«Heisses» Wissen

30. März 2011 20:39; Akt: 30.03.2011 20:39 Print

Die bekanntesten Fälle von Insiderhandel

von Gérard Moinat - Mit der Sonova-Leitung sitzen erneut Schweizer Wirtschaftsbosse wegen Verdachts auf Insider-Handel auf dem heissen Stuhl. Der aktuelle Fall ist nicht der Erste und wohl kaum der Letzte.

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Kaufen, zurücklehnen und abwarten: Insiderhandel benachteiligt andere Marktteilnehmer. (Bild: Keystone)

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Mitglieder der Geschäftsleitung und des Verwaltungsrates des Hörgeräteherstellers Sonova verkauften Anfangs März Aktien und Optionen im Wert von 47 Millionen Franken.

Eigentlich wäre eine solche Transaktion nichts aussergewöhnliches — hätte Sonova nicht am 16. März bekannt gegeben, dass der Umsatz und der Gewinn 2011 wesentlich tiefer als erwartet ausfallen wird. Als Folge der Gewinnwarnung rauschte der Titel um 25 Prozent in die Tiefe.

Die Staatsanwaltschaft vermutet nun, Ex-Präsident Rihs und seine Kollegen hätten ihren Informationsvorsprung dazu benutzt, ihre Aktienpakete vor dem Kurssturz abzustossen. Allein Firmengründer Andy Rihs verkaufte am 8. März 300 000 Aktien für 37,5 Millionen Franken. Die Staatsanwaltschaft begann deshalb ihre Vorabklärungen wegen möglichen Insiderhandels.

Insiderhandel bedeutet «heisses» Wissen auszunutzen

Immer wieder kommt es zu ausserordentlichen Kursveränderungen von Aktien — häufig vor der Publikation börsenrelevanter Informationen, wie im Fall der Sonova. Das Ausnützen eines Investors von solchem «heissen» Wissen, indem er die Aktie verkauft oder kauft, ist verboten und wird mit Bussen und Börsensanktionen bestraft.

Denn kotierte Unternehmen unterstehen der so genannten Ad-hoc-Publizität, die sie verpflichtet, neue kursrelevante Tatsachen schnellstmöglich zu veröffentlichen. Durch die Informationspflicht wird ein allfälliger Wissensvorsprung von Insidern - also Geschäftsleitung, Verwaltungsrat, externen Beratern oder Banken - gegenüber den übrigen Marktteilnehmern so schnell wie möglich abgebaut.

Sollten die Abklärungen der Staatsanwaltschaft auf Anhaltspunkte des Insiderhandels Stossen, befinden sich Rihs und seine Mitarbeiter in guter Gesellschaft: Alle Jahre wieder kommt es in der Schweiz zu derartigen Untersuchungen — meist laufen sie jedoch ins Leere. Schuldsprüche sind äusserst selten.

Der Fall Sulzer

Ein bekannter Fall von Insiderhandel ist der frühere Zürcher Kantonalbank-Chef Hans Vögeli. Vor einigen Jahren spekulierte Vögeli auf eigene Rechnung mit Optionen des Industriekonzerns Sulzer, der ins Visier von österreichischen und russischen Grossinvestoren geraten war.

Während ZKB-Chef Vögeli privat auf steigende Sulzer-Aktien setzte, schrieb er seiner Bank vor, «die Finger von Sulzer zu lassen». Sein Gewinn aus dem Deal, heisst es in Bankenkreisen, soll über 50 000 Franken betragen haben. Die Zürcher Staatsanwaltschaft eröffnete im Fall Sulzer jedoch kein Strafverfahren. Für den Verdacht des Insiderhandels habe es nicht genügend Anhaltspunkte gegeben, lautete die Begründung.

Der Verdacht auf Insiderhandel fiel auch schon auf Saurer-Chef Heinrich Fischer. Dieser hatte 2006 ein Paket von 27 500 Aktien des Arboner Maschinenkonzerns Saurer verkauft und am folgenden Tag zu einem höheren Preis wieder gekauft. Der Verkauf erfolgte genau an dem Tag, als Unaxis/OC Oerlikon ankündigte, Saurer übernehmen zu wollen. Der Rückkauf sei jedoch nur erfolgt, weil es der Verwaltungsrat für angebracht fand, dass Fischer die Aktien wieder zurückkaufe, so die offizielle Haltung der Sulzer-Pressestelle.

Der Fall Swisscom

Auch der Swisscom-Verwaltungsratspräsident Markus Rauh geriet wegen einer Absicherungstransaktion auf seinen Swisscom-Aktien einige Jahre zuvor ins Visier der Justiz. Er hatte am 21. November 2005 ein Optionen-Geschäft für sein Swisscom-Paket getätigt, nur zwei Tage vor dem Beschluss des Bundesrats zur Privatisierung des Telekommunikationskonzerns.

Rauh und die Swisscom versäumten es, diese Transaktion der Schweizer Börse zu melden. Beim Bekanntwerden geriet der Swisscom-Präsident in Verdacht, die Insiderstrafnorm verletzt zu haben. Die Bankenkommission stellte ihr Verfahren gegen Rauh jedoch ein.

Der Fall Swissfirst

Der Fall Swissfirst gilt als ein weiteres Lehrbeispiel in der Schweizer Wirtschaftsgeschichte. Gegen Ex-Chef Thomas Matter war unter anderem eine Untersuchung wegen Insiderhandel hängig. Einer der Grossaktionäre der Bank, Rumen Hranov, reichte gegen Matter im Zusammenhang mit der Fusion von Swissfirst und Bellevue Bank im Herbst 2005 Strafanzeige ein.

Hranov hatte auf Anfrage von Matter Swissfirst-Aktien verkauft, die ohne dessen Wissen für die Fusion eingesetzt wurden. Nach der Bekanntgabe des Zusammenschlusses gewannen die Aktien stark an Wert, Hranov fühlte sich übervorteilt. Im Juni 2008 gab die Zürcher Staatsanwaltschaft jedoch einmal mehr bekannt, dass sie die Strafuntersuchungen einstellte. Matter habe sich in Bezug auf Insiderhandel nicht strafbar gemacht.

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