Panama Papers

05. April 2016 18:27; Akt: 06.04.2016 16:02 Print

Die Sonderrolle der UBS im Panama-Skandal

Die Schweizer Grossbank UBS gerät mit den aufgedeckten heimlichen Bankgeschäften in den Fokus. Sie war eine der ersten, die ausstieg. Hierzu gab es mit Mossack Fonseca ein Übereinkommen.

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UBS-Filiale in St. Moritz: Die Bank hatte eine besonders ausgefeilte Vereinbarung mit der panamischen Anwaltskanzlei Mossack Fonseca. Die Credit Suisse nahm sich das Modell der UBS zum Vorbild: Paradeplatz in Zürich mit den Hauptsitzen der beiden Schweizer Grossbanken. Credit-Suisse-Chef Tidjane Thiam erklärte: Die Bank billige in keiner Weise Briefkastenfirmen zum Zweck der Steuerhinterziehung. In Panama - im Bild Panama City - haben Hunderte Politiker und Prominente ihr Geld in Briefkastenfirmen versteckt. Martin Hilti ist Geschäftsführer von Transparency International Schweiz. Er sagt: «Whistleblower sind für den Kampf gegen Korruption sehr wichtig.» Zu den Beschuldigten im Panama-Skandal gehören viele Prominente: Fussballstar Lionel Messi, ... ... Schauspieler Jackie Chan, ... ... Juan Pedro Damiani, Mitglied der Fifa-Ethikkommission, ... ... Li Xiaolin, Tochter des ehemaligen chinesischen Premiers Li Peng, ... ... der russische Geschäftsmann Arkady Rotenberg, ... ... der ukrainische Präsident Petro Poroschenko, ... .... Khalifa bin Zayed al-Nahyan, Emir von Abu Dhabi, ... ... Salman bin Abdulaziz al-Saud, König von Saudiarabien, ... ... Argentiniens Präsident Mauricio Macri, ... ... David Gunnlaugsson, Premierminister von Island, ... ... die spanische Prinzessin Pilar, Schwester vom ehemaligen König Juan Carlos, ... ... Ian Cameron, Vater des englischen Premierministers David Cameron, ... ... und Kojo Annan, Sohn von Kofi Annan. Im Schatten der Skyline Panamas verbergen sich die dunklen Gassen einer Finanzwirtschaft, die für undurchsichtige Transaktionen berüchtigt ist. Nahezu vier Fünftel der Wirtschaftsleistung des zentralamerikanischen Landes stammen aus dem Finanzsektor.

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Die UBS hat nicht nur bei der Jagd nach US-Schwarzgeld, sondern auch bei im Zuge der Panama Papers aufgedeckten heimlichen Bankgeschäften eine Hauptrolle gespielt. Nach eigenen Angaben entschied sie sich dabei als eine der ersten Banken, die Zusammenarbeit mit Anbietern von Briefkastenfirmen, wie der Anwaltskanzlei Mossack Fonseca (MF), zu beenden. Einem Bericht des Internationalen Konsortiums Investigativer Journalisten zufolge gab es mit MF darüber ein Übereinkommen.

Im Jahr 2010, als Schweizer Banken eine Weissgeldstrategie verkündeten und die UBS mit den US-Justizbehörden über versteckte Schwarzgelder verhandelte, wollte sich die Schweizer Grossbank sich zugleich auch von Briefkastenfirmen distanzieren.
Dies schreibt das Journalisten-Konsortium und zitiert dabei aus geleakten E-Mails der UBS und der Kanzlei.

Andere Banken folgten

UBS entschied damals den Ausstieg. In einem Treffen mit Vertretern der panamischen Kanzlei drängten UBS-Manager darauf, dass MF selbst Identität und Motive seiner
Kunden abklärt und sich nicht mehr wie bis anhin auf die Prüfung durch die Bank verlässt.

Andere Banken – darunter die HSBC und die Credit Suisse – kamen in der Folge auch in den Genuss dieser Aufgaben-Verschiebung. Das Modell UBS machte also Schule.

«Die UBS betreibt ihr Geschäft entsprechend den anwendbaren Gesetzen und Regulierungen. Wir haben keinerlei Interesse an Geldern, die nicht versteuert sind oder aus illegaler Herkunft stammen», erklärte die Grossbank 20 Minuten auf Anfrage. Eine Stellungnahme zu den zitierten E-Mails selbst wollte die UBS nicht abgeben.

Schrittweiser Ausstieg

Weiter teilte die Bank über ihre Zusammenarbeit mit MF jedoch mit: «UBS hat 2010 proaktiv entschieden, die Zusammenarbeit mit solchen Anbietern zu beenden. Dieser Prozess wurde in mehreren Schritten durchgeführt und ist abgeschlossen.» Das bedeutet, dass die Grossbank weder mit MF noch mit anderen Dienstleistern von Briefkastenfirmen mehr zusammenarbeitet. Der Ausstieg verlief jedoch nicht Knall auf Fall. Denn die Daten aus Panama zeigen laut dem Journalisten-Konsortium, dass UBS durch MF zwischen 2011 und 2013 noch 25 Offshore-Konstrukte errichten liess.

Gründung und Betrieb von Briefkastenfirmen können vollkommen legal sein. Entscheidend ist, ob dabei die Regeln eingehalten werden, die Geldwäscherei verhindern sollen: Der wahre Eigentümer der Gelder muss bekannt und identifiziert sein. Und Grund und Zweck der Errichtung eines Briefkasten-Konstrukts müssen legal und plausibel sein.

Thiams Beteuerung

Credit Suisse-Chef Tidjane Thiam erklärte in Interviews gemäss dem «Wall Street Journal» und der Nachrichtenagentur «Bloomberg», seine Bank billige in keiner Weise den Einsatz von Offshore-Konstrukten in der Vermögensverwaltung, um «Steuern zu hinterziehen oder für jede andere Art von intransparenten Aktivitäten». Die Bank nutze zwar Offshore-Firmen für ihre Kunden. Aber nur dann, «wenn es dafür einen legitimen Grund gibt», betonte der CEO.

(ish)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Ronci am 05.04.2016 19:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wenn schon, denn schon...

    In was für einer Welt leben wir. Staat kreiert immer mehr Steuern und Abgaben. Da verwundert es nicht das viele Wege und Möglichkeiten suchen das zu zmgehen. In der Mittelschicht ist die nicht möglich, wir dürfen den ganzen Zirkus finanzieren. Als Dank giebt es dann Null Zins auf dem Sparkonto... Danke ;)

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  • workinginbanking am 05.04.2016 18:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    die leute verstehen nicht!

    Was die leute nicht verstehen ist dass da nichts passiert ist. Aber CH medien sehen nur die Schweizer banken. Was sie nicht verstehen ist das schwache banken ein schwaches system bedeuten. Die amis machens anders sie stärken ihre banken, lest mal den bloomberg artikel wie die amis eben keine transparenz haben für ausländer in amerika oder deren firmen...

  • Lightwood am 05.04.2016 22:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Legitimer Grund!?

    Immer wieder lese ich davon, dass dies von Banken und Gesetz nur aus legitimen Grund zulässig sind. Was ist denn ein solcher legitimer Grund? Die Steuern in legalem Bereich zu optimieren? Kommt einer Ungleichbehandlung gleich, da sich so ein Konstrukt nur Reiche leisten können. Und empfinde ich allgemein als nicht als so sehr legitim, Steuerschlupflöcher auszunutzen bis zum Exzess... Um das Geld vor ungerechtfertigten staatlichen Zugriff zu schützen? Da reicht es, das Geld in der Schweiz zu deponieren und nicht nach Panama weiter zu transferieren.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Marcello Torriani am 06.04.2016 18:31 Report Diesen Beitrag melden

    Alter Hut

    Als ehemaliger Kundenberater, ist das fuer mich Schnee von vorgestern.

  • C.R. am 06.04.2016 17:11 Report Diesen Beitrag melden

    Keine Ahnung was das soll

    Jeder weiss es und jeder hat es gewusst. Briefkastenfirmen gibt es überall. Schweiz Zug, Liechtenstein, Niederlande, Luxemburg usw.. als wäre es was neues.

  • Fubar am 06.04.2016 15:09 Report Diesen Beitrag melden

    Wo liegt das Problem?

    Die UBS hat ja offenbar die Zusammenarbeit 2010 beendet, wo liegt nun also das Problem?

  • Cavi33 am 06.04.2016 14:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    UBS was sonst

    Hätte mich wirklich gewundert wenn dem nicht so wäre. Es stört mich einfach dass bei jeder Sauerei ch Banken auf dem Podest stehen .

    • D.R. am 07.04.2016 02:01 Report Diesen Beitrag melden

      @Cavi33

      Ebenso ist es anstossend, dass sich unsere Justiz sich den Machenschaften der Geldwäscherei, Manipulation und Abzocke nie und nimmer in den Weg stellen würde. Man zeigt lieber mit dem Finger auf die USA und lässt die Herren weiter wursteln.

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  • Bartli am 06.04.2016 13:47 Report Diesen Beitrag melden

    Es dampft aus allen Löchern

    Geld das irgenwo mittels fraglicher Hilfe geparkt wird fehlt nun in allen Kassen! Aber unten, ja, da wird kräftig einkassiert, gespart, abgebaut, der Sozialstaat demontiert. Für Nachschub billiger Arbeitskräfte ist wahrlich gesorgt worden. Wie man zu billigen Zwangsarbeitern kommt kann man ja gerade beobachten. Wenn sich die Schere zw. Arm und Reich nicht bald auf ein erträgliches Mass schliesst, dann sehe ich eine düstere Zukunft. Auch Kriminalität und Gewalt haben extrem zugenommen. So kann das einfach nicht mehr lange weiter gehen.