Krise

26. Februar 2020 08:41; Akt: 26.02.2020 08:41 Print

Die Tupperware-Party ist zu Ende

Die Aktie des Frischhaltedosen-Herstellers ist im freien Fall, Anleger scheinen Tupperware bereits abgeschrieben zu haben.

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Schlechte Geschäfte, hohe Schulden, Aktie im freien Fall: Beim Frischhaltedosen-Hersteller Tupperware herrscht miese Stimmung. Anleger haben den US-Konzern, der einst die Haushaltswelt und den Vertrieb revolutionierte, offenbar schon fast abgeschrieben.

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Plastikdosen als Design- und Haushaltsklassiker, Partys als Verkaufskanal – mit diesem Modell hat sich der US-Hersteller Tupperware einen Namen gemacht. Doch das Unternehmen aus Orlando im sonnigen Florida steckt tief in der Krise.

Verschärfte Konkurrenz im Markt für Haushaltsartikel und der boomende Online-Handel setzen der auf Direktvertrieb ausgerichteten Firma zu. Die Geschäfte laufen schon lange schlecht, dafür sind die Schulden hoch. Anleger scheinen Tupperware schon fast abgeschrieben zu haben.

Kursrutsch an der Börse

Am Dienstag brach die Aktie zeitweise um rund 50 Prozent ein, was den Kurs auf ein Rekordtief von unter drei Dollar drückte. Zum Vergleich: Ende 2013 hatten die Papiere noch über 90 Dollar gekostet.

Hinter dem Börsenabsturz der einstigen Kultfirma verbergen sich handfeste operative Probleme. Seit acht Quartalen sinken die Erlöse. Im November schmiss Chefin Tricia Stitzel nach nur 18 Monaten hin. Ihr Nachfolger Chris O'Leary wurde nur als Übergangslösung verpflichtet, die Suche nach einem dauerhaften Chef war bislang erfolglos.

Das fast 75 Jahre alte Unternehmen, dessen Gründer Earl Tupper 1946 die Küchenwelt mit seinen bunten «Wunderschüsseln» aufmischte, steht mit dem Rücken zur Wand. Der Geschäftsbericht für 2019 musste wegen Ungereimtheiten bei der Bilanzierung des Beauty-Geschäfts Fuller in Mexiko verschoben werden.

Hohe Sonderkosten

Das könnte zu millionenschweren Sonderbelastungen führen, was den Aktionären am Dienstag endgültig die Laune verdarb. Es war nicht die einzige Hiobsbotschaft: Tupperware gab wegen Problemen in Brasilien, China, den USA und Kanada eine Gewinnwarnung ab und räumte Verschuldungsprobleme ein.

Wie konnte es soweit kommen? Die bunten Schüsseln und Boxen von Tupperware haben Haushalte fast rund um den Globus geprägt und es sogar als Design-Klassiker in Museen und Kunstausstellungen geschafft. Auch in der Schweiz verbreiteten sich die luftdicht verschliessbaren Behältnisse, deren Kunststoffdeckel beim Schliessen den charakteristischen Laut von sich geben, rasant.

Als Erfolgskonzept erwiesen sich Gründer Tuppers Haushaltsprodukte vor allem in Kombination mit Marketing-Genie Brownie Wises Idee der Tupper-Party. Aber ist dieser Ansatz überhaupt noch zeitgemäss?

Trend zum Internet verpasst

Während sich der Einzelhandel in den vergangenen Jahren mehr und mehr ins Internet verlagert hat, wo Shopping-Giganten wie Amazon oder Alibaba mit enormer Marktmacht die Preise drücken, setzte Tupperware lange Zeit unbeirrt weiter auf seine klassischen Verkaufswege und auch vergleichsweise teure Produkte.

«Partys sind noch immer unser Verkaufsmodell», sagte der damalige Konzernchef Rick Goings der Deutschen Presse-Agentur noch 2017 – trotz immer stärkerer Konkurrenz aus dem Internet. Direkte Ansprache durch Bekannte oder Verwandte im Verkauf sei vor allem für jüngere Leute äusserst wichtig. «Derzeit haben wir fast nur Partys.»

Zwar bietet Tupperware seine Produkte mittlerweile auch stärker im Netz an, ist hier jedoch weit abgeschlagen. Das Produktportfolio hat sich über die Jahre stark verändert. Aufbewahrungsschüsseln für Lebensmittel sind schon länger nicht mehr der Hauptgeschäftstreiber.

Neue Produkte im Sortiment

Einen Grossteil seines Umsatzes macht das Unternehmen inzwischen etwa mit Wasserfiltern oder Mikrowellenprodukten. Zudem gehören Kosmetik- und Körperpflegeprodukte dazu. Asien hat den Heimatmarkt Nordamerika als grösste Umsatzstütze überholt. Doch in China, wo der Konzern Tausende Filialen hat, laufen die Geschäfte schlecht – und daran dürfte sich wegen des Coronavirus so rasch auch nicht viel ändern.

(chk/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Manudein am 26.02.2020 10:32 Report Diesen Beitrag melden

    Liegt nicht am Produkt

    Die Qualität von Tupperware ist gut. Aber das Vertriebssystem mit dem Direktvertrieb an Tupperpartys ist längst überholt. Zudem sind die Preise astronomisch hoch und durch nichts zu rechtfertigen.

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  • Steff am 26.02.2020 09:02 Report Diesen Beitrag melden

    Plastik in mir

    Bei aller Liebe, seit ich weiss was da selbst bei qualitativ guten Dosen rauskommt (Das Jehnke Experiment, "Plastik in mir") habe ich die alle in die Kunststoffsammlung gegeben und verwende dickwandige Glasbehälter. Die sind sogar Ofen und Mikrowellenfest und Fett bekommt man erst noch besser vom Glas gewaschen.

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  • nikita am 26.02.2020 09:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    keine Interesse an Plastik

    Ich habe ein Bericht gesehen in TV, und seit dem, konserviere ich keine lebensmittel mehr in plastic, alles weg bei mir, nur noch holz, metall, und glass. die Zeiten wo man blind war, sind vorbei, meine Gesundheit ist mir wichtiger.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Petra am 27.02.2020 13:19 Report Diesen Beitrag melden

    Lieber mal eine Party zu viel

    als zu wenig, nein?

  • Ralph am 27.02.2020 11:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Abzocke

    Tupper-Party-Veranstalter weden von Tupper ausgenutzt und abgezockt. Die müssen die Ware zuerst kaufen und bleiben häufig darauf sitzen.

  • Mel am 27.02.2020 10:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bu

    Die Produkte sind zu gut! Irgendwann hat man genug Dosen und die halten ein Leben lang, man braucht keinen neuen Dosen im modernen Design! Die Dosen, die ich 1985 im Kindergarten hatte, tun es auch heute noch!!!

  • Igel am 27.02.2020 09:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Weg damit

    Habe schon lange auf Glasbehälter umgestellt. Ist von jeher besser.

  • Igel am 27.02.2020 09:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Fragwürdig

    Mit vergleich von wesentlich günstigeren Waren wie Tupper, muss man sich nicht wundern. Wohlgemerkt habe von beiden etwas. Für mich ist Tupper fertig.