Schleppende Konjunktur

01. Dezember 2011 07:59; Akt: 01.12.2011 10:44 Print

Die Wirtschaft wächst nur noch minim

Das Wachstum der Schweizer Wirtschaft hat sich deutlich verlangsamt. Im dritten Quartal legte das Bruttoinlandprodukt (BIP) gegenüber dem Vorquartal noch um 0,2 Prozent zu.

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Die Wertschöpfung in der Industrie sank um 0,7 Prozent. (Bild: Keystone/Martin Ruetschi)

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Das Wachstum der Schweizer Wirtschaft hat sich deutlich verlangsamt. Im dritten Quartal legte das Bruttoinlandprodukt (BIP) gegenüber dem Vorquartal noch um 0,2 Prozent zu.

Das ist der tiefste Wert seit dem zweiten Quartal 2009, als sich die Wirtschaft in der Rezession befand und das BIP schrumpfte. Im Vergleich zum Vorjahresquartal betrug das Wachstum 1,3 Prozent, wie das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) am Donnerstag mitteilte.

Die schwächere Wirtschaftsentwicklung ist vor allem auf äussere Faktoren zurückzuführen. Der hohe Kurs des Frankens lässt die Exportwirtschaft weiterhin leiden. Die Ausfuhren brachen gegenüber dem Vorquartal um 1,2 Prozent ein. Auch in der Industrie, die stark auf Exporte ausgerichtet ist, machte sich der starke Franken bemerkbar: Sie schrumpfte um 0,7 Prozent. Nur wenig besser erging es der Landwirtschaft, deren Wertschöpfung um 0,3 Prozent abnahm.

Weltwirtschaft merklich abgekühlt

«Die exportorientierten Sektoren sind im Moment doppelt belastet: einerseits hat sich die Weltkonjunktur in den letzten Monaten abgekühlt, andererseits belastet zusätzlich der hoch bewertete Franken die Exportentwicklung», sagte Bruno Parnisari, Leiter des Ressorts Konjunktur beim Seco, gegenüber der Nachrichtenagentur sda. Die Weltwirtschaft habe sich merklich abgekühlt, was es für Schweizer Unternehmen schwieriger mache, im Ausland Abnehmer für ihre Produkte zu finden.

Die Exporteure versuchten, die Stärke des Frankens durch tiefere Preise teilweise zu kompensieren. Die Preise von ausgeführten Gütern gingen im gegenüber dem Vorjahr um 2,7 Prozent zurück. Bei den Warenexporten ohne Wertsachen belief sich der Rückgang gar auf 4,6 Prozent.

Wegen der schwächelnden Exporte war die Wirtschaft im dritten Quartal vor allem von der inländischen Nachfrage abhängig: Gegenüber dem zweiten Quartal wuchs der private Konsum um 0,1 Prozent, der öffentliche um 0,6 Prozent. Die Importe nahmen um 0,1 Prozent zu.

Unter den einzelnen Sektoren entwickelte sich der Bereich Handel, Gastgewerbe, Verkehr und Nachrichtendienste mit einem Zuwachs von 0,6 Prozent am besten. Im Sektor der Finanz- und Versicherungsbranche stieg die Wertschöpfung um 0,5 Prozent, im Baugewerbe betrug das Wachstum 0,2 Prozent.

Trübe Aussichten

Dass die Schweizer Wirtschaft mit dem tiefen Wachstum im dritten Quartal den Tiefpunkt erreicht hat, ist laut Bruno Parnisari nicht zu erwarten. Die wenigen Indikatoren, die für die Zeit seit September bereits verfügbar sind, deuteten eher darauf hin, dass das vierte Quartal noch schlechter ausfallen werde.

Das Seco erwarte zwar «keine ausgeprägte Rezession». Es sei aber klar, dass die Abkühlung der Weltkonjunktur nicht ohne Auswirkungen auf die Schweiz bleiben werde. Zuletzt hatte die OECD am Montag ihre Prognose für die Weltwirtschaft gesenkt. Sie geht für das kommende Jahr noch von einem Wachstum von 3,4 Prozent aus. Im September schätzte das Seco, dass die Schweizer Wirtschaft 2012 um 0,9 Prozent wachsen wird.

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Samy am 01.12.2011 08:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gesunder Menschenverstand

    Ist ja klar. Man kann nicht immer nur wachsen und wachsen. Die Vorstellungen der Ökonomen sind zum Teil völlig realitätsfremd. Aber Hauptsache der Gewinn ist grösser als im letzen Quartal. Was sich ausdehnt zieht sich auch wieder zusammen. Kontraktion ist das Stichwort

  • frank bucher am 01.12.2011 09:08 Report Diesen Beitrag melden

    ich friere..

    unglaublich wie kalt der wind von seiten prognosen wieder bläst - gleich ziehe ich den dicksten pullover über. Geht es auf ende jahr zu, wird mal wieder nicht wie üblich über das wetter oder den tourismus gejammert, sondern über die konjunktur. wen wundert es nicht, schliesslich geht es um gehaltsgespräche für das nächste jahr.

  • Schibu am 01.12.2011 09:21 Report Diesen Beitrag melden

    Was soll das eigentlich?

    fast täglich kommen modifizierte "Prognosen" über den Wirtschaftswachstum. Diese "Prognosen" sind doch reine Stimmungsmache und dienen nur der Manipulation der grossen Masse. Sie sind absolut unzuverlässig und sagen über die zukünftige Wirtschaftssituation nichts aus.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Adrian am 01.12.2011 11:12 Report Diesen Beitrag melden

    Zuwanderung

    Wenn man die Zuwanderung noch dazu rechnet, sind wir längstens in einer Rezession gelandet.

    • Peter Steiner am 01.12.2011 17:01 Report Diesen Beitrag melden

      @Adrian

      Warum muss Zuwanderung schlechte Wirtschaft bedeuten?? So ein Quatsch!! Dank der Zuwanderung konnten wir unseren Wirtschaftsaufschwung bewältigen. Uns geht es seit Begin der Finanzkrise verhältnismässig sehr gut. Das es jetzt vermehrt Arbeitslose geben wird ist gut möglich. Aber mir scheint Sie haben ein falsches Bild betreffend Zuwanderung. Sie sehen es ausschliesslich als Bedrohung(Angst wovor?). Dabei vergessen Sie, dass wir viel in unserem Land wie Wirtschaft, Forschung & Entwicklung, Gastronomie, Infrastruktur zu einem bedeutendem Teil der Zuwanderung zu verdanken haben.

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  • Denker am 01.12.2011 10:52 Report Diesen Beitrag melden

    Weg vom zahlenmässigen Wachstum!

    Wir müssen vom rein quantitativen Wachstum wegkommen; d.h. hin zu einer "smarten", qualitativen Weiterentwicklung bei gleicher Grösse. Die Automatisierung ist einerseits ein Jobkiller. Wollten wir diese Arbeit aber von Hand machen, müssten wir aber halb Europa importieren (wie wir es jetzt tun!); das will ja auch niemand. Deshalb: Sollte die Schweiz nicht übervölkert werden, ist der Einsatz von Robotern das einzig richtige Mittel.

    • suchender am 01.12.2011 12:52 Report Diesen Beitrag melden

      Nicht so einfach

      Mit der zunehmenden Automatisierung muss auch das Wirtschaftssystem "umgekrempelt" werden, da der Kapitalismus im heutigen Sinn nicht mehr funktioniert wenn viele Arbeiten vollautomatisch gemacht werden und damit weniger Arbeiter benötigt werden (zu viele Arbeitslose). Bei meinem Beruf ist der Unterschied sehr deutlich, was vor 20 Jahren 10 Leute erledigten mache ich heute alleine mit dem PC. In anderen Branchen könnte auch vieles automatisiert werden (z.B Industrie, Lagerverwaltung etc),dann braucht es mehr "Techniker" die die Maschinen bedienen und weniger "Arbeiter",allgemein weniger Leute

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  • Schibu am 01.12.2011 09:21 Report Diesen Beitrag melden

    Was soll das eigentlich?

    fast täglich kommen modifizierte "Prognosen" über den Wirtschaftswachstum. Diese "Prognosen" sind doch reine Stimmungsmache und dienen nur der Manipulation der grossen Masse. Sie sind absolut unzuverlässig und sagen über die zukünftige Wirtschaftssituation nichts aus.

  • freidenker am 01.12.2011 09:17 Report Diesen Beitrag melden

    jajaaa. der echte grund wird nie genannt

    1. wachstum ist nicht unendlich! 2. die wertschöpfung ist die menschliche energie, also arbeit im produkt. - machen computer und roboter den job verliert das produkt an wert und gleichzeitig verlieren menschen ihren job und somit der unternehmer nicht nur seine eigentliche geldquelle der "nicht-richtig-ausbezahlten arbeiter" sondern auch kunden seines produkts weil das geld nun ganz fehlt. technologie ist der jobkiller. aussagen von ökonomen die von banken bezahlt werden sind in der regel falsch und wischiwaschi das von der realität ablenkt.

    • Peschä am 01.12.2011 09:48 Report Diesen Beitrag melden

      Technologie ist doch gut

      Nur müsste es dazu führen, dass jeder weniger arbeiten muss bei gleichbleibendem oder steigendem Lebensstandard. Das wäre durchaus möglich und ist eine Frage der Politik.

    • Daniel Hugentobler am 01.12.2011 10:36 Report Diesen Beitrag melden

      IT / Freidenker

      In der Schweiz wurden innerhalb 10 Jahren 300000 Arbeitsplätze geschaffen. Die Arbeitsplätze wurden nicht vernichtet sondern nach Asien verlagert. Weil die Leute nicht genügend qualifiziert für die IT sind (es fehlen 40000 Informatiker) haben wir dieses Problem. Wie ohne Technik wollen Sie diese global hohen Löhne in der Schweiz noch rechtfertigen. Die IT hat einen Haufen Arbeitsplätzte vernichtet aber noch mehr geschaffen. Medikamente, Flugzeuge, Züge... wären niemals so gut ohne IT.

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  • frank bucher am 01.12.2011 09:08 Report Diesen Beitrag melden

    ich friere..

    unglaublich wie kalt der wind von seiten prognosen wieder bläst - gleich ziehe ich den dicksten pullover über. Geht es auf ende jahr zu, wird mal wieder nicht wie üblich über das wetter oder den tourismus gejammert, sondern über die konjunktur. wen wundert es nicht, schliesslich geht es um gehaltsgespräche für das nächste jahr.