Steuerbefreit

15. April 2019 11:01; Akt: 16.04.2019 09:22 Print

Diese Angestellten bezahlen keine Steuern

von D. Vollenweider - In der Schweiz gibt es über 30 internationale Organisationen, deren Mitarbeiter keine Steuern bezahlen müssen. Warum dieses Privileg?

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Zu den internationalen Organisationen, deren Mitarbeiter keine Steuern bezahlen müssen, gehören unter anderem die Organisation der Vereinten Nationen (UNO) ... ... wie auch die Internationale Arbeitsorganisation (IAO). General Director Guy Ryder erhält sein Salär also steuerfrei. Genauso wie Tedros Adhanom Ghebreyesus, General Director der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und all seine Angestellten. Auch die Mitarbeiter des Weltpostvereins müssen keine Steuern bezahlen. Genauso wie die Meteorologische Weltorganisation OMM oder auf englisch WMO... ... das internationale Erziehungsamt BIE... ... und die Weltorganisation für geistiges Eigentum. Auch die Mitarbeiter der Agentur für internationale Handelsinformationen und -kooperationen sind steuerbefreit. Genauso wie die Angestellten der Bank für internationalen Zahlungsausgleich BIZ (im Bild der BIZ-Turm in Basel). Steuerfrei ist auch das Einkommen der Angestellten der Internationalen Organisation für Auswanderung (OIM)... ... und der Europäischen Organisation für kernphysikalische Forschung (CERN). Steuerfrei ist auch das Salär der Mitarbeiter der Zwischenstaatlichen Organisation für den internationalen Eisenbahnverkehr (OTIF). Auch alle Angestellten der Europäischen Freihandelsassoziation (EFTA) in Genf bezahlen keine Steuern. Genauso wie das Salär der Mitarbeiter der Welthandelsorganisation (WTO) in Genf. Beim OSZE Hof haben lediglich die ausländischen Mitarbeiter Steuerprivilegien. Die Saläre der Mitarbeiter des Internationalen Komitees des Roten Kreuzes (IKRK) dagegen sind nicht Steuerbefreit. Bei der Föderation Rotes Kreuz und Roter Halbmond (FISCR) profitieren nur die ausländischen Mitarbeiter von einem steuerfreien Salär. Genauso wie beim Internationalen Luftverkehrsverband IATA.

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Die Steuerrechnung bedeutet für viele Schweizer einen beträchtlichen Budgetposten. Doch nicht alle müssen in die Staatskasse einzahlen: Angestellte von internationalen Organisationen beispielsweise können sich glücklich schätzen, ihr Salär ist steuerfrei, genauso wie Personal von diplomatischen und konsularischen Vertretungen.

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Auch der versetzte Korpskommandant Daniel Baumgartner, der neu zum Militärattaché in Washington ernannt wurde, erhält sein Salär steuerfrei.

Auch Schweizer Angestellte profitieren

Zu den internationalen Organisationen, deren Mitarbeiter keine Steuern bezahlen müssen, gehören unter anderem die Organisation der Vereinten Nationen (UNO), die Weltgesundheitsorganisation (WHO) oder der Weltpostverein (UPU). Laut dem EDA profitieren über 30 internationale Organisationen von solchen Arrangements.

Bei insgesamt 21 dieser Organisationen gelten diese Regelungen nicht nur für ausländische Mitarbeiter, die in der Schweiz arbeiten, sondern auch für Schweizer Angestellte – ihr Salär ist steuerfrei (siehe Box & Diashow). «Die Schweizer Angestellten profitieren von dieser Steuerbefreiung, weil die betroffenen Organisationen eine interne Besteuerung anwenden», sagt EDA-Sprecher Pierre-Alain Eltschinger.

Sind die Vereinbarungen noch zeitgemäss?

Doch warum zahlt der Korpskommandant Baumgartner keine Steuern? «Als Botschaftsangestellter ist sein Salär in den USA steuerfrei», sagt Steuerexperte Markus Stoll vom VZ Vermögens-Zentrum. In der Schweiz müsse er darauf die direkte Bundessteuer bezahlen. Grundlage für die Steuerbefreiung bilden die Wiener Übereinkommen über konsularische Beziehungen. Insgesamt entgehen dem Bund dadurch Millionen. So belaufen sich allein bei den ausländischen Funktionäre in der Schweiz die Steuerausfälle bei der Einkommenssteuer laut einer Motion aus dem Jahr 2013 auf 200 bis 400 Millionen Franken.

Grund für diese Steuerprivilegien von internationalen Organisationen ist unter anderem der Wettbewerb mit anderen Ländern: Die internationalen Organisationen mit Sitz in der Schweiz setzen jedes Jahr über 6 Milliarden Franken um. Das entspricht rund 1 Prozent des Bruttoinlandprodukts. Davon werden laut EDA rund 3 Milliarden Franken direkt in der Schweiz ausgegeben.

Das sagt die Politik zu den Steuerprivilegien

«Diese internationalen Organisationen sind sehr begehrt – für die Schweiz sind sie aus wirtschaftlichen Gründen wichtig», sagt Alfred Heer, Nationalrat und Präsident des Bundes der Steuerzahler. «Natürlich ist das keine Rechtsgleichheit», fügt er an. Besonders wenn Schweizer Mitarbeiter, die hier wohnen und arbeiten, davon profitieren, sei das jedoch stossend.

Auch für SP-Nationalrätin Mattea Meyer wirft die Steuerbefreiung Fragen auf: «Die Mitarbeitenden nutzen dieselbe Infrastruktur wie alle anderen.» Meyer würde es deshalb begrüssen, zu überprüfen, ob die Regelung noch zeitgemäss ist. «Wichtig ist aber, dass das internationale Recht akzeptiert und dass die Frage des tieferen Lohnniveaus berücksichtigt wird.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Kurt Ammann am 16.04.2019 09:30 Report Diesen Beitrag melden

    Korrupte Schweiz

    Die Schweiz wird immer korrupter. Wir Rentner zahlen Fr. 17.- an Bundessteuer nach. Uns wird jeder Rappen Einkommen verrechnet. Eine Schande und eine Sauerei.

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  • Jan am 16.04.2019 09:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Frechheit

    Sowas ist schon harrt, wenn man als Steuerzahler der Mittelschicht das lesen muss.

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  • Aussenseiter am 16.04.2019 09:28 Report Diesen Beitrag melden

    die einen und die anderen

    Nun ja, wie heisst es doch immer so schön alle Menschen sind gleich, aber manche sind gleicher!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Maria M am 30.04.2019 11:55 Report Diesen Beitrag melden

    Und noch was

    Versteuern z.B. BIZ Angestellte auch keinen Eigenmietwert?

  • Freeroadrunner am 20.04.2019 11:28 Report Diesen Beitrag melden

    Privilegien die unbegreiflich sind

    ... und diese Leute, wohl hochbezahlt, nehmen uns die Wohnungen in Genf weg, daher die hohen Mieten, denn die, die ja keine Steuern bezahlen und womöglich die Unterkunft noch bezahlt bekommen, können sich das wohl leisten.

  • Gasto am 19.04.2019 20:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Echt jetzt

    Mir fehlen einfach die Worte, um noch weiter zu schreiben

  • ExPat am 19.04.2019 03:37 Report Diesen Beitrag melden

    Korrekte Fakten ...

    Diese Aussage ist wahrscheindlich so nicht richtig . Mit Wohnsitz in der Schweiz erhaelt jeder eine Steuerrechnung . Dass dann der Lohn nicht berechnet wird kann sein , aber es gibt noch andere Einkuenfte und dann noch das Vermoegen , welche der Steuer unterliegen !

    • ExPat 2 am 20.04.2019 11:33 Report Diesen Beitrag melden

      Korrekte Fakten ... aber im Graubereich

      Nun ExPat - ich gehe davon aus, dass Sie einer sind. ! So müssten Sie für Ihre Bezüge in der Schweiz zumindest de Quellensteuer unterliegen. Ob das dann der Arbeitgeber oder schlussendlich Sie bezahlen ist mir eigentlich egal, Hauptsache Ihre Einkünfte in der CH werden besteuert, wie jedem anderen Einwohner ebenfalls.

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  • Seifi am 19.04.2019 02:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Vetternwirtschaft?

    Unverständlich. Haben diese Leute einen solchen Hungerlohn? Die armen ...wenn man nichts verdient soll man auch keine Steuern zahlen!