Nayla Hayek

09. März 2011 22:43; Akt: 10.03.2011 09:30 Print

Die Schweigsame im Swatch-Imperium

von Hans Peter Arnold - Nayla Hayek ist die einzige Frau an der Spitze eines Schweizer Grosskonzerns. Allerdings: Trotz glänzender Zahlen versteckt sie sich.

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Die Swatch Group segelt auf der Erfolgswelle: Sie weist für 2010 einen Rekordgewinn von 1,08 Milliarden Franken aus (+41,5 Prozent). Nach dem verheissungsvollen Start ins Jahr 2011 rechnet der Uhrenkonzern mit Sitz in Biel mit unverändert guten Aussichten. Dennoch hält sich die Präsidentin des Verwaltungsrates, Nayla Hayek, konsequent im Hintergrund. Dabei hatte der Aufstieg in den Olymp der Manager Mitte 2010 international für Schlagzeilen gesorgt. Die Frauen schöpften Hoffnung.

Doch seither ist es bemerkenswert ruhig geworden um die Tochter des verstorbenen Swatch-Gründers Nicolas Hayek. Sie tritt kaum in der Öffentlichkeit auf und gibt selten Interviews. Die Ernüchterung zeigt sich im Spiegel der Medien: In den vergangenen sechs Monaten erschienen in Schweizer Zeitungen und Zeitschriften nur gerade 22 persönliche Zitate der Swatch-Präsidentin. Ihr Bruder, Konzernchef Nick Hayek, wurde im gleichen Zeitraum 191-mal erwähnt. Ein weiterer Vergleich: Nestlé-Präsident Peter Brabeck brachte es auf 164 Nennungen.

Auch international kaum zitiert

In internationalen Medien ist die Swatch-Group-Präsidentin noch weniger präsent. In Google News wurde sie sechsmal, Brabeck 137-mal zitiert. Immerhin nimmt der Aktienkurs der Swatch Group, der nahe am Rekordhoch tendiert, keinen Schaden. «Der Aktienkurs wird vor ­allem durch die operative Tätigkeit ­getrieben. Und diese Leistung ist bei der Swatch Group ausgezeichnet», erklärt Patrik Lang, Leiter Aktien­analyse der Bank Julius Bär.

Béatrice Howald, Sprecherin der Swatch Group, entschuldigt das Schweigen Nayla Hayeks mit der «äusserst vollen Agenda der Präsidentin». Sie habe jedoch bereits verschiedene öffentliche Auftritte absolviert und weitere würden folgen. «Swatch-Group-Projekte haben ganz klar Priorität bei ihr.»

Folgen der Krise im arabischen Raum

Nayla Hayek ist mit dem arabischen Raum gut vernetzt. Die aktuellen Wirren in arabischen Staaten hätten bisher keinen nennenswerten negativen Einfluss auf das Geschäft mit Luxusuhren, sagt Patrik Lang. Wenn die Krise allerdings weiter eskaliere und beispielsweise auch Saudi-Arabien destabilisiert würde, dann könnte es zu einem Ölpreisschock kommen. Dies hätte gemäss Lang dann allerdings erhebliche negative Auswirkungen auf die Weltwirtschaft– mit entsprechenden Konsequenzen auf den Luxuskonsum. Lang: «Allerdings halten wir das für eher unwahrscheinlich. Bis zum heutigen Tage haben wir jedenfalls nichts gespürt.»