Geringer Wirtschafts-Nutzen

15. Mai 2014 05:58; Akt: 15.05.2014 05:58 Print

Die WM verleiht Brasilien keine Flügel

Fussball-Weltmeisterschaften lohnen sich in erster Linie für die Fifa. Die brasilianische Wirtschaft dürfte von der Heim-WM aber kaum profitieren.

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Bauarbeiter begutachten den Neubau des Nationalstadions Mane Garrincha in Brasilia. (Bild: Keystone/AP/Eraldo Peres)

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Brasilien kann einer Studie zufolge nicht mit einem grösseren wirtschaftlichen Aufschwung durch die bevorstehende Fussball-Weltmeisterschaft rechnen. Die WM bringe dem Gastgeberland bestenfalls eine gute Stimmung, urteilen die Autoren einer am Dienstag in Frankfurt veröffentlichten Analyse der Berenberg-Bank und des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts HWWI. Der gesamtwirtschaftliche Effekt bleibe bei derartigen Grossereignissen dagegen vernachlässigbar gering.

Die direkten Gewinne schöpfe der als Monopolist auftretende Weltfussballverband Fifa nahezu komplett ab, so dass Gastgeber Brasilien auf sogenannte weiche Faktoren hoffen müsse. Diese seien aber gerade für Schwellenländer von grosser Bedeutung, sagte HWWI-Volkswirt Henning Vöpel: «Eine reibungslos organisierte WM kann ein wichtiges Signal an potenzielle Investoren sein. Intern kann die WM zumindest kurzfristig zu mehr Zusammenhalt und Stolz in der Bevölkerung beitragen.»

Hoffnung ist gross

Das fussballbegeisterte Brasilien, dem eine hohe Inflation, soziale Ungleichheit und Korruption zu schaffen machen, verbindet grosse Hoffnungen mit dem Ereignis, das am 12. Juni angepfiffen wird. Das Land schätzt die Tourismuseinnahmen im Zuge der WM auf 5,5 Milliarden Dollar. Zum Vergleich: Der Karneval in Rio spült jährlich 3,2 Milliarden Dollar in die Tourismuskasse.

«Die im Vorfeld eines Grossereignisses erstellten Kosten-Nutzen-Analysen überzeichnen regelmässig die positiven Effekte», erläuterte Vöpel. Dem gegenüber stehen geschätzte zehn Milliarden Dollar an Investition für die Fussball-WM, die auch in der brasilianischen Bevölkerung massiv kritisiert werden. Die Menschen fordern stattdessen mehr Ausgaben für Bildung und Gesundheit.

Aber auch die Kosten für die WM seien wirtschaftlich nur von geringer Bedeutung, sagt Berenberg-Volkswirt Quitzau: Die 10 Milliarden Dollar entsprächen etwa einem Prozent des Bruttoinlandsprodukts – die öffentlichen Ausgaben für Bildung und Gesundheit machten rund 15 Prozent aus.

Werbung für Standort

Eine gut organisierte WM und ein entsprechender Erfolg der eigenen Mannschaft könne sicher Werbung für den Standort Brasilien sein und auch zu mehr Zusammenhalt und Stolz in der Bevölkerung beitragen; ähnlich habe Südafrika von der Fussball-WM profitiert. «Die Ausrichtung eines Grossevents ersetzt aber keine gute Wirtschaftspolitik», sagte Quitzau. Brasiliens Chancen auf den Titelgewinn seien jedenfalls grösser als eine schnelle Lösung seiner wirtschaftlichen Probleme.

(sda)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Ehrenmann am 15.05.2014 07:44 Report Diesen Beitrag melden

    Wann wacht Ihr endlich auf?

    Der Fussballfan: eine prächtige Kuh, der der Fifa Höchstgewinne beschert. Wieviel wollt Ihr Euch eigentlich noch gefallen lassen? Das viele Geld macht den Fussball kaputt. Kickt selbst mit Euren Freunden oder sucht Euch ein anderes Hobby.

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  • blaettu am 15.05.2014 07:43 Report Diesen Beitrag melden

    ach neeee, echt?

    was für eine erkenntnis. die fifa ist kein sozial gerichteter verein, sondern eine nach macht und geld strebende firma mit dunkelgrauen handlungen! das diese überhaupt noch nicht verboten ist wunder ja allerdings nicht, denn geld regiert ja ebenfalls bekanntlich die welt..

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  • Franco am 15.05.2014 07:46 Report Diesen Beitrag melden

    Brasilien

    Armut, Strassenkinder, Favelas, Kriminalität, ... Wieso soll ich dorthin reisen?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Blue Wave am 16.05.2014 13:11 Report Diesen Beitrag melden

    Völlig verschiedene Verhältnisse

    Und bei uns wird in Münchenstein eine Bushaltestelle für 2.5 Mio gebaut.

  • pavel pipowic am 15.05.2014 15:05 Report Diesen Beitrag melden

    gleicher ort

    Wenn es doch bei einer WM nur um den Sport gienge, wieso macht man dann die WM nicht immer am gleichen ort?

  • Chris am 15.05.2014 10:51 Report Diesen Beitrag melden

    warte auf 1. Todesfall

    Eigentlich hoffe ich es nicht, aber doch warte ich auf den ersten Todesfall in Bezug auf die WM in Brasilien. Sei es wegen einem zu stark alkoholisierten Fan, welcher sich zur falschen Zeit am falschen Ort befindet ... oder durch die vielleicht streikenden Sicherheitskräfte, denen es dann wohl egal sein dürfte, ob sich jetzt ein Touri in der falschen Gegend verirrt oder nicht ...

  • Chris am 15.05.2014 10:48 Report Diesen Beitrag melden

    Oh, wirklich?

    Ne, ernsthaft? Als ob man das nicht voraussehen konnte. Der 0815 Bürger hat andere Probleme als WM/Fussball. Der kämpft ums Überleben, um Sicherheit, um Nahrung, um ein Dach über dem Kopf. Da dürfte denen die WM und der Fussball sowas von egal sein. Das Geld hätte besser investiert werden können, ernsthaft. Aber so können sich ein paar wenige Auserwählte gegenseitig auf die Schultern klopfen und sich gegenseitig Loben, was für eine tolle Sache sie da auf die Beine gestellt haben ... mit entsprechendem Geldfluss im Hintergrund.

  • Steff am 15.05.2014 10:30 Report Diesen Beitrag melden

    BRICS Staaten Events

    Die WM hat noch NIEMANDEM Fluegel verleit. Staendig werden Events in nicht westlichen Laendern fertig gemacht. Ich kann den Stuss nicht mehr hoeren. Die Welt ist nunmal nicht ueberall auf Europaischem oder CH-Niveau.