Kreativ

24. Juli 2010 10:23; Akt: 24.07.2010 11:11 Print

Die feindliche Übernahme von BP

von Sandro Spaeth - Es ist der Kampf von David gegen Goliath. Der Künstler Ruppe Kosolleck plant die feindliche Übernahme von BP. Dafür sammelt er an Stränden Ölklumpen des Energieriesen und malt damit Bilder. Mit den Einnahmen kauft er Aktien.

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BP manipulierte Fotos.

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Seinen künstlerischen Kampf gegen BP startete der deutsche Konzeptkünstler Ruppe Kosolleck lange bevor die BP-Bohrplattform Deepwater Horizon am vergangenen 20. April explodierte und seither den Golf von Mexiko verseucht. Seit neun Jahren hat sich der 43-Jährige dem Kampf gegen British Petroleum verschrieben. Auslöser waren Ölklumpen, die der Künstler am Stand der Nordsee fand. Diese wollten so gar nicht zum Öko-Mäntelchen passen, das sich BP in einer Broschüre, welche Kosolleck in die Hände fiel, überzog. «Das dreiste Auftreten des Konzerns empört mich», so der Künstler.

Seit 2001 verwendet er angespülte Teerklumpen und macht daraus seine ganz eigene Ölmalerei: Ölklumpen auf Papier. Mit dem Erlös aus den Bildern kauft er BP-Aktien. Bisher besitzt der Künstler 1045 Stück. «Es fehlen also noch neun Milliarden, 700 000 Millionen und ein paar Zerquetschte», sagt Kosolleck im Interview mit der österreichischen Zeitung «Standard». Sein hehres Ziel ist indessen eindeutig. Er plant die feindliche Übernahme von BP. Das Ziel sei den Konzern zu zerschlagen und die Unternehmensteile den betroffenen Staaten zum Kauf anzubieten.

Mit den eigenen Waffen

Klar ist Kosollecks Plan Utopie, doch seit der britische Ölgigant täglich mit Negativmeldungen die Zeitungsspalten füllt, fliegen dem Künstler die Sympathien entgegen. Als Don Quijote, der gegen Windmühlen kämpft, sieht sich Kosolleck nicht unbedingt: «Wenn man durch Kunst einen Weltkonzern übernehmen will, gibt das schon ein romantisches Bild. Andererseits ist es Klasse zu erkennen, dass man einen Giganten mit seinen eigenen Waffen schlucken kann.»

Sympathisanten und Kunstfreunde könnten sich die Bilder derzeit zum Schnäppchenpreis kaufen, denn der Künstler richtet die Preise seiner Ölbilder nach dem Aktienkurs von BP. Dieser ist seit Beginn der Katastrophe ins Bodenlose gefallen. Notierte die Aktie am Tag vor der der folgenschweren Explosion noch bei über 60 Dollar, lagen die Papiere bei Tiefpunkt Ende Juni noch bei 29 Dollar. Aktuell kostet die BP-Aktie rund 36 Dollar, was auch den Preis der Bilder etwas ansteigen liess. Kosolleck gibt seinen Bildern die Namen nach den Fundstellen der Ölklumpen.

Mehr Respekt bitte!

BP scheint Kosolleck als Gegner durchaus ernst zu nehmen. Laut dem Künstler sei der Link zu seiner Website www.take-over-bp.com auf Wikipedia innert kürzester Zeit wieder entfernt worden. Und als er am Zaun vor der deutschen BP-Zentrale in Bonn eine Ölkanne montiert habe, wurde er vertrieben. «Wie reden Sie mit ihrem neuen Chef?», habe Kosolleck die BP-Angestellten provokativ gefragt. Doch diese hätten sich uninformiert gezeigt über seine Übernahmepläne.

Bei BP-Chef Tony Hayward vorstellig geworden, ist Kosolleck noch nicht: Dessen Name wolle er nicht einmal aussprechen, gab der Künstler zu Protokoll. Sollte Hayward den Posten allerdings räumen, will der Künstler für das CEO-Amt kandidieren. Diese Kandidatur steht womöglich schon bald an, denn vor kurzem haben sich die Gerüchte um eine Ablösung Haywards intensiviert. Und sollte BP vor der feindlichen Übernahme durch Kosolleck Pleite gehen, würde der Künstler eine Übernahme von Shell ins Auge fassen.