Wohneigentum

09. März 2011 08:35; Akt: 09.03.2011 09:28 Print

Die eigenen vier Wände gibt's zum Discount-Preis

von Gérard Moinat - Am Immobilienmarkt herrscht Ausnahmezustand: Wohneigentum kaufen ist deutlich günstiger als mieten. Doch der «Eigentumsdiscount» birgt Gefahren.

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Die Grafik der Credit Suisse zeigt, wo die Immobilienpreise im Verhältnis zum Einkommen zwischen 1996 und 2010 (eingefärbte Felder) sowie 2007 bis 2010 (Pfeile) am meisten zugelegt haben.

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Das ist schmerzlich für die Schweizer - ein Volk von Mietern: Der Kauf einer Wohnung oder eines Hauses ist derzeit ein Drittel günstiger als dieses zu mieten. Zu diesem Schluss kommt die Immobilienmarkt-Studie der Credit Suisse (CS).

Aus historischer Sicht ist in der Schweiz Kaufen teurer als Mieten. In der Schweiz gibt es denn auch 60 Prozent Mieter. CS-Immobilienanalyst Thomas Rieder spricht von Mehrkosten von 8 Prozent, die Käufer in den letzten 20 Jahren in Form einer «Eigentumsprämie» für ihre eigenen vier Wände bezahlen mussten.

«Die Mehrkosten sind zwar nicht in Stein gemeisselt, aber typischerweise sind die jährlichen Kosten von Wohneigentum höher», erklärt Rieder. Gründe dafür ist der meist höhere Ausbaustandard von Eigentumswohnungen. Auch kann ein Besitzer seine Wohnung stärker an seine Bedürfnisse anpassen.

Die tiefen Hypozinsen machen es möglich

Dass die Kosten nun fürs Mieten höher seien, ist eine aussergewöhnliche Situation. Schuld daran sind die anhaltend tiefen Hypothekar-Zinsen. Rieder spricht in diesem Zusammenhang von einem eigentlichen «Eigentumsdiscount», von dem Käufer derzeit profitieren.

Doch die Häuschenbesitzer tun gut daran, sich nicht an den Discount zu gewöhnen. «Gefährlich wird es, wenn Käufer davon ausgehen, dass Wohneigentum immer günstiger sein wird», warnt Rieder.

Denn langfristig sollte das nicht so sein. «Dass die jährlichen Ausgaben für Wohneigentum tiefer liegen als die Mieten, ist aber nur eine Momentaufnahme.» Mittelfristig, in zwei bis drei Jahren also, werden die Kosten von Wohneigentum wieder höher ausfallen, ist Rieder überzeugt. «Einige Käufer könnten sich denn auch übernehmen.»

Grund für die Überhitzungstendenzen

Die Ausnahmesituation am Immobilienmarkt führt jedoch gemäss dem Experten dazu, dass immer mehr Mieter darüber nachdenken, früher oder später zum Wohneigentum überzugehen. «Damit steigt die Nachfrage nach Wohneigentum weiter an, was sich in zusätzlichen Preissteigerungen niederschlägt», sagt er. Schon jetzt aber sind die Preise für Wohneigentum massiv angestiegen (siehe Bild) und zeigen lokal Überhitzungstendenzen.

Ein Kauf von Wohneigentum bietet sich zudem lange nicht für jeden an. Gerade untere Einkommensschichten könnten mit einem Anstieg der Zinsen auf ein langfristiges Durchschnitts-Niveau nicht mithalten, so Rieder.