Teure Baumwolle

04. Januar 2011 00:00; Akt: 04.01.2011 23:57 Print

Die Unterwäsche schlägt auf

von Marc Bürgi, sda - Baumwolle ist seit dem Sommer bis zu 80 Prozent teurer geworden. Dies werden auch die Konsumenten zu spüren bekommen.

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Die hohen Preise für den Rohstoff setzen die Textilindustrie unter Druck. Einen Teil der Kosten werden auch Konsumentinnen und Konsumenten tragen müssen - für Baumwollkleider muss bald mehr bezahlt werden.

5 bis 10 Prozent teurer würden Baumwollkleider in den Läden mittelfristig, schätzt Andreas Sallmann, Chef der Thurgauer Unterwäscheherstellerin ISA. Seine Firma muss wegen dem teuren Baumwollstoff für gewisse Artikel mehr verlangen.

Calida erhöht ebenfalls «punktuell» die Preise ihrer Unterwäsche, Pyjamas und Bademode, aber frühestens im kommenden Herbst. Ab diesem Zeitpunkt sind auch bei Coop Preiserhöhungen für Baumwollprodukte voraussichtlich unumgänglich.

Flutkatastrophe in Pakistan

Damit wirken sich die hohen Baumwollpreise mit Verzögerung auf die Portemonnaies der Konsumenten aus: Gemäss dem Cotlook-A-Index, der wichtige asiatische Baumwollmärkte abbildet, musste vor Weihnachten 1.75 Dollar pro Pfund (rund 0,45 Kilogramm) bezahlt werden - Anfang September hatte das Pfund noch 94 Cent gekostet. Auch an anderen Handelsplätzen ist Baumwolle so teuer wie schon lange nicht mehr.

Die Preisexplosion hat eine Reihe von Gründen: In vielen Ländern wurde wegen der lange Zeit tiefen Preise zu wenig Baumwolle angebaut, oder die Ernte fiel enttäuschend aus. Das weltweit viertwichtigste Anbauland Pakistan wurde zudem im Sommer von einer Flutkatastrophe heimgesucht.

Gleichzeitig ist die Nachfrage besonders in den aufstrebenden Ländern Asiens sehr stark. «Wenn jeder Chinese eine Unterhose und ein T-Shirt pro Jahr mehr kauft, sind das hunderte von Tonnen Baumwolle», erklärt ISA-Chef Sallmann. Dazu kommt, dass viele Unternehmen ihre Lager in der Rezession abgebaut haben, und nun zusätzliche Ballen benötigen.

Händler geben Preise vor

Für die Firma ISA, die ihre Unterwäsche aus Baumwolle herstellt, hat dies unangenehme Konsequenzen: Nur einen kleinen Teil der Preissteigerung könne er an seine Kunden weitergeben, sagt Andreas Sallmann. Weil er die Baumwolle in Euro kauft, leidet seine Marge dank des starken Franken aber nicht allzu sehr.

Bei der Winterthurer Firma Hermann Bühler, der letzten Schweizer Baumwollspinnerei, hat die Marge lange stark gelitten. Mittlerweile habe das Unternehmen die Preise seines Garns an die höheren Rohstoffpreise anpassen können, aufgrund des schwachen Euro bleibe die Marge aber unter Druck, sagt Einkaufschef Matthias Lauffer. Hermann Bühler kauft die Baumwolle in Dollar ein.

Der faserige Rohstoff ist nicht nur teurer, sondern auch schwerer erhältlich: «Früher kam der Baumwoll-Händler zu mir, wir haben Kaffee getrunken, und es ging zu und her wie auf dem Basar», erzählt Andreas Sallmann. Heute gebe der Händler die Preise vor.

Keine Entspannung in Sicht

Baumwolle wird wohl noch einige Zeit teuer bleiben. Zwar werden die Bauern die Anbaufläche voraussichtlich ausweiten - auf der Nordhalbkugel findet die Aussaat im Frühling statt. Einschränkend wirkt aber vielerorts der Wassermangel, zudem konkurrenziert die Pflanze mit anderen Agrarprodukten, namentlich Lebensmitteln.

Die Nachfrage bleibt hoch. «Rund ein Fünftel der nächsten US- amerikanischen Ernte von langfaseriger Baumwolle wurde bereits verkauft», erzählt Matthias Lauffer. ISA-Chef Sallmann hofft, «dass in zwei Jahren der Preis wieder ein bisschen runter kommt».