnungen von Avenir Suisse geben wir etwa 20 Prozent unserer Konsumausgaben für Mieten aus. «In den letzten 100 Jahren war das immer etwa gleich viel», so Salvi. Das heisst: Ist mehr Einkommen vorhanden, steigen auch die Ausgaben für Mieten.

Das bestätigt auch CS-Immobilienspezialist Fredy Hasenmaile. Der Experte untersuchte dafür den Zeitraum von 1977 bis 2014. In dieser Zeitspanne seien die Mieten jährlich um 2,58 Prozent gestiegen, die Löhne hätten zur gleichen Zeit aber um 3,2 Prozent pro Jahr zugelegt. «Wir sind wohlhabender geworden und können aus dem höheren Einkommen auch den real teurer gewordenen Wohnraum bezahlen», bilanziert Hasenmaile.

Doch nicht nur das: Glaubt man dem Immo-Monitoring der Beratungsfirma Wüest & Partner, verursachen viele Mietwohnungen weniger Kosten als eine Eigentumswohnung (siehe Bildstrecke). Vor allen in den Ballungszentren wie Zürich, Zug oder Genf sind Mieter gegenüber Eigentümern vielfach im Vorteil, weil dort Wohneigentum trotz tiefer Zinsen sehr teuer geworden ist.

Problem Anfangsmiete

Insgesamt bezeichnet Hasenmaile die hohen Mietpreise auch als Problem des sogenannten Swiss Finish. «Die Qualität vieler angebotener Mietwohnungen hat nahezu Eigenheim-Standard», so der Experte zu 20 Minuten. Dagegen fehlt günstiger neuer Wohnraum. Die Schweizer Mieter hätten in der Regel nur die Wahl zwischen einer günstigeren, aber alten oder einer teureren und neuen Mietvariante.

Das stimme zwar, heisst es von Seiten des Schweizerischen Mieterverbands SMV, doch das gravierende Problem bei den Mieten seien die inzwischen horrend hohen Anfangsmieten – also die Preise für Neuvermietungen. Das mache vor allem Personen mit unterem oder mittlerem Einkommen zu schaffen. «Diese haben grosse Mühe, ein für sie bezahlbares Mietobjekt zu finden», sagt Pierre Zwahlen, der stellvertretende SMV-Generalsekretär zu 20 Minuten.

Ausgewählte Leser-Kommentare

Hört doch mal auf in der Vergangenheit zu Leben.. Vor 20Jahren war dies besser, vor 10 das, vor 15 jenes. Und jetzt? Das kommt nicht mehr! Wenn wir alles noch so hätten wie früher müsstet Ihr in den Wald schei... und täglich Kühe melken. Heute gehts uns weitestgehend gut. Und so wie es ist, hat jeder einzelne dafür gesogrt, sei es bei Abstimmungen oder bei Wahlen. Problem ist, man wird zu alt und die Beschäftigung scheint zu fehlen. Bin kein Grossverdiener oder Vermögender, aber glücklich mit dem was ich habe und das ich mir nicht erst ein Loch zum ka... graben muss. – Thomas Windisch

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • roger mafli am 18.07.2014 09:38 Report Diesen Beitrag melden

    Brüll ... Wieher ...

    ... "die Löhne" sind um 3,2% gestiegen. Das nützt dem Hans und der Emmi natürlich extrem wenn sich die Top-Kader ihre Löhne um Millionen erhöhen und damit den Schnitt anheben. Bei uns verdienen heute Teamleiter weniger als vor 10 ein Mitarbeiter. Diese weltfremden Phantasten bei Avenir Suisse sind schlicht oberpeinlich.

  • cesima am 18.07.2014 09:16 Report Diesen Beitrag melden

    @Herr Hollenstein.....

    in welcher Realität leben Sie? Nicht in der Unseren offensichtlich. Wenn Sie sagen, dass die Löhne stetig steigen, dann sind Sie einer der Wenigen, die Lohnerhöhungen erhalten haben. Seit 2009 habe ich keine Lohnerhöhung gesehen, davor war ich über 9 Monate arbeitslos weil ich zu den Finanzkrise Angestellten gehörte, die nach 21 Jahren entlassen wurden. Und bei Neuantritt musste ich eine Einbusse von über 10% in Kauf nehmen. Aber das Leben wird immer teurer, auch die Wohnungen. Ihre Recherche ist also völlig bei den Haaren herbeigezogen und absolut nicht dem Leben angepasst.

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  • rolf mündig am 18.07.2014 09:33 Report Diesen Beitrag melden

    AVENIR SUISSE

    Es gibt für mich gewisse Reizbegriffe, wie z.B. FINMA oder auch Bankiervereinigung....und dazu gehört ganz sicher auch AVENIR SUISSE

Die neusten Leser-Kommentare

  • Pinocchio am 23.07.2014 16:58 Report Diesen Beitrag melden

    Traumwelten

    OK, Jonen AG, 3Zi Wohnung 1995 720.- inkl. Heute, nicht renoviert 2100.- 6x Mieterwechsel. Jedesmal Ortsübliche Mietzinsanpassung. Ah, ja, ein Autobahnanschluss ist dazu gekommen, sonst nichts

  • EAT THE RITCH am 19.07.2014 15:52 Report Diesen Beitrag melden

    Lohnerhöhung?

    Ich habe nicht einmal den Teuerungsausgleich erhalten!

    • W.S, am 22.07.2014 07:03 Report Diesen Beitrag melden

      Und...

      wie steht um die AHV-Rente?

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  • Max Muster am 19.07.2014 08:16 Report Diesen Beitrag melden

    Hahaha

    Mietpreise von 59.1 auf 102.8 = +60%??? Das sind eher +ca. 75% -->Ich schätze Avenir Suisse rechnet dies mit 60%, wenn man es ein bisschen dreht und noch etwas Wohn- und Essensgeld zum Lohn dazuzählt passt's kommt man da wohl auch auf 60% Lohnerhöhung? Ich freue mich schon auf meinen 40. Geburtstag, wenn ich dann auch 75% mehr verdiene.

  • Sibylle am 19.07.2014 05:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ja,ja

    Es gibt auch Menschen deren IQ ist die letzten paar Jahre auch nicht mehr gestiegen,sonst würde man hier nicht so unrealistische Kommentare lesen. Die Mieten sind zu hoch und das kann man nicht wegdiskutieren.

  • Armando am 19.07.2014 00:04 Report Diesen Beitrag melden

    Schindluder-Journalismus

    Das ist ja Schindluder, was Sie hier betreiben. Wir wohnen in einer 4-Zi-Eigentumswohnung und bezahlen pro Monat Fr. 673.--, inkl. NK. Eine vergleichbare Mietwohnung kostet hier mind. Fr. 1800.--, ohne NK.

    • Ueli K. am 19.07.2014 12:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Unterbewertet

      Wo wohnen sie? .. Wuerde gerne das haus kaufen :)

    • Jacky M. am 22.07.2014 13:36 Report Diesen Beitrag melden

      @ Ueli K.

      Du kannst das Haus nicht kaufen. Allerhöchstens eine der Wohnungen, wenn der Eigentümer verkaufen will. Erkundige dich mal über das Stockwerkeigentum.

    • Miau am 23.07.2014 01:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Eigenmietwert

      Ich denke in dieser Kalkulation ist der eigenmietwert nicht berücksichtigt

    • f meier am 23.07.2014 07:49 Report Diesen Beitrag melden

      nicht Aussagekräftig

      Allein mit dieser Information kann man ja noch nicht viel anfangen. Da sich die Statistik auf aktuelle Marktwerte bezieht, müsste man zumindest noch wissen, wann Sie die Wohnung gekauft haben und wie viel eine vergleichbare Wohnung heute kosten würde, ob Sie noch Amortisationen leisten müssen oder ob Sie den Eigenmietwert eingerechnet haben. Vielleicht haben Sie ja auch einfach ein Schnäppchen gefunden, was nicht heissen muss, dass dies die Regel ist.

    • Pinocchio am 23.07.2014 17:02 Report Diesen Beitrag melden

      Milchmädchenrechnung, mehr nicht

      Das ist eine 1Monatige floating Hypo ohne NK und Amo, Unterhalt etc. Milchmädchenrechnung, mehr nicht

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