Drittprodukte dominieren

21. Mai 2015 15:49; Akt: 21.05.2015 15:56 Print

Die Post soll bei Kioskartikeln Mass halten

Die Post könnte künftig weniger Kioskartikel und andere Drittprodukte verkaufen dürfen. Dem Bundesrat ist die aktuelle Situation ein Dorn im Auge.

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Vom Notizblock bis zur Küchenmaschine: In Poststellen können Kunden heute allerlei Waren kaufen. (Bild: Keystone/Steffen Schmidt)

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Der Bundesrat will prüfen, ob und wie der Bund als Eigner erreichen kann, dass die Post beim Sortiment Mass hält. Er beantragt dem Parlament, ein entsprechendes Postulat anzunehmen.

Die Forderung kommt von der Kommission für Verkehr und Fernmeldewesen des Nationalrates (KVF). Die unternehmerische Freiheit der Post sei grundsätzlich zu begrüssen, hält diese in ihrem Vorstoss fest. Allerdings habe die Post die Grenzen nun gar weit gesetzt. In vielen Poststellen und im Onlineshop dominierten die Drittprodukte.

Ungeschultes Personal

Dies könne zu Marktverzerrungen führen, kritisiert die KVF, denn der grösste Teil der Drittprodukte werde auch von privaten Firmen verkauft. Ausserdem werde das Personal der Post zunehmend in Verkaufs- und Promotionssituationen gebracht, für welche es nicht hinreichend geschult sei.

Nach dem Willen der Kommission soll der Bundesrat insbesondere prüfen, ob er bei der Festlegung der strategischen Ziele für die Post auf eine Beschränkung hinwirken kann.

Rückgang im Kerngeschäft kompensieren

Der Bundesrat weist in seiner am Donnerstag veröffentlichten Antwort darauf hin, dass die Post fast 90 Prozent ihres Umsatzes im Wettbewerb erwirtschafte und die Grundversorgung eigenwirtschaftlich erbringen müsse. Das Poststellennetz weise ein jährliches Defizit von rund 100 Millionen Franken aus, gibt der Bundesrat zu bedenken.

Mit dem Verkauf von Drittprodukten könne die Post den Ertragsrückgang im Kerngeschäft zumindest teilweise kompensieren, Arbeitsplätze sichern und Tarifmassnahmen vermeiden. Trotzdem zeigt sich der Bundesrat bereit, den Prüfauftrag entgegen zu nehmen.

Post will Sortiment straffen

Die Post hat allerdings bereits auf die Kritik an ihrem Sortiment reagiert. Sie gab im April bekannt, sie wolle das Angebot von Drittprodukten straffen. Demnach sollen in Schalterräumen nur noch Artikel mit einem Bezug zur Post verkauft werden.

Im April hat die Post eine Testphase in insgesamt 20 Filialen in der Deutschschweiz und in der Romandie begonnen. Je nach Ergebnis wird das Sortiment landesweit angepasst. Zum künftigen Sortiment gehörten dann Behördendienstleistungen, Versicherungen, Produkte für die Telekommunikation sowie Bücher, Schreibwaren und Geschenkkarten. Entfernt würden hingegen Produkte aus der Sparte Heimelektronik, Spielzeug sowie Artikel fürs Auto und für den Haushalt.

Die Post verkauft seit über 14 Jahren Drittprodukte. 2014 erzielte sie mit den Kiosk-Artikeln einen Umsatz von 508 Millionen Franken. Das entspreche rund einem Drittel des Umsatzes in der Sparte Poststellen und Verkauf und sei eine wichtige Finanzierungsquelle für die Grundversorgung, argumentiert die Post.

(cho/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • der nette Herr von nebenan am 21.05.2015 16:06 Report Diesen Beitrag melden

    Neulich

    Neulich auf einer kleineren Poststelle, 1 von 4 Schalter geöffnet, angekündigte Wartezeit 4 Minuten. Die Angestellte der Post versucht einer älteren, der deutschen Sprache nur mässig mächtigen Dame eine gefühlte Ewigkeit ein Abo für Mobiltelefonie anzudrehen! Ich möchte einfach nur mein bereits frankiertes Paket abgeben...

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  • Daniel am 21.05.2015 16:51 Report Diesen Beitrag melden

    Verkaufsdruck weg

    Würden die Angestellten nicht unter Druck gesetzt um so viel wie möglich zu verkaufen wäre es noch eine Sache. Aber liebe Post lasst endlich die Angestellten die Postrelevante Arbeit erledigen. Das beinhaltet nicht den Verkauf eines WC Deckels!!

  • kleiner Ladeninhaber am 21.05.2015 17:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sauerei - unfairer Wettbewerb

    Die Schweizer Post ist ein Staatsunternehmen. Es kann doch nicht sein, dass ein Staatsbetrieb auf seinen zahlreichen, viel zu großen und von unseren Steuern finanzierten Flächen als Konkurrenz zu privaten Detailhändlern und KMUs auftritt. Die Schalter werden gering besetzt, dadurch gibt's lange Wartezeiten, die zum kaufen genutzt werden sollen. Sauerei.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Postlisi am 22.05.2015 17:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    mit der Zeit gehen

    jeder 2. hier verlangt dass die Post sich aufs Kerngeschäft konzentrieren soll..ja gern, wenn Ihr aufs Mail-schreiben verzichtet und wieder Briefe schreibt..von den wenigen heutigen Briefen lassen sich keine Löhne bezahlen! Die Konkurrenz beim Paketversand ist auch gross geworden. Die Zeit läuft halt vorwärts, da muss sich auch die Post anpassen!

    • Rene A.Meier am 22.05.2015 22:21 Report Diesen Beitrag melden

      So sicher nicht

      Ja, und ich komme wieder mit dem Pferd ins Geschäft. Das mit dem Gemischtwarenladen war sowieso keine glorreiche Idee. Früher oder später muss sowieso die Hälfte der Postfilialen geschlossen werden, damit die Rechnung wieder aufgeht. Ein Cafe in jeder Filiale wäre sowieso besser.

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  • fh am 22.05.2015 14:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Grossbetrieb vs. Kleingewerbe

    Es kann doch nicht angehen, dass ein halbstaatlicher Grossbetrieb in der ganzen Schweiz das lokale Kleingewerbe konkurrenziert! (Kioske, Papeterien, Buchhandel, Haushaltwaren, Telefonshops, usw.). Fehlt nur noch die eigene Imbissbude.

  • Rouge Nero am 22.05.2015 14:09 Report Diesen Beitrag melden

    Post besinne sich auf das Kerngeschäft!

    Die Post muss nicht Mass halten,sie soll den Plunder ausmisten und sich auf das Kerngeschäft besinnen,dann klappt es auch mit der Zustellung.Der Bäcker schneidet auch nicht die Haare seiner Kunden,Schuster bleib bei deinen Leisten! Am Schalter will ich auch nicht gefragt werden wegen einem Los,Abos oder sonstigem,das ist aufdringlich und nervt,danke habe fertig!

    • Briefeschreiber am 22.05.2015 14:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Brot und Brief sind nicht dasselbe...

      Der Bäcker darf aber meiner Meinung nach 3.- Fr. für ein Brot verlangen, während ich aber keinen Brief für mehr als 1.- Fr. zahlen würd...

    • Pitt Almeida am 22.05.2015 22:28 Report Diesen Beitrag melden

      In Basel ist die Zustellung katastrofal

      Ich bekomme meine Medikamente per Post. In 1 von 2 Fällen läutet der Pöstler nicht mehr, sondern legt mir direkt eine Abholungseinladung in den Briefkasten. Reklamieren zwecklos.

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  • Nico Meier am 22.05.2015 13:10 Report Diesen Beitrag melden

    Kerngeschäft

    Wenn ich in die Post gehe so will ich eine Dienstleistung der Post nutzen (Briefe oder Pakete versenden oder empfangen, Einschreiben aufgeben usw) und ich habe keine Lust von jeder Postfrau nach meinem Natel gefragt zu werden. Ich will nicht über mein Natelabosprechen weil ich damit zufrieden bin und es die lieben Pöstlerinnen auch absolut nichts angeht. Liebe Post bleib bei deinem Kerngeschäft und hör auf deine Angestellten zu zwingen andere Dinge zu verkaufen!

    • Hardy am 22.05.2015 13:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Richtig

      Seit über einer Woche suchen die ein von mir abgeschicktes Einschreibepaket. Letztes Tracking 13. Mai Sortierzentrum Frauenfeld - und seitdem wohl im Bermuda-Dreieck verschollen.

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  • Chris am 22.05.2015 11:53 Report Diesen Beitrag melden

    Service publique

    Post ist wichtig. Sonst hätte man es ja nicht verstaatlicht. Früher mal ein gutes Geschäft, ist es heute halt defizitär, aber das können Bund und Kantone decken. Das nutzt allen viel mehr als die Billag und SF.