50 Jahre OECD

01. Oktober 2011 23:03; Akt: 02.10.2011 00:40 Print

Die OECD hat sich mit der Welt verändert

von Denis Düttmann, DAPD - Einst war sie für den Wiederaufbau im kriegszerstörten Europa verantwortlich, dann war sie Bollwerk des Westens im Kalten Krieg: Nun ist die OECD globale Vermittlerin.

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Château de la Muette ist der Hauptsitz der OECD. (Bild: OECD.org)

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An ihrem 50. Gründungstag sieht sich die Organisation für wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit (OECD) vielen Herausforderungen gegenüber. Die Zielsetzung der Organisation für Zusammenarbeit und Entwicklung hat sich im vergangenen halben Jahrhundert massgeblich gewandelt.

In ihrer Anfangsphase war die OECD für den Wiederaufbau der Wirtschaft im im Zweiten Weltkrieg zerstörten Europa verantwortlich. Heute versucht die OECD, die aufstrebenden Schwellenländer einzubinden und in einer globalisierten Wirtschaft für verbindliche Regeln zu sorgen.

«In den letzten fünf Dekaden hat die OECD global anerkannte Standards gesetzt und effektive Prozesse für ihre Umsetzung eingeführt», schreibt Generalsekretär Angel Gurría in einem Strategiepapier zum 50-jährigen Bestehen. Nun gelte es, sich den neuen Aufgaben zu stellen: Dazu gehöre die Zusammenarbeit mit Schwellen- und Entwicklungsländern sowie mehr Engagement im Umweltschutz.

Bollwerk des Westens im Kalten Krieg

Während des Kalten Kriegs trat die OECD für «westliches Wirtschaften» ein. Laut ihrer Konvention stand sie für freien Kapitalverkehr, Wachstum, offene Märkte, marktwirtschaftliche und demokratische Prinzipien.

Freilich nahm es die Organisation damals mit den hehren Prinzipien nicht allzu genau. In Griechenland, Spanien und Portugal regierten anfangs noch Militärdiktatoren und der internationale Handel war Beschränkungen unterworfen.

Ostblock bei Wende unterstützt

Mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion und der wirtschaftlichen Öffnung Chinas änderte sich der Fokus. Nun galt es, die Länder des ehemaligen Ostblocks in ihrem Transformationsprozess zu unterstützen.

Nach der Aufnahme von Mexiko 1994 und Südkorea 1996 trat die Strukturpolitik immer weiter in den Vordergrund. So trieb die OECD die Liberalisierung der internationalen Märkte voran. Heute engagiert sich die OECD verstärkt in der Bildungspolitik. Hierbei sind die PISA-Studien das wohl bekannteste Produkt.

Durch ein ständiges Vergleichen sollen Standards und Beispiele für «Best Practices» (beste Verfahren) festgelegt werden. So wurden Grundsätze entwickelt, wie - zusammen mit der UNO, der Weltbank und Nichtregierungsorganisationen - die Millenium-Ziele und das Prinzip, wonach Verursacher von Umweltverschmutzung für die Schäden aufkommen.

Wirtschaftsleistung sinkt

Nach einer ersten, europäischen, und einer zweiten, transatlantischen, Phase steht die OECD nun vor dem Übergang zu einer globalen Organisation. Die Gruppe der grössten Industrienationen, G8, hat die OECD zu ihrer Vermittlungsplattform mit den aufstrebenden Industrienationen gemacht. In dieser Funktion soll die OECD die Zusammenarbeit mit Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika verbessern.

Der wachsende Wohlstand in den Schwellenländern stellt den Vertretungsanspruch der OECD für die wichtigsten Wirtschaftsnationen infrage. Repräsentierten die OECD-Staaten 1995 noch 54 Prozent der globalen Wirtschaftsleistung, wird ihr Anteil Schätzungen zufolge bis 2020 auf 35 bis 40 Prozent zurückgehen.

Schwellenländer im Fokus

Will die OECD auch angesichts neuer Machtverhältnisse relevant bleiben, muss sie die Schwellenländer einbinden. Allerdings sind sich diese ihrer Macht bewusst und treten der OECD selbstbewusst entgegen.

Gerade die jüngsten Wirtschafts- und Finanzkrisen in Europa und den USA haben am Nimbus des «Clubs der Reichen» gekratzt. Zum 50- Jahr-Jubiläum hat sich die OECD deswegen ein straffes Programm verordnet.

Die Regierungen müssten das Vertrauen in die Märkte und Institutionen wiederherstellen, die Haushalte ausgleichen, «grünes Wachstum» unterstützen und den Bildungssektor fördern, heisst es im Strategiepapier.

Wandel durch Überzeugungsarbeit

Da die OECD keine bindenden Regeln erlassen oder grössere Finanztransfers anordnen kann, ist sie auf die Überzeugungskraft ihrer Analysen angewiesen. Sie muss sich den Anforderungen anpassen und Konzepte für moderne Volkswirtschaften in einer globalen Marktordnung entwickeln.

Dafür will sie auch ihren Blickwinkel ändern, von einem rein ökonomischen Selbstverständnis hin zu einem ganzheitlicheren Ansatz. «Um die Wirtschaft wieder anzukurbeln, brauchen wir neue Quellen für Wachstum - innovative und umweltfreundliche Arten des Konsums und der Produktion», sagt OECD-Generalsekretär Gurría. «Ein neues Wachstumsmodell für das 21. Jahrhundert erfordert eine starke soziale Dimension.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Stefanie R. am 01.10.2011 23:18 Report Diesen Beitrag melden

    OECD-"Richtlinien"

    Teilweise würde ich die OECD-Politik nicht als Vermittlung und Wachstums-Strategie demokratischer Volkswirtschaften bezeichnen. Gemäss Statuten sollte die OECD eigentlich einstimmig entscheiden. Aber schwupps war die Schweiz ungefragt auf einer "grauen Liste" der OECD. Ausserhalb unserer Grenzen nimmt die Entdemokratisierung schon groteske Züge an - nicht nur in der EU!!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Stefanie R. am 01.10.2011 23:18 Report Diesen Beitrag melden

    OECD-"Richtlinien"

    Teilweise würde ich die OECD-Politik nicht als Vermittlung und Wachstums-Strategie demokratischer Volkswirtschaften bezeichnen. Gemäss Statuten sollte die OECD eigentlich einstimmig entscheiden. Aber schwupps war die Schweiz ungefragt auf einer "grauen Liste" der OECD. Ausserhalb unserer Grenzen nimmt die Entdemokratisierung schon groteske Züge an - nicht nur in der EU!!