Umstrittene Süssigkeit

01. September 2018 07:10; Akt: 02.09.2018 11:12 Print

Die Migros traut sich, «Mohrenkopf» zu sagen

Bei der Migros Zürich gibt es die «Mohrenköpfe» der Firma Dubler – trotz der Debatte, die das Produkt ausgelöst hatte.

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Ein Leser-Reporter hat die Dubler-Produkte im Migros-Shopvillemärt in Zürich entdeckt. Auf dem Schild steht: «Neu: Dubler Mohrenköpfe im 4 Pack». Um die «Mohrenköpfe» der Firma Dubler war vergangenen Herbst eine hitzige Debatte entbrannt. Laut dem Komitee gegen rassistische Süssigkeiten ist der Name Mohrenkopf eine für den Kopf einer dunkelhäutigen Person. Es wurde eine Petition gegen den Namen gestartet. , sagte Besitzer Robert Dubler im Interview mit 20 Minuten. Im Zusammenhang mit der Süssigkeit sei der Begriff nicht rassistisch, sonder sogar positiv besetzt. Eine Umbenennung des Produkts komme unter keinen Umständen infrage. Sein Vater habe im Jahr 1946 mit der Produktion angefangen. Die «Mohrenköpfe» hätten schon immer so geheissen. Laut Gülcan Akkaya, Vizepräsidentin der Eidgenössischen Kommission gegen Rassismus EKR, sein», sagt Akkaya. Celeste Ugochukwu, Präsident des afrikanischen Diaspora-Rates, dagegen befürwortet eine Namensänderung. Man solle dunkelhäutige Personen zwar nicht dauernd in die Opferrolle drängen, das habe ebenfalls etwas Rassistisches. Aber: Das gelte es zu vermeiden. Das Wort «Mohrenkopf» hat seinen Ursprung im althochdeutschen «mor», was die , das «maurisch» oder «afrikanisch» hiess. Auch die Muslime des mittelalterlichen Spaniens hiessen damals «moros», also Mauren. Im «Deutschen Wörterbuch» der Gebrüder Grimm wurde der Mohrenkopf 1885 erstmals als «Biskuitgebäck mit Schokoladenüberzug» erwähnt. Seit den 1940er-Jahren gibt es den «Mohrenkopf» auch in der Schweiz.

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Beim Begriff «Mohrenkopf» sind die Schweizer Detailhändler gern zurückhaltend. Die Süssigkeit mit dem schaumigen Kern heisst bei Coop Choco-Köpfli, das M-Budget-Produkt von Migros nennt sich Schaumkuss.

Um den Namen «Mohrenköpfe», den die Schweizer Firma Dubler seit jeher verwendet, war vergangenen Herbst eine hitzige Debatte entbrannt. Das «Komitee gegen rassistische Süssigkeiten» lancierte eine Petition mit dem Ziel, dass die Firma Dubler ihre «Mohrenköpfe» umbenennen soll.

Entdeckt am Zürcher Hauptbahnhof

Unbeeindruckt von der Debatte zeigt sich die Migros. Die Genossenschaft Zürich verkauft das Süssgebäck von Dubler. Ein Leser-Reporter hat sie am Freitag im Shopvillemärt am Zürcher Hauptbahnhof entdeckt. Über dem liebevoll hergerichteten Haufen goldener Dubler-Produkte prangt das Schild: «Neu – Dubler-Mohrenköpfe im 4er-Pack».

Neu ist aber nur, dass es die Süssigkeit im Viererpack gibt, erklärt Migros-Zürich-Sprecher Francesco Laratta auf Anfrage von 20 Minuten. Die Dubler-Produkte habe man im Shopvillemärt seit dem Winter 2015 im Sortiment.

«Die Fans fragten danach»

Der Shopvillemärt am Zürcher Hauptbahnhof war früher ein Marinello-Laden; die Migros Zürich hat ihn im Herbst 2015 übernommen. Unmittelbar nach der Übernahme beinhaltete das Sortiment keine «Mohrenköpfe».«Bei Marinello hatten die Dubler-Produkte aber eine grosse Fangemeinde, die im Shopvillemärt wiederholt danach fragte», so Laratta. Darum habe man sich dafür entschieden, die Produkte im Shopvillemärt wiedereinzuführen.

Mittlerweile ist das Süssgebäck nicht nur im Shopvillemärt, sondern auch in der Migros im Glattzentrum erhältlich, «auch hier infolge zahlreicher Kundenanfragen», erklärt Laratta.

Valora bleibt vorsichtig

Die Produkte von Dubler gibt es seit dem Frühling auch an den Kiosken von Valora. Auf den hauseigenen Werbemitteln verwendet das Unternehmen aber die Bezeichnung Schokoküsse.

(vb)

sentifi.com

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