Sechs Stunden pro Nacht

31. Oktober 2018 12:34; Akt: 31.10.2018 12:34 Print

Angestellte bekommen Geld fürs Schlafen

von R. Knecht - Im Schlaf Geld verdienen – das können Angestellte der Firma Crazy. Sie erhalten eine Belohnung, wenn sie regelmässig sechs Stunden schlafen.

Bildstrecke im Grossformat »
Wer bei der Beratungsfirma Crazy lange genug im Bett ist,... ...bekommt dafür bis zu 570 Franken im Jahr. Arbeiter, die in mindestens fünf Nächten pro Woche jeweils sechs oder mehr Stunden schlafen, bekommen Punkte, die sie in der Geschäftskantine für Essen einlösen können. Gemessen wird die Schlafzeit mit der App eines Matratzenherstellers. Dass die Arbeiter sozusagen im Schlaf Geld verdienen können, soll sie glücklicher und dadurch leistungsfähiger machen, wie Firmenpräsident Kazuhiko Moriyama (Bild) zur Nachrichtenagentur Bloomberg sagte. Gerade in Japan gibt es immer wieder Todesfälle, die auf Überarbeitung zurückzuführen sind. Übrigens: Man kann Schlaf auch nachholen. Wer am Wochenende gern länger liegen bleibt, macht laut einer neuen Studie alles richtig.So kann nämlich ein unter der Woche angehäuftes Schlafdefizit ausgeglichen werden. Werde die fehlende Nachtruhe an freien Tagen nachgeholt, gehe Schlafmangel langfristig nicht mit einem erhöhten Sterberisiko einher, berichtet ein internationales Team von Schlafforschern im Diese Erkenntnis ist wichtig, denn Schlafmangel kann auf Dauer krank machen. Ausserdem hat zu wenig Schlaf verschiedene weitere unangenehme Nebenwirkungen. Wer zu wenig schläft, ist laut Forschern der Harvard Medical School in Boston Selbst Schmerzmittel wie Ibuprofen sind gegen die durch den Schlafmangel ausgelöste Überempfindlichkeit machtlos. Auch sind Folge von Schlafmangel: US-Forscher zeigten 2014, dass auch diejenigen, die ein Ausbund an Loyalität sind, sich übermüdet in Lügner verwandeln. Wer wenig schläft, hat Das ist das Ergebnis einer Studie von belgischen Forschern. Demnach waren Studenten, die während der Prüfungszeit sieben Stunden pro Nacht schliefen, Ebenfalls eine Nebenwirkung von zu wenig Schlaf ist die Das fängt schon in ganz jungen Jahren an, wie Forscher vom Ohio State University College berichten. Demnach reduziert frühes – und damit längeres – Schlafen im Kindesalter das Risiko, später übergewichtig zu werden. Ein Mangel an Schlaf führt ausserdem zu was auf Dauer zu gefährlichen Folgeerkrankungen führen kann, wie Forscher der Universität Bonn herausgefunden haben. Von der gleichen Hochschule stammt auch die Erkenntnis, dass schon eine durchwachte Nacht das Gehirn eines gesunden Menschen zu veranlassen kann. Schlafmangel kann richtiggehend Forscher der University of Pennsylvania konnten das in einer Studie mit Mäusen nachweisen. Laut Forschern der University of California macht Schlafmangel Menschen auch deutlich Wer weniger als sechs Stunden pro Nacht schläft, ist demnach 4,2-mal so anfällig für eine Erkältung wie jemand mit mindestens sieben Stunden Schlaf. Unausgeschlafene Menschen sind als ausgeschlafene. Besonders viel Schlaf sollten sich Autolenker gönnen, denn Müdigkeit im Auto ist War die Nachtruhe des Fahrers zu kurz, funktioniert sein Körper, als hätte er 1 Promille Alkohol im Blut. Damit ist er fahruntauglich. Schlaf hilft, Ist die nächtliche Erholungsphase aber zu kurz, bleiben sie erhalten. Bei Experimenten mit übermüdeten Mäusen führte das dazu, dass sie in neuen Situationen schreckhaft und ängstlich waren. Männern droht noch eine weitere Gefahr: Bei ihnen sinken bei längerem Schlafmangel die Testosteronwerte, was einen hat. Wer hat, sollte es einmal mit der vom US-Mediziner Andrew Weil entwickelten Atemtechnik probieren: Dabei muss man zunächst durch die Nase einatmen und bis vier zählen. Anschliessend muss der Atem angehalten und bis sieben gezählt werden. Um genügend Schlaf zu finden, raten Experten zu Der Hauptgrund für Schlafprobleme und -mangel ist oftmals, dass nur wenige Paare die gleichen Schlafenszeit-Routinen oder Schlafgewohnheiten haben. Wenn der Schlaf nachts zu kurz gekommen ist, kann ein helfen. Laut französischen Forschern macht ein Nickerchen selbst ein riesiges Schlafdefizit wett. Wichtig ist aber, dass das Schläfchen 30 Minuten nicht übersteigt.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Damit Angestellte produktiver werden, hat sich ein Unternehmer ein ganz spezielles Anreizsystem ausgedacht: Wer bei der japanischen Beratungsfirma Crazy arbeitet, erhält eine Belohnung fürs Schlafen. Arbeiter, die in mindestens fünf Nächten pro Woche jeweils sechs oder mehr Stunden schlafen, bekommen Punkte, die sie in der Geschäftskantine für Essen einlösen können. Pro Jahr können die Angestellten so Punkte im Wert von bis zu umgerechnet 570 Franken sammeln. Gemessen wird die Schlafzeit mit der App eines Matratzenherstellers.

Umfrage
Leiden Sie unter Schlafmangel?

Dass die Arbeiter sozusagen im Schlaf Geld verdienen können, soll sie glücklicher und dadurch leistungsfähiger machen, wie Firmenpräsident Kazuhiko Moriyama zur Nachrichtenagentur Bloomberg sagte.

Schlaftabletten, Handyverbot oder strikte Bettzeiten – mit welchen Tricks sorgen Sie dafür, dass Sie auch im stressigen Alltag genug Schlaf bekommen?

«Sechs Stunden ist absolutes Minimum»

Die Idee, dass eine Firma Mitarbeiter belohnt, wenn sie mindestens sechs Stunden schlafen, findet Katharina Stingelin, Somnologin an der KSM Klinik für Schlafmedizin in Bad Zurzach, nicht gut: Der Schlafbedarf sei sehr individuell. «Sechs Stunden Schlaf gilt als das absolut nötige Minimum – die meisten Menschen brauchen zwischen 7,5 und 8 Stunden», sagt die Expertin zu 20 Minuten. Durch die Vorgabe von sechs Stunden werde auch den Angestellten mit grösserem Bedarf suggeriert, dass sechs genug seien.

Es sei auch keine Lösung, den Mitarbeitern eine höhere Belohnung zu geben, je länger sie schlafen: «Das wäre eine Bestrafung für Kurzschläfer», so Stingelin.

Tod durch Überarbeitung

Gerade in Japan gibt es immer wieder Todesfälle, die auf Überarbeitung zurückzuführen sind. Auf Japanisch gibt es dafür sogar ein eigenes Wort: Karōshi (過労死, zu Deutsch: «Tod durch Überarbeitung»). Einer der Gründe, warum sich japanische Angestellte derart für den Job aufopfern, ist die Arbeitskultur, wie David Chiavacci, Professor für Japanologie an der Universität Zürich, zu 20 Minuten sagt.

In Japan gebe es eine langfristige Beschäftigungsgarantie: Viele Arbeiter behalten ihren ersten Job nach der Schule für lange Zeit, oft sogar lebenslang. «Dafür müssen sie sehr aufs Wohl der Firma bedacht sein», so der Experte. Seit die japanische Wirtschaft in den 90er-Jahren zu stagnieren begonnen hat, werde diese Arbeitskultur aber zunehmend hinterfragt.

Konzentrationsprobleme, reduzierte Reaktionszeit, emotionale Instabilität

«Leidet man ein paar Wochen unter Schlafmangel, steigt das Herzinfarktrisiko noch nicht», sagt Schlaf-Expertin Stingelin. Nebenwirkungen hat der Mangel trotzdem: Laut der Expertin führt er zu Konzentrationsproblemen, reduzierter Reaktionszeit und emotionaler Instabilität. Darunter könnten auch das soziale Umfeld des Betroffenen und die Produktivität leiden.

Wer zu wenig schläft, tut auch seinem Arbeitgeber keinen Gefallen. Laut einer Studie des Marktforschers Rand sinkt die Produktivität, wenn Angestellte weniger als sieben bis acht Stunden pro Nacht schlafen. Personen, die stattdessen weniger als sechs Stunden schlafen, sind doppelt so oft aus gesundheitlichen Gründen nicht imstande, ihre Arbeit zu erledigen, und fehlen öfter.

Schlafmangel wirkt sich zudem auf das Bruttoinlandprodukt (BIP) aus. Die Rand-Studie zeigt, dass Länder ihr BIP um Milliarden erhöhen könnten, wenn Arbeiter auch nur ein kleines bisschen länger schlafen würden. Im Fall von Japan schätzen die Autoren die mögliche Steigerung auf 1,6 Prozent, was einer Erhöhung des BIP um 75,7 Milliarden Franken entspricht. Für die Schweiz hat das Unternehmen diese Daten nicht erhoben – im Nachbarland Deutschland hingegen sieht Rand ein geschätztes Verbesserungspotenzial von 34,1 Milliarden Franken (+0,88 Prozent).

sentifi.com

20min_ch_app Sentifi Börseneinblicke aus den sozialen Medien

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • C.H. am 31.10.2018 12:44 Report Diesen Beitrag melden

    Überstunden

    Bei der Firma Crazy würde ich gerne Überstunden machen - vor allem in der Nacht ;-)

  • Brumm Bär am 31.10.2018 12:49 Report Diesen Beitrag melden

    Weckt mich auf

    wenn wieder Frühling ist.

  • Einfach mal laut gedacht am 31.10.2018 12:38 Report Diesen Beitrag melden

    Ist doch nichts neues

    Jeder der sagt, man solle und könne das Geld arbeiten lassen macht das ja - egal mit wieviel Schlaf. Ich hab auch mal versucht, einem Hunderternötchen ne Schaufel anzudrücken, aber es wollte einfach nicht Arbeiten. Dieser ganze Irrsinn bricht uns so gerade das Genick - Kreditgeschäfte als Basis für eine Geldschöpfung aus NICHTS, dazu der Zins der nicht Bestandteil der eigentlichen Geldmenge ist. Beides Forderungen, die es eigentlich nie gegeben hat. Das soll das Leben sein?

Die neusten Leser-Kommentare

  • Gretel am 01.11.2018 11:39 Report Diesen Beitrag melden

    Beweise bringen?

    Wie will denn der Arbeitgeber kontrollieren, dass seine Angestellten wirklich 6 Stunden geschlafen haben?

  • Whistleblower am 01.11.2018 11:23 Report Diesen Beitrag melden

    Bei uns in der Firma

    Kenne ich auch ein paar Menschen welche für's Schlafen bezahlt werden. So ganz nebenbei...

  • Herr Max Bänzli Live Sanktus & Spiritus am 01.11.2018 09:09 Report Diesen Beitrag melden

    genau

    nehme mal an es soll in der Firma 6 Stunden geschlafen werden, so wie hier

  • Moritz Leuenberger am 01.11.2018 05:58 Report Diesen Beitrag melden

    Da sagt niemand etwas

    Mitglieder der National und Ständerat werden auch zum schlafen bezahlt , wie man so oft in den Sessionen beobachten kann , und diese werden nicht zu gering entlöhnt

  • Egal am 31.10.2018 20:40 Report Diesen Beitrag melden

    Früchte ausquetschen um jeden Preis

    Wahrscheinlich dürfen sie dafür zwei Stunden länger arbeiten pro Tag gratis... Als Ausgleich..