Er nahm kein Blatt vor den Mund

26. Juli 2018 21:50; Akt: 26.07.2018 21:50 Print

Die markantesten Zitate von Sergio Marchionne

von R. Knecht - «Aus der Hölle ins Fegefeuer» oder «Die haben was Illegales geraucht»: Sergio Marchionne drückte sich direkt aus, ohne die Dinge schönzureden.

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Sergio Marchionne ist am Mittwoch im Universitätsspital Zürich gestorben. Das sind seine markantesten Zitate. Marchionne über den Abgasskandal Marchionne zur Kritik von Diego Della Valle (Bild), CEO der Lederwarenfirma Tod's Marchionne war neidisch auf die britische Marke. Marchionne war von Tesla-Chef Elon Musk beeindruckt, glaubte aber, Ferrari könne es besser. Marchionne über den europäischen Automarkt Marchionne über Opels Pläne im Jahr 2009, mit russischen Partnern eine Allianz zu bilden Marchionne über die Fusion von Fiat und Chrysler Fiat und insbesondere die Sanierung der Firma waren Marchionnes Lebenswerk. Der offizielle Wohnsitz von Sergio Marchionne war das Steuerparadies Schindellegi, das zur Gemeinde Feusisberg zählt. Er wohnte in der Luxusüberbauung Sunset (Bild). Wegen seines Wohnsitzes im Kanton Schwyz gehörte Marchionne zu den reichsten Menschen in der Schweiz. Laut «Bilanz» hatte er ein geschätztes Vermögen von 550 Millionen Franken. 1997 stieg der studierte Philosoph, Anwalt und Wirtschaftsprüfer bei Alusuisse zum CEO auf. Bei der Firma traf Marchionne Christoph Blocher und Martin Ebner, die beide namhafte Anteile am Konzern besassen. Nach der Fusion von Alusuisse mit der kanadischen Firma Alcan wurde der stets locker gekleidete Manager Chef des abgespaltenen Chemie- und Pharmaunternehmens Lonza mit Sitz in Basel. 2002 wurde Marchionne zum Chef des Genfer Warenprüfkonzerns SGS gerufen. Von 2006 bis letztes Wochenende war er Präsident des Genfer Unternehmens. Von 2007 bis 2010 sass der bekannteste Manager Italiens im Verwaltungsrat der sich damals in Schieflage befindenden UBS. Vor dem Unispital Zürich hatten sich im Vorfeld des Todes von Marchionne etliche Journalisten eingefunden. Der Unternehmer trat kurz vor seinem Tod sowohl als Chef von Fiat-Chrysler ... ... als auch von Ferrari zurück. Entscheidend soll Marchionne auch beim Millionen-Deal zwischen Fussballstar Cristiano Ronaldo und Juventus Turin gewesen sein. Ronaldos neuer Arbeitgeber ist im Besitz der italienischen Familie Agnelli. Über die Gesellschaft Exor kontrolliert sie Fiat-Chrysler und Ferrari. Marchionne zeigte sich nicht nur eigenwillig in seinem Unternehmertum. Auch bei der Kleiderwahl setzte er auf Konsequenz: dunkler Pulli, dunkle Hosen.

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Am Mittwoch ist Fiats Chefsanierer Sergio Marchionne im Unispital Zürich gestorben. Der langjährige Chef von Fiat-Chrysler und Ferrari war bekannt dafür, dass er kein Blatt vor den Mund nahm. Ob ein Seitenhieb auf die Konkurrenz, die Einschätzung des Markts oder die Meinung zu Tesla-Chef Elon Musk – das sind die markantesten Zitate des verstorbenen Topmanagers:

«Wer uns mit VW vergleicht, hat etwas Illegales geraucht.»
Als im Abgasskandal der Verdacht laut wurde, dass Fiat ebenfalls getrickst haben könnte, reagierte der Konzernchef heftig. Fiat-Chrysler habe keinerlei Betrug begangen und der Fall sei in keiner Weise mit VW vergleichbar, sagte Marchionne zu italienischen Medien.

«Ich rede nicht mit Leuten, die Taschen fertigen.»
Diego Della Valle, CEO der Lederwarenfirma Tod's und Ferrari-Vorstandsmitglied, kritisierte Marchionnes Investitionspraxis. Tod's stellt unter anderem Artikel mit dem Ferrari-Logo her. Marchionne liess die Kritik nicht auf sich sitzen: «Ich baue Autos. Was Della Valle in Forschung und Entwicklung investiert, würde bei uns nur für den Kotflügel reichen.»

«Wenn ich einen Range Rover auf der Strasse sehe, kocht mein Blut.»
Marchionne hatte nichts gegen die britische Automarke – im Gegenteil. Grund für seine emotionale Reaktion war purer Neid: «Wir sollten in der Lage sein, so ein Ding zu bauen, und das werden wir auch», erklärte der Topmanager 2015.


Sergio Marchionne starb am Mittwoch. Er war 66 Jahre alt. (Video: SDA)

«Wenn ein elektrischer Supercar gebaut wird, dann wird Ferrari das als Erstes tun.»
Tesla sei nicht das einzige Unternehmen, das elektrische Superboliden entwickeln könne, war Marchionne überzeugt. Er hoffte, dem amerikanischen Branchenneuling die Rolle des Platzhirschen streitig machen zu können. Zu Firmenchef Elon Musk äusserte er aber bewundernde Worte: «Ich bin unglaublich beeindruckt davon, was der Junge erreicht hat.»

«Nach sechs oder sieben Jahren in der Hölle sehen wir endlich die ersten Schritte des Fegefeuers.»
2015 gab sich Marchionne optimistisch, was den europäischen Markt anbelangt. Dieser befand sich seiner Ansicht nach in einer jahrelangen Krise, von der er sich nun langsam zu erholen begann.

«Wenn einer meiner Leute mir mit so einem Plan käme, wäre er am nächsten Morgen seinen Job los.»
Marchionne hielt 2009 wenig von der Idee, dass der Konkurrent Opel mit russischen Partnern eine Allianz bilden könnte. Die russische Autoindustrie müsse zuerst die eigenen Probleme lösen. Eine Allianz würde die einheimische Industrie gefährden.

«Sie haben alles, was ich nicht habe – auch einiges, das ich nie brauchen werde.»
So kommentierte der Fiat-Chef die Fusion des italienischen Unternehmens mit Chrysler. Was Fiat von Chrysler brauchte, war insbesondere die Erfahrung und das Netzwerk des amerikanischen Unternehmens. «Und ich habe alles, was sie brauchen, aber nicht haben», fügte Marchionne hinzu.

«Meine Zukunft wird immer an Fiat gebunden sein.»
Fiat und insbesondere die Sanierung der Firma waren Marchionnes Lebenswerk. «Dies ist meine letzte Stelle, ich möchte nirgendwo anders mehr hingehen», sagte der Topmanager. Erst wenige Tage vor seinem Tod wurde Marchionne offiziell als Konzernleiter abgelöst.