Leser-Geschichten

19. Oktober 2019 12:17; Akt: 19.10.2019 12:17 Print

«Ich bereue es, meine Lehre gemacht zu haben»

Schlechter Betrieb, mieser Lohn, kaum Entwicklungsmöglichkeiten: Nicht alle freuen sich über die Ausbildung, die sie gewählt haben.

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Viele Leser bereuen die Ausbildung, die sie gewählt haben. So schreibt Buchhändlerin Lara etwa: «Ich wünschte, ich hätte mich anders entschieden.» (Symboldbild) Auch wegen schlechter Weiterbildungsoptionen und fehlender 100-Prozent-Stellen bereuen viele Leser die gewählte Lehre. Ein Leser schreibt, seine Lehre bringe ihm im Studium gar nichts – doch er habe das erst beim Studienbeginn bemerkt. Für viele ist auch der niedrige Lohn – sei es in der Branche oder während der Lehre – ein Grund zur Unzufriedenheit. Das sind die gesamtschweizerisch empfohlenen Löhne für Lernende auf dem Weg zum eidgenössischen Fähigkeitszeugnis (EFZ), in Franken und pro Monat: 1. Lehrjahr: 700 2. Lehrjahr: 850 3. Lehrjahr: 1150 4. Lehrjahr: 1450 1. Lehrjahr: 800 2. Lehrjahr: 900 3. Lehrjahr: 1100 1. Lehrjahr: 500-700 2. Lehrjahr: 600-800 3. Lehrjahr: 700-1000 Elektroniker 1. Lehrjahr: 600-650 2. Lehrjahr: 800-850 3. Lehrjahr: 1050-1150 4. Lehrjahr: 1150-1250 1. Lehrjahr: 550 2. Lehrjahr: 700 3. Lehrjahr: 900 1. Lehrjahr: 900 2. Lehrjahr: 1100 3. Lehrjahr: 1350 1. Lehrjahr: 550-650 2. Lehrjahr: 750-850 3. Lehrjahr: 950-1100 4. Lehrjahr: 1200-1400 1. Lehrjahr: 770 2. Lehrjahr: 980 3. Lehrjahr: 1480 1. Lehrjahr: 1020 2. Lehrjahr: 1300 3. Lehrjahr: 1550 1. Lehrjahr: 300-500 2. Lehrjahr: 400-600 3. Lehrjahr: 500-700 1. Lehrjahr: 500-650 2. Lehrjahr: 700-900 3. Lehrjahr: 1200-1600 1. Lehrjahr: 550 2. Lehrjahr: 700 3. Lehrjahr: 850 1. Lehrjahr: 800 2. Lehrjahr: 1000 3. Lehrjahr: 1300 4. Lehrjahr: 1600 1. Lehrjahr: 500 2. Lehrjahr: 600 3. Lehrjahr: 800 4. Lehrjahr: 1000 1. Lehrjahr: 750 2. Lehrjahr: 980 3. Lehrjahr: 1330 4. Lehrjahr: 1700 Und so viel verdient man laut Lohnbuch in folgenden Berufen nach der Ausbildung: Ein verdient 6900 Franken ab Studium in der Grossregion Zürich. : 4450 Franken nach 4-jähriger Lehre mit EFZ. Sie verdienen laut dem Lohnbuch 7348 Franken. Ab dem 3. Dienstjahr sind es 8069 Franken (Grossregion Zürich). Als Bäckerin mit EFZ verdient man ab dem ersten Berufsjahr mit GAV 4000 Franken. Ein Credit- und Riskmanager verdient 8769 Franken, wenn er neu in dieser Position ist. Ein Baufacharbeiterin verdient ab 4720 Franken (mit EFZ). Eine Bauführerin hat 7305 Franken Lohn pro Monat. 6156 Franken mit abgeschlossener Lehre oder Matur, 6990 Franken mit abgeschlossener Hochschul- oder Fachhochschulausbildung. Das Salär für einen Chefarzt beträgt laut Lohnbuch 13'017 Franken im Kanton Zürich. 3800 Franken bis zum 2. Berufsjahr, 4000 Franken ab dem 5. Berufsjahr (12 oder 13 Monatslöhne, je nach Vereinbarung). Eine diplomierte Drogistin verdient 3900 Franken in wirtschaftlich schwächeren Regionen, 4442 Franken in wirtschaftlich stärkeren Regionen (12 Monatslöhne). 3700 Franken im 1. Berufsjahr. : 4475 Franken mit EFZ, 5000 Franken ab fünf Jahren Berufserfahrung In einer Kindertagesstätte ist die Lohnempfehlung für eine Fachperson Betreuung (EFZ) 4200 Franken (12 Monatslöhne). 3850 Franken nach Lehrabschluss (12 Monatslöhne branchenüblich). Ein Chief Financial Officer, der neu in der Position ist, verdient 14'000 Franken monatlich. Eine Bankenanalystin hat 6558 Franken, ein Treuhänder 6500 Franken Lohn pro Monat – die Zahlen gelten ebenfalls für Angestellte, die neu in der Position sind. : Mitarbeiter mit EFZ erhalten im Service 4195 Franken. 4279 Franken nach Lehrabschluss. 4791 Franken erhält ein Verkehrswegebauer im Monat im 1. Jahr nach Lehrabschluss. Ein Baupraktiker Gleisbau verdient 4615. : 4715 Franken (ohne Berufsprüfung). Ein Informatiker EFZ hat 4615 Franken Lohn pro Monat (ohne Abschluss der BMS). Mit Masterabschluss an der Universität gibts 6669 Franken. Ein Wirtschaftsinformatiker verdient 6143 Franken bis zum 25. Altersjahr. : Eine Redaktorin in der deutschsprachigen Schweiz erhält laut Lohnbuch 5189 Franken. : 4100 Franken (Grossregion Zürich). Landwirtinnen EFZ erhalten 4500 Franken pro Monat. Primarschullehrerinnen verdienen laut dem Lohnbuch 7016 Franken im Kanton Zürich (Kategorie III, Stufe 1). 4118 Franken nach Lehrabschluss. Ein Masseur hat als Einsteiger einen Monatslohn von 4400 Franken. 5553 Franken pro Monat (Kanton Zürich). 4200 Franken im 1. Berufsjahr. Ein Metzger mit EFZ verdient ab 4050 Franken monatlich. Ein Kehrichtbelader verdient 3813 Franken pro Monat. 4000 Franken ab dem 1. Praxisjahr (12 Monatslöhne). 6458 Franken für einen First Officer Narrowbody, ab dem 1. Dienstjahr, 8445 Franken für einen Captain Narrowbody, ab 1. dem Dienstjahr (12 Monatslöhne). Eine Gemeindepfarrerin verdient 9084 Franken pro Monat. 5594 Franken im Kanton Zürich. 6573 Franken. : Ein Polizeisoldat/Gefreiter verdient 5594 Franken pro Monat (Kanton Zürich) Wer in der Saline arbeitet, kann mit einem Mindestlohn von 3712 Franken rechnen (Ungelernte, 20 bis 24 Altersjahre). Ab dem 20. Altersjahr können Schreiner laut GAV mit einem Lohn von 4018 Franken rechnen. 6339 Franken (Region Zürich). : 4000 Franken ab dem 20. Altersjahr (12 Monatslöhne). 3150 Franken (ab 1. Anstellungsjahr). Ein leitender Tierarzt verdient 11'320 Franken pro Monat. 4573 Franken pro Monat. 4500 Franken pro Monat mit einem eidgenössischen Fähigkeitszeugnis (EFZ). Die Reinigungsbranche hat Ende letzten Jahre mit dem neu verhandelten Gesamtarbeitsvertrag Mindestlöhne von 4500 für Gebäudereiniger mit abgeschlossener Lehre EFZ sowie Zuschläge für Sonntags- und Nachtarbeit eingeführt. Neu wird der Mindestlohn für Mitarbeitende ohne formale Grundbildung um rund 5 Prozent erhöht, wenn sie sich in einem 80 Lektionen umfassenden GAV-Lehrgang weiterbilden. : Detailhandelsangestellte verdienen 4100 Franken (ohne Berufserfahrung ab 20. Altersjahr). Mit 3- oder 4-jähriger Berufslehre sind es 4350 Franken. 5553 Franken. 4969 Franken pro Monat.

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Die meisten Schweizer Jugendlichen sind mit der Wahl ihrer Ausbildung zufrieden. Doch manche bereuen es, eine bestimmte Lehre gewählt zu haben – anderen gefällt der Lehrbetrieb nicht.

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Studium oder Lehre?

Leser erzählen, warum sie im Nachhinein doch nicht zufrieden sind. Personalexperte Matthias Mölleney von der Hochschule für Wirtschaft Zürich gibt seine Einschätzung:

«Meine Vorkenntnisse bringen im Studium keine Vorteile»

F. (27), Elektroinstallateur: «Für mein jetziges Studium als Elektroingenieur hätte ich besser Elektroniker oder Automatiker gelernt. Mit meinen Vorkenntnissen als Elektroinstallateur habe ich leider keinerlei Vorteile. Manchmal vermisse ich trotzdem das Arbeiten mit den Händen. Nach einer Weile vergeht einem aber der Spass auf der Baustelle. Die primitive und vulgäre Ausdrucks- und Umgangsweise, mit der man täglich konfrontiert ist, ist einfach nicht lange auszuhalten.»
Mölleney: «Es kann vorkommen, dass man erst beim Studienbeginn merkt, dass die Lehre gar nicht die richtige war. Anders ist es nur, wenn man von Anfang an eine klares Ziel für das Studium hat und sich mit einer vorhergehenden Lehre bestens darauf vorbereiten möchte. Aber die wenigsten Menschen haben so einen langfristigen, strategischen Karriereplan – und das ist auch gut so.»


«Ich wünschte, ich hätte mich anders entschieden»

Lara (25), Buchhändlerin: «In der zweiten Woche meiner Ausbildung ging ich mit einer Mitarbeiterin Mittag essen. Da fragte sie mich, warum ich diese Ausbildung überhaupt mache, da die Buchbranche langsam den Bach runtergehe. Trotzdem habe ich die dreijährige Lehre abgeschlossen. Jetzt bereue ich das und wünschte, ich hätte mich anders entschieden. Fünf Jahre nach der Lehre ist es für mich schwierig, in eine neue Branche einzusteigen.»
Mölleney: «Wenn man schon in der zweiten Woche merkt, dass man die ‹falsche› Lehre ausgewählt hat, ist es noch nicht zu spät, um zu wechseln. Wenn die Lehre aber schon länger läuft, ergibt es mehr Sinn, sie abzuschliessen und danach zu schauen, auf welchem Weg man weiterkommt.»

«Werde nur als billige Arbeitskraft genutzt»

James (20), Automobil-Mechatroniker: «Da ich anders aussehe, werde ich anders behandelt – ich werde nur als billige Arbeitskraft genutzt. Von einer Ausbildung kann man da nicht sprechen.»
Mölleney: «Ich würde empfehlen, das Gespräch mit den Verantwortlichen für die Ausbildung zu suchen. Vielleicht stimmt es, dass das ‹andere Aussehen› zu der schlechteren Behandlung führt, vielleicht gibt es aber auch andere Gründe für diese Wahrnehmung. Je früher das Gespräch stattfindet, desto besser sind die Chancen, dass man da noch etwas verändern kann.»

«Lehrpläne werden nicht eingehalten»

Bruno (18), Automobil-Mechatroniker: «Die Lehrpläne werden nicht eingehalten und die Arbeit ist ohne Schutzmassnahmen sehr gefährlich. Wegen des hohen Zeitdrucks haben wir sehr viel Stress, und der körperliche Verschleiss ist enorm.»
Mölleney: «Hier gilt die gleiche Empfehlung: unbedingt das Gespräch mit den Verantwortlichen für die Ausbildung suchen.»

«Pro Stunde zahlen Kunden 100 Franken, ich bekomme 5»

Tobias (18), Informatiker: «Das Lernen gilt nur als Vorwand, um immer wieder die gleichen Aufgaben zu lösen. Und das bei einem Stundenlohn von rund 5.20 Franken – dabei gilt bei Arbeiten für Kunden ein abartiger Stundensatz von teils über 100 Franken.»
Mölleney: «Dass der Betrieb Geld verdient, man selber aber kaum, damit muss man sich vermutlich abfinden. Vielleicht hilft der Austausch mit anderen Lernenden in anderen Betrieben oder Branchen, um sich einen Überblick zu verschaffen, wo die Situation etwas besser ist. Dann kann man nach der Lehre versuchen, das Unternehmen oder vielleicht sogar die Branche zu wechseln.»

«Finde keine 100-Prozent-Stelle»

M. (21), Detailhandelsfachfrau: «Nach der Lehre finde ich keine Stelle im Detailhandel mit einem Arbeitspensum von 100 Prozent. Heutzutage ist das wirklich schwierig.»
Mölleney: «Das Problem ist bekannt. Aber es gibt viel Fluktuation im Detailhandel und von daher auch gute Chancen, dass es doch irgendwann klappt mit der 100-prozentigen Anstellung. Man kann ja auch mit einem etwas reduzierten Pensum anfangen und von vornherein darauf hinweisen, dass man gern aufstocken würde, sobald sich dafür eine Chance ergibt.»

«Berufsfeld, Weiterbildung und Löhne sind schlecht»

Hans (25), Konstrukteur: «Ich würde die Lehre als Konstrukteur niemals wieder machen. Das Berufsfeld und die Weiterbildungsmöglichkeiten sind schlecht. Auch die Löhne sind im Vergleich zu den KV-lern im Banken- und Versicherungsgeschäft deutlich beschränkt – auch die Informatiker haben die Nase vorn.»
Mölleney: «Eine intensivere Information im Vorfeld wäre da sicher hilfreich gewesen. Andererseits ändern sich die Umstände auch ständig: Während früher eine KV-Lehre schon eine gute Voraussetzung war für eine gut bezahlte Stelle nach der Lehre, sind heute viele typische KV-Stellen durch Automatisierung und Digitalisierung stärker bedroht als damals.»

(rkn)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • wolke007 am 19.10.2019 12:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Es gehört zum Leben

    Was für ein Gejammer. Jeder hat eine Schnupperlehre gemacht - und sich dann mal für eine Erstausbildung entschieden. Ich habe mich auch laufend weitergebildet und wieder einmal beruflich neu orientiert. Das gehört zum Leben.

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  • dagobert am 19.10.2019 12:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    macht etwas

    Manchmal habe ich das Gefühl die jungen Leute wollen gar nichts lernen. Denn ganzen Tag auf dem Sofa bei Netflix und Gamen macht sicher mehr Spass als arbeiten. Das Leben ist aber kein Wunschkonzert.

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  • Nicolas John Dee II am 19.10.2019 12:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Dito

    Geht mir genauso. Nach der Malerlehre wurde ich freigestellt und ich habe als Temporär gejobbt. Jedoch wurde ich immer im Winter wieder freigestellt und bisher gab es nirgends Arbeit für mich. Also Sparen, Auto kaufen oder ähnliche Fortschritte bleiben mir unter den Umständen verwehrt.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Sami am 23.10.2019 06:54 Report Diesen Beitrag melden

    keine Entscheidung

    Manchmal kann man nicht entscheiden was man machen möchte da entweder schulische Leistung nicht gut genug sind oder anders aussiehst.

  • der arbeiter am 22.10.2019 17:26 Report Diesen Beitrag melden

    Zufrieden

    arbeite in der Logistik und verdiene mit 25 Jahren 5000.- und bin zu frieden

  • Dr. Unglaubwürdig am 22.10.2019 13:21 Report Diesen Beitrag melden

    Chefarztlohn

    Wie um Himmelswillen kommt Ihr auf diese Angabe bezüglich eines Chefarztgehaltes???

  • exArch am 22.10.2019 10:24 Report Diesen Beitrag melden

    Sklaven

    Ich bereue, dass ich ein Architektur Studium an der ETH gemacht habe. Die meisten Architekten werden zu Zeichnungssklaven abgerichtet. Das Studium ist realitätsfremd. Studiere jetzt noch Jus, zum Glück.

  • Jenny am 22.10.2019 09:29 Report Diesen Beitrag melden

    Tun nicht jammern

    Ich hatte Coiffeuse gelernt als erstes und abgeschlossen. Als mir das nicht mehr gefiel machte ich ne 2. Lehre im Büro als Kauffrau aber auch da war es schwierig eine Stelle zu finden. Man muss einfach rausstechen u d sich gut verkaufen. Hab dann ne super stelle gefunden. Das Jammern hilft net viel man muss was tun.