Devisenkäufe

10. März 2011 10:57; Akt: 10.03.2011 11:21 Print

Die Nationalbank lobt sich selbst

von Balz Bruppacher - «Mit ihrer umsichtigen Politik trug die Nationalbank dazu bei, dass sich die Schweizer Wirtschaft erholte», schreibt die SNB in ihrem Bericht ans Parlament.

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Die Nationalbank bleibt dabei: Die umstrittenen Devisenkäufe vor einem Jahr seien nötig gewesen und hätten zur Erholung der Wirtschaft beigetragen. Für 144 Milliarden Franken kaufte die Schweizerische Nationalbank (SNB) im vergangenen Jahr Devisen, wie die Währungshüter in ihrem heute veröffentlichten Rechenschaftsbericht ans Parlament schreiben. Das stellt alle bisherigen Devisenmarktinterventionen in den Schatten und ist drei Mal mehr als im Jahre 2009 (47 Milliarden).

Zur Begründung dieser Käufe, die wegen der Aufwertung des Frankens zu einem Rekordverlust in der Jahresrechnung von 19,2 Milliarden Franken führten, verweist die Notenbank auf die starken Anspannungen auf den Finanzmärkten im Frühling 2010 wegen der eskalierenden Staatsschuldenkrise in Europa. Dieses Umfeld habe zu einer erneuten Flucht in sichere Anlagen geführt und einen erheblichen Aufwertungsdruck auf den Franken ausgelöst.

Keine Interventionen im 2. Halbjahr

«Eine rasche und übermässige Aufwertung des Frankens gegenüber dem Euro zu jenem Zeitpunkt hätte die schweizerische Volkswirtschaft nach Einschätzung der Nationalbank so stark belastet, dass sich die Gefahr einer deflationären Entwicklung ergeben hätte», heisst es im Bericht, und weiter: «Die Nationalbank wollte dieses Risiko nicht eingehen und entschied deshalb, in grossem Umfang Devisen zu erwerben.» Mitte Jahr sei das Deflationsrisiko weitgehend verschwunden, weshalb man in der zweiten Jahreshälfte keine weiteren Interventionen am Devisenmarkt mehr getätigt habe.

«Mit ihrer umsichtigen Politik trug die Nationalbank dazu bei, dass sich die Schweizer Wirtschaft erholte», schreibt die SNB weiter. Sie erinnert daran, dass das Bruttoinlandprodukt (BIP) im dritten Quartal wieder das Niveau vor der Krise erreicht habe.

Parlamentarisches Nachspiel

Auf die Kursverluste und die Folgen der aufgeblähten Bilanz geht die Nationalbank im Abschnitt über das Risikoprofil ein. Sie weist darauf hin, dass der Beitrag der Wechselkursrisiken zum Gesamtrisiko wegen des gestiegenen Devisenbestands markant zugenommen habe. Zudem habe sich der Anteil des Eigenkapitals an der Bilanzsumme verringert. «Die finanzielle Stressresistenz der Nationalbankbilanz ist somit nicht mehr im gleichen Ausmass gesichert wie früher», räumt die SNB ein und fügt hinzu:. «Dennoch verfügt die Nationalbank weiterhin über eine auch im Vergleich mit anderen Zentralbanken starke Eigenkapitalbasis.»

Der Rechenschaftsbericht der Nationalbank wird dem Parlament bloss zur Kenntnisnahme vorgelegt. Der Rekordverlust beziehungsweise die zu Grunde liegenden Devisenmarktinterventionen werden aber dennoch ein parlamentarisches Nachspiel haben. So hat die SVP diese Woche eine Motion eingereicht, mit der disziplinierende Aufsichtsregeln für die Nationalbank bei Währungskäufen angestrebt werden. Vorstösse wurden auch von linker Seite angekündigt.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • christoph hildebrand am 10.03.2011 11:46 Report Diesen Beitrag melden

    Totaler Realitätsverlust

    Nach Sistierung der Interventionen ist der Euro von 1.40 auf 1.24 gefallen, das sind 11.4% in 6 Monaten. Die SNB hat rund 100 mrd euro im Schnitt von ca 1.45, ergibt bewertet zum heutigen Kurs von 1.29 ein Minus von 16 Mrd. Dieses Eigenlob stinkt gewaltig und zeugt von totalem Realitätsverlust.

    einklappen einklappen
  • RL am 10.03.2011 13:29 Report Diesen Beitrag melden

    Selbst - Weihrauch - Bereucherung

    Das gesammte Gleichgewicht ist aus dem Ruder glaufen - und das ganze Banken-Poker-Spiel wird weiter geführt bis zum geht nicht mehr.

  • Kopf Teo am 10.03.2011 11:25 Report Diesen Beitrag melden

    Grössenwahn

    Statt sich selbst zu loben, sollte sich die SNB für die vergangenen Leistungen schämen. Stümperhaft, EUROS im grossen Stil einzukaufen, Grössenwahn.

Die neusten Leser-Kommentare

  • RL am 10.03.2011 13:29 Report Diesen Beitrag melden

    Selbst - Weihrauch - Bereucherung

    Das gesammte Gleichgewicht ist aus dem Ruder glaufen - und das ganze Banken-Poker-Spiel wird weiter geführt bis zum geht nicht mehr.

  • christoph hildebrand am 10.03.2011 11:46 Report Diesen Beitrag melden

    Totaler Realitätsverlust

    Nach Sistierung der Interventionen ist der Euro von 1.40 auf 1.24 gefallen, das sind 11.4% in 6 Monaten. Die SNB hat rund 100 mrd euro im Schnitt von ca 1.45, ergibt bewertet zum heutigen Kurs von 1.29 ein Minus von 16 Mrd. Dieses Eigenlob stinkt gewaltig und zeugt von totalem Realitätsverlust.

    • rico.bonetti@bluewin.ch am 10.03.2011 12:46 Report Diesen Beitrag melden

      SNB lobt sich selbst

      Dem kann ich nur zustimmen.Herr Hildebrand hat recht.

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  • Kopf Teo am 10.03.2011 11:25 Report Diesen Beitrag melden

    Grössenwahn

    Statt sich selbst zu loben, sollte sich die SNB für die vergangenen Leistungen schämen. Stümperhaft, EUROS im grossen Stil einzukaufen, Grössenwahn.