Pilotversuch

09. April 2015 11:12; Akt: 09.04.2015 15:28 Print

Die Post will kein Kiosk mehr sein

von S. Spaeth - Die als Gemischtwarenladen kritisierte Post bereinigt ihr Sortiment. Sie mistet in einem Pilotprojekt auch Süssigkeiten aus. Hintergrund sind politische Vorstösse.

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Schluss mit dem Verkauf von Süssigkeiten, Hörgeräten oder Auto-Putzzeug: Das gilt ab sofort in einem Teil der Schweizer Poststellen. In einem bis Ende Sommer dauernden Pilotversuch an 20 Orten tritt die Post ab sofort mit einem um einen Fünftel reduzierten Sortiment an. Entfernt werden viele Artikel, die eine geringe Affinität zum Postbereich haben, wie Post-Sprecher Oliver Flüeler zu 20 Minuten sagt.

Die Kritik am Sortiment sei nicht spurlos an der Post vorbeigegangen, so Flüeler. Ausgemistet werden beispielsweise alle Süssigkeiten, Staubsauger, Artikel aus dem Bereich Automobil oder Hörgeräte.

Wichtiger Umsatzanteil

Erst nach der Auswertung des Pilotversuchs und Kundenbefragungen wird die Post definitiv über das Sortiment in der ganzen Schweiz entscheiden. Klar ist: Auch in Zukunft hält sie am Drittproduktgeschäft fest, da es einen positiven Einfluss auf die Auslastung der Poststellen und des Personals hat. Laut Geschäftsbericht ist der Umsatz der Post mit Drittprodukten im Jahr von rund 500 auf 508 Millionen Franken gestiegen. Der Gesamtumsatz der Poststellen lag 2014 bei 1,66 Milliarden Franken.

Drittprodukte hat die Schweizerische Post bereits seit dem Jahr 2000 im Sortiment. «Es geht darum, unsere Flächen sinnvoll zu nutzen», sagt Flüeler. Das Poststellennetz ist defizitär. Im letzten Jahr resultierte dort laut Flüeler ein Verlust von 100 Millionen Franken.

Furcht vor politischen Vorstössen

Hintergrund der Post-Pläne im Bereich der Drittprodukte ist auch die politische Situation. Aus Post-Kreisen verlautete, dass das Thema zuletzt mit eher negativen Auswirkungen für die Post diskutiert worden sei. Konkret geht es um zwei Vorstösse: Die Kommission für Verkehr und Fernmeldewesen des Nationalrats hat Ende März 2015 ein Postulat mit dem Titel «Massvolles Angebot an Drittprodukten durch die Schweizerische Post» eingereicht. Die Behandlung steht noch aus.

Zudem gibt es eine parlamentarische Initiative von SVP-Nationalrat Rudolf Joder. «Die Post soll sich auf ihren Unternehmenszweck konzentrieren und nicht immer mehr Krimskrams verkaufen», so der Titel des Vorstosses. Wie 20 Minuten aus Post-Kreisen weiss, hat das Unternehmen darum kürzlich ein Shop-in-Shop-Projekt mit einem namhaften Schweizer Nahrungsmittelhersteller sistiert.

Umsatz dürfte sinken

Kürzlich hatte Post-Chefin Susanne Ruoff in einem Interview mit 20 Minuten angekündigt, dass man dabei sei, das Sortiment zu überprüfen. Man brauche eine gewisse Fokussierung, so Ruoff. Eine Prognose, wie viel Umsatz die Post durch die Sortimentsanpassung einbüssen wird, will Post-Sprecher Flüeler nicht wagen. Laut Branchenkennern ist aber klar: Mit einem reduzierten Sortiment lässt sich die halbe Milliarde Umsatz nicht halten.

Den Kern des bereinigten Sortiments bilden Angebote wie Behördendienstleistungen, Versicherungen oder Produkte und Dienstleistungen aus dem Telekommunikationsbereich, wie die Post in ihrer Mitteilung schreibt. Ergänzend bleiben postaffine und etablierte Angebote wie beispielsweise Bücher, Papeterieartikel oder Geschenkkarten im Sortiment.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • manu am 09.04.2015 11:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    super!

    Endlich ich dachte schon die müssen bald auch noch kochen.

  • Pragmatiker am 09.04.2015 11:17 Report Diesen Beitrag melden

    ALLES muss weg!

    Nicht nur Süssigkeiten. Vor allem die Handyverträge, Versicherungen und alles was vieeeeel Zeit am Schalter benötigt.

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  • Naja am 09.04.2015 11:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Oje

    Sie würden sich lieber auf ihr Hauptdding konzentrieren, bessere Leistungen zu bieten und vorallem billiger zu werden und nicht immer teurer...

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Die neusten Leser-Kommentare

  • pingpong am 09.04.2015 22:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    handyverträge

    warum die handyverträge? wir machen das ha für swisscom und die anderen anbieter. damit die kunden nicht immer in den swisscomshop springen müssen. weil das braucht ja zeit. die hat der mensch leider heute ja nicht mehr. und post hat kein eigener habdyanbieter.

    • Stef Bühler am 09.04.2015 22:39 Report Diesen Beitrag melden

      nicht ganz

      Die Post ist wie die Swisscom: beide gehören dem Bund

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  • NM am 09.04.2015 20:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Post als Vorzeigemodell

    Wegen diesem "Ramsch" wartet niemand eine Ewigkeit. Man scannt und kassiert ein. Zeit kosten uns z.B. Auslandpakete (Kerngeschäft!!) Und wenn Ihr ein Problem mit euren zwängelnden Kinder habt dann müsste man an der Erziehung vlt etwas ändern?? Post + Drittprodukte oder keine Post und keine Drittprodukte. Eure wahl ;)

  • Postkunde am 09.04.2015 20:27 Report Diesen Beitrag melden

    Zurück zum Glück

    Die Post soll doch wieder verstaatlicht und an den Steuergeldtropf gehängt werden. In der freien Privatwirtschaft konkurrenziert sie ja eh nur die Gewerbebetriebe.

  • Frank Furt am 09.04.2015 20:20 Report Diesen Beitrag melden

    Aber ein schönes Päkchen haben sie nicht

    Ist schon schön, was sie sonst noch im Sortiment haben. Wollte mal für ein Geschenk eine schöne, versandtaugliche Schachtel erwerben. Nein, so was gibt es nicht. Bloss den gelben Karton, welcher bloss schön genug ist, um irgendwas einer Behörde zu schicken (à la: "Bitte schicken Sie uns alle Unterlagen zum Baugesuch"). Und sie haben auch keine anderen Etiketten als die Einheits-Etiketten, welche den Charme haben, dass sie höchstens für Reklamationssendungen taugen.

    • Lilu am 09.04.2015 22:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Genau!

      Stimmt absolut! Schreiben sie doch der Post ihre Vorschläge, ich bin gespannt as die antworten.

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  • Feldjaeger84 am 09.04.2015 20:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bitte den Artikel genau lesen...

    ... denn es geht nicht darum, dass sämtliche nichtpostalischen Artikel aus dem Sortiment fliegen. Es wird nach wie vor Drittprodukte geben UND das Personal wird die Kunden nach wie vor auf Handyabis oder PostFinance-Dienstleistungen ansprechen, denn das ist und bleibt ihr Job. Würde sich die Post CH AG nur noch auf Briefe, Pakete und Einzahlungen beschränken, gäbe es in einigen Jahren vielleicht noch 10 Poststellen pro Kanton. Und die Zustellung bis ins hinterste Täli würde würde defintiv der Vergangenheit gehören. Tja, wer austeilt muss die Konsequenzen akzeptieren.