Aussenhandel

03. Februar 2011 08:29; Akt: 03.02.2011 19:49 Print

Die Schweiz trotzt dem starken Franken

von Balz Bruppacher - Die Schweizer Exporte haben sich 2010 trotz der Frankenhausse deutlich erholt. Der Aussenhandel blieb aber klar hinter dem Rekordjahr 2008 zurück.

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Die Uhrenindustrie konnte sich 2010 besonders gut halten. (Bild: Keystone)

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Die Exportindustrie hat sich letztes Jahr vom Absturz im Krisenjahr 2009 deutlich erholt. Der teure Franken hinterliess aber erste Spuren und drückte auf die Margen.

Steil nach oben zeigten die Ausfuhren der Uhren- und der Metallindustrie. Sie nahmen gemäss der Eidgenössischen Zollverwaltung im Vorjahresvergleich um mehr als einen Fünftel zu. Der Einbruch im Vorjahr konnte damit aber nicht vollständig kompensiert werden. Die Uhrenindustrie legte auch im Dezember ein Glanzergebnis hin, mit einer Zunahme der Exporte um 25,8 Prozent. Damit wurden die Erwartungen klar übertroffen.

Der gesamte Export erhöhte sich 2010 um 7,1 Prozent auf 193,3 Milliarden Franken. Teuerungsbereinigt machte die Zunahme 7,4 Prozent aus. Damit wurden aber die Resultate der Jahre 2008 und 2007 um 13 beziehungsweise 4 Milliarden Franken verfehlt. Die Aufwertung des Frankens führte vor allem im zweiten Halbjahr zu einer Verlangsamung. Zudem mussten die Exporteure Preiszugeständnisse machen. Im Dezember machte der Preisabschlag unter Ausklammerung der Pharmasparte 6 Prozent aus. Die Exporterfolge sind damit teilweise auf Kosten der Gewinnmargen erkauft worden. Vor allem die MEM-Industrie beklagt sich über schwindende Margen. Credit-Suisse-Ökonom Fabian Heller rechnet trotz des starken Frankens auch im laufenden Jahr mit einer weiteren Zunahme der Exporte von durchschnittlich etwa 3,5 Prozent.

Steigende Absatzzahlen bei acht wichtigen Exportbranchen

Acht der zehn wichtigsten Exportbranchen wiesen steigende Absatzzahlen auf. Die Zuwachsraten bewegten sich mit Ausnahme der Uhren- und der Metallindustrie aber im einstelligen Prozentbereich. Unbebremst im Krebsgang blieb die Bekleidungsindustrie. Die Einbusse war mir 18 Prozent sogar noch grösser als 2009.

Die Aussenhandelszahlen zeigen weiter, dass die Exportwirtschaft erfolgreich auf die nachfragestarken Märkte in Asien diversifiziert. So nahmen die Ausfuhren nach China, Taiwan, Hongkong und Singapur um 30 bis 40 Prozent zu. Für die Uhrenindustrie ist Hongkong inzwischen der mit Abstand wichtigste Absatzmarkt. Die Uhrenausfuhren nach China schnellten im Dezember um mehr als 70 Prozent in die Höhe.

In ganz Asien machte die Exportzunahme aller Branchen 15 Prozent aus. Um deutliche 14 Prozent nahmen die Ausfuhren nach Lateinamerika zu, nach Nordamerika waren es immerhin elf Prozent. Deutlich bescheidener war das Wachstum in Europa mit vier Prozent. Deutschland nahm als wichtigster Einzelmarkt 6,5 Prozent mehr Waren aus der Schweiz ab als 2009.

Importpreise verharrten auf Vorjahres-Niveau

Die Importe stiegen nominal und real um 8,4 Prozent auf 173,7 Milliarden Franken. Auch hier blieb das Resultat klar hinter dem Rekordjahr 2008 zurück. Die Importpreise verharrten trotz der Frankenhausse nahezu auf dem Niveau des Vorjahres. Wirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann hatte kürzlich angekündigt, dass er die Importpreise beziehungsweise das Problem der Weitergabe von Wechselkursgewinnen genau unter die Lupe nimmt.

Der Überschuss der Handelsbilanz war erstmals seit dem Jahre 2005 wieder rückläufig. Er machte 19,6 Milliarden Franken oder 3,8 Prozent weniger aus als im Jahre 2009. Das ist aber immer noch der zweitgrösste Handelsbilanzüberschuss aller Zeiten.