Analyse

03. März 2011 09:12; Akt: 03.03.2011 09:34 Print

Die SNB, einer der grössten Hedgefunds

von Lukas Hässig - Die heute im Detail publizierten Zahlen der Nationalbank (SNB) fürs Jahr 2010 fördern das Bild eines riesigen Hedgefunds mit Spezialität Euro- und Dollar-Investments zutage.

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Starke Gewinnausschläge der SNB werden zum Courant normal. (Bild: Keystone)

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Die Währungsverluste der Schweizerischen Nationalbank (SNB) waren 2010 so gross, dass sie mit normalem Zahlenverstand fast nicht zu fassen sind. 32,7 Milliarden Franken betrug das Minus, das unsere Notenbank in 12 Monaten mit ihren Investments in Euro und anderen Devisen erlitt – das macht Tag für Tag 90 Millionen. Enorm.

Durch Einnahmen auf die Fremdwährungsanlagen reduzierte sich der Verlust auf knapp 27 Milliarden, mit Gold verdiente die SNB fast 6 Milliarden, und auch die Rettungsaktion der UBS vor zweieinhalb Jahren zahlt sich für die Bank mehr und mehr aus, 2010 resultierte ein Gewinn von 2,6 Milliarden. Kein Wunder, wünscht sich die UBS die einstigen Schrottpapiere zurück.

Das Eigenkapital schmilzt wie Schnee in der Juli-Sonne

Nichtsdestotrotz: Was bleibt, ist eine grosse Ernüchterung. Die Bilanz der einst für viele nahezu unbekannten Nationalbank, welche die Finanzwirtschaft in den guten Jahren still und stetig mit dem nötigen Flüssigen versorgt hatte, ist im vergangenen Jahr nochmals massiv angeschwollen. Per Ende Dezember betrug das Total aller Aktiven 274 Milliarden, ein Plus von 65 Milliarden. Gleichzeitig sackte das Eigenkapital um einen Drittel auf 44 Milliarden in die Tiefe.

Im Langfristvergleich beträgt die SNB-Bilanz gar rund das Dreifache des einstigen Normalmasses. Die Gründe sind bekannt. Die Schweizer Zentralbanker schossen in der grossen Krise aus allen Rohren, um die Banken zu stabilisieren und die Wirtschaft vor einem Sturz in eine Depression zu bewahren. Sie taten dies im Gleichklang mit den übrigen grossen Notenbanken der Welt.

Der Erfolg gibt der SNB und ihren Kollegen in den USA und in Euro-Land auf den ersten Blick recht. Die grossen Banken stehen heute nicht mehr vor einem unmittelbaren Kollaps, auch wenn in ihren Bilanzen immer noch grosse Altlasten schlummern, die wohl dereinst zu einem rechten Teil abgeschrieben werden müssen. Doch die Hilfe der Notenbanken schuf dringend benötigte Zeit.

SNB setzte alles auf eine Karte

Differenzierter muss die SNB beurteilt werden. Ihr Chef Philipp Hildebrand betont zwar zur Recht, dass die Schweiz wie auch das Ausland vor einer Extremsituation gestanden sei, in der ein unkontrollierter Kollaps gedroht habe. Die im allgemeinen Wirtschaftssystem schlummernden Risiken habe nun halt die Notenbank auf ihrer Bilanz. Deshalb die grosse Ausweitung.

Weniger gern lässt sich Hildebrand über die Devisenbestände aus. Lassen wir für einmal den Experten- und Stammtisch-Streit über Sinn und Unsinn der Euro-Interventionen auf der Seite, welche die SNB damit begründet, dass sie einen scharfen Frankenanstieg verhindern wollte, was ihr letztendlich nicht gelang. Diesbezüglich gilt wie in der Juristerei: 3 Anwälte, 4 Meinungen.

Für den Moment betrachten wir einfach den Bestand an Fremdwährungen in der Bilanz der SNB. Dieser lag Ende 2010 bei sagenhaften 204 Milliarden Franken, im Vergleich zum Vorjahr bedeutete dies ein Zuwachs um 109 Milliarden oder mehr als eine Verdoppelung. Es ist das mit Abstand grösste Investment unserer Notenbank.

SNB ist ein Big Hedgefund

Was bedeutet diese Position? Ganz einfach: Die SNB hat sich in einen der grössten Hedgefunds der Welt verwandelt. Ein Hedgefund ist ein Finanzvehikel, das im grossen Stil eine Wette auf ein bestimmtes Ereignis eingeht. Bekannt geworden sind in der Krise US-Hedgefunds, die auf einen Kollaps des amerikanischen Häusermarkts wetteten und Milliarden verdienten.

Gleich wie private Hedgefunds ist auch die helvetische Nationalbank nach ihren Devisenkäufen sehr einseitig investiert, und zwar hauptsächlich in Euro, auch in Dollar. Beides sind Währungen, die seit einiger Zeit gegenüber dem Franken unter starkem Abwertungsdruck stehen. Genau gesagt handelt es sich beim Euro um eine Frankenstärke, beim Dollar um eine Dollarschwäche.

Hedgefund SNB hat demnach seine Chips gelegt und kann nun nur hoffen, dass die Wette aufgeht, der Euro also wieder stärker und der Dollar seinen langjährigen Sinkflug nicht allzu stark fortsetzen wird. Sonst drohen auch in Zukunft grosse Verluste.

Starke Gewinnausschläge werden zum Courant normal

Die letzten Wochen haben gezeigt, dass der Euro nicht ins Bodenlose fällt. Bis Ende März, wenn das erste Quartal 2011 zu Ende geht, könnte die SNB gar einige Milliarden Währungsgewinne erzielen. Dann dürfte die öffentliche Diskussion um die Euro-Käufe an Emotionalität verlieren.

Doch das Kernproblem von Hedgefund SNB bleibt. Die Berge an Fremdwährungsbeständen werden nicht so schnell kleiner, das Währungsrisiko bleibt auf lange Zeit sehr gross. Der Bund und die Kantone als grosse SNB-Aktionäre müssen sich mit anhaltend starken Schwankungen beim SNB-Resultat anfreunden; so wie es halt zum Wesen eines richtigen Hedgefunds gehört.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Dieter S. am 03.03.2011 13:14 Report Diesen Beitrag melden

    Rettet eure Ersparnisse

    Wenn jemand behauptet, dass es nicht Aufgabe der Nationalbank ist, Gewinn zu erwirtschaften, dürfte die Aufgabe logischerweise sein, das von unseren Vätern und Grossvätern erarbeitet Volksvermögen zu vernichten. Dies ist beireits geschehen durch den Verkauf der Goldreserven. Vermutlich können die EURO und USD Positionen der SNB schlussendlich abgeschrieben werden. Das einzige Mittel die Ersparnisse zu retten, ist die Haltung von physischen Edelmetallen. Kauft Gold und Silber so lange es noch erhältlich ist!

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  • inot am 03.03.2011 12:48 Report Diesen Beitrag melden

    Schneeballsystem

    die sollen machen was sie wollen ich kauf einfach weiter Gold und Silber, dann kommt wenigsten für mich alles gut!

  • M. K. am 03.03.2011 11:31 Report Diesen Beitrag melden

    Objektivität?

    Vielleicht sollte sich der Verfasser des Artikels einmal den Beitrag der Konkurrenz ansehen, statt ins gleiche Horn wie die SVP zu stossen. Auch ist der Artikel mit der gleichen Oberflächlichkeit der SVP geschrieben, ohne dabei die Hintergründe zu verstehen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Gegen die Haftung der Steuerzahler am 03.03.2011 16:22 Report Diesen Beitrag melden

    Riskant

    Die gewinne sind Buchgewinne, welche nicht realisiert sind. Dies sowohl beim UBS Schrott als auch bei den Euro Anleihen. Noch ist nichts gewonnen und nichts verloren. Das Gefährliche am Ganzen ist jedoch, dass bei einer neuerlichen EUR Krise und zeitgleichem Wiederaufflamen der Immo-Krise die Schweiz als Ganzes schwer in Mitleidenschaft gezogen würde. Und was derart massive Interventionen und Bilanzausweitungen mit Preisstabilität zu tun haben, soll man mir mal erklären...

  • Anleiher am 03.03.2011 15:29 Report Diesen Beitrag melden

    Falsche Behauptungen

    Mann wird hier viel schrott geschrieben, ich handle selbst deutsche Staatsanleihen und kann unter anderem garantieren dass die SNB die Euro Anleihen nicht im 10 jährigen Bereich investiert. Und ja: Laut dem Gesetz ist die Preisstabilität das Ziel der Nationalbank und nicht Gewinnerwirtschaftung.

  • Dieter S. am 03.03.2011 13:14 Report Diesen Beitrag melden

    Rettet eure Ersparnisse

    Wenn jemand behauptet, dass es nicht Aufgabe der Nationalbank ist, Gewinn zu erwirtschaften, dürfte die Aufgabe logischerweise sein, das von unseren Vätern und Grossvätern erarbeitet Volksvermögen zu vernichten. Dies ist beireits geschehen durch den Verkauf der Goldreserven. Vermutlich können die EURO und USD Positionen der SNB schlussendlich abgeschrieben werden. Das einzige Mittel die Ersparnisse zu retten, ist die Haltung von physischen Edelmetallen. Kauft Gold und Silber so lange es noch erhältlich ist!

    • Hans am 03.03.2011 14:19 Report Diesen Beitrag melden

      @Dieter S.

      Sie machen es sich sehr einfach. Diese Aussage bedeutet, dass die SNB nicht zwingend gewinnorientiert arbeiten muss, wie alle anderen Unternehmen. Sie hat sehr viel wichtigere Aufgaben, die höhere Priorität geniessen.

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  • inot am 03.03.2011 12:48 Report Diesen Beitrag melden

    Schneeballsystem

    die sollen machen was sie wollen ich kauf einfach weiter Gold und Silber, dann kommt wenigsten für mich alles gut!

  • Martin Anliker am 03.03.2011 12:36 Report Diesen Beitrag melden

    Geldmenge

    Nun gut, der Franken wurde gegenüber dem Euro zu stark bzw. immer stärker. Unsere SNB hat jedoch nicht genügend Mittel, um dem Euro positive Impulse geben zu können, dieser ist schlichtweg zu gross. Das einzige war und ist, die Geldmenge in CHF zu erhöhen, was nicht zwingen den Euro als gegenpartei voraussetzt, sondern funktioniert auch z.B. bei AUD/CHF. Der AUD ist nämlich viel stabiler als der Euro bzw. nicht im Sinkflug... weshalb gerade EUR wo doch viele EURO Staaten am verlumpen sind... und blechen können dann wieder wir..